1. tz
  2. München
  3. Region

Frauenarzt freigesprochen: Bleibt der Tod ungesühnt?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Frauenarzt Michael B.
Urteilsverkündung im Mordfall Brigitte B.: Michael B. wird freigesprochen. © Hans Moritz

Erding - Der Erdinger Frauenarzt Michael B. wurde mit einem spektakulären Urteil freigesprochen. Viele Fragen bleiben jedoch offen. Wer ist zum Beispiel der wahre Mörder seiner Frau? Die tz beantwortet die wichtigsten:

Frauenarzt Michael B.
Urteilsverkündung im Mordfall Brigitte B.: Michael B. wird freigesprochen. © Hans Moritz

Der Prozess gegen den Erdinger Frauenarzt Michael B. ist am Montag mit einem spektakulären Urteil zu Ende gegangen: Der Angeklagte durfte das Landgericht Landshut als freier Mann verlassen (tz berichtete). Die Vorsitzende Richterin Gisela Geppert bezeichnete das Urteil als einen Freispruch zweiter Klasse, da dem Arzt nicht nachgewiesen werden konnte, dass er seine 60-jährige Frau am 4. Dezember 2013 im gemeinsamen Haus in Erding getötet hat. Wer ist der wahre Täter? Und wie geht es weiter? Es bleiben viele Fragen – die tz beantworten die wichtigsten:

Staatsanwalt Klaus Kurtz hat bereits gestern angekündigt, dass er in Revision gehen wird, obwohl die Staatsanwaltschaft mit dieser Entscheidung noch bis kommenden Montag Zeit gehabt hätte. Sobald alles Schriftliche vorliegt, wird entsprechend vorgegangen.

Eine Revision ist ein Rechtsmittel und bedeutet die Überprüfung des Gerichtsurteils durch ein Revisionsgericht. Beantragen können dies die Staatsanwaltschaft, Verteidigung oder Nebenklage. Revision wird eingelegt, wenn eine Instanz mit dem Urteil des Gerichts nicht einverstanden ist.

Es ist davon auszugehen, dass die Polizei neu ermitteln wird, sobald dies die Staatsanwaltschaft anordnet. Davon gehen auch die Nebenklage-Anwälte aus. „Mord verjährt nicht. Die Polizei wird also weiter ermitteln und nach dem Mörder suchen“, so die Anwälte.

„Der Polizei steht es nicht zu, ein Urteil zu kommentieren“, heißt es bei der Kripo Erding.

Zu den Zukunftsplänen seines Mandanten wollte sich Rechtsanwalt Dr. Karsten Fehn nicht äußern.

Er hatte eine Praxisgemeinschaft mit einer Frauenärztin. Bei Anrufen meldet sich nun die Praxis unter dem Namen der Kollegin.

Ja, Michael B. saß 410 Tage in Untersuchungshaft. Für jeden Tag soll Michael B. 25 Euro bekommen. Eine Gesamtentschädigung von 10.250 Euro steht ihm also zu.

„Das Urteil hat uns überrascht“, sagte Nebenklage-Anwältin Constanze von der Meden zur tz. Gemeinsam mit ihrem Kollegen vertrat sie die leiblichen Kinder der Getöteten vor Gericht. „Man hätte die Umstände sicherlich auch anders sehen können.“ Eine Revision wollen die Anwälte einlegen, um das Urteil zu prüfen. Laut Anwälten geht es ihren Mandanten nicht gut. „Die Ungewissheit, wer nun die Tat begangen hat, ist schwer zu tragen“, so die Nebenklage-Anwälte.

Zuerst hat die Kammer mehrere Wochen Zeit, das Urteil samt Begründung vorzulegen. Danach wird es von der Staatsanwaltschaft geprüft und mit begründeter Revision sowie gegebenenfalls einer sogenannten Gegenerklärung an die Generalbundesanwaltschaft geschickt, die es dann nach Prüfung und Zulassung dem Bundesgerichtshof übergibt. Dieses Prozedere kann durchaus das gesamte Jahr 2015 dauern.

aw/vp

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion