Morddrohung am Amtsgericht Dachau

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In diesem Gebäude wurde ein Staatsanwalt getötet

Dachau - Zwei Wochen nach dem Mord an Staatsanwalt Tilman Turck hat ein Bauunternehmer vor dem Dachauer Amtsgericht für einen Eklat gesorgt. Der Mann sprach im Sitzungssaal eine Morddrohung gegen seine Mieterin aus.

Das Amtsgericht Dachau kommt nicht zur Ruhe. Vor zwei Wochen hat der Transportunternehmer Rudolf U. die tödlichen Schüsse auf den Staatsanwalt abgegeben, jetzt sorgte ein Unternehmer aus Hilgertshausen (Kreis Dachau) für eine makabre Morddrohung. „Ich weiß schon, wie ich die loswerde. Das habe ich ja vor ein bis zwei Wochen hier gelernt, wie das geht“, sagte er während einer Zivilsache gut hörbar über seine Mieterin. Bei der Verhandlung ging es um den Räumungstermin einer Wohnung.

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„Der Mann ist ein Choleriker“, sagte Amtsgerichtsdirektor Klaus Jürgen Sonnabend. Aber er sei kein Mann der Tat. Nach dem unsäglichen Ausspruch hat die Richterin, die das Verfahren leitete, sofort die Polizei gerufen. Der Mann wurde festgehalten und nach draußen geführt. „Nach einer halben Stunde hatte er sich wieder beruhigt“, sagte Sonnabend. Daraufhin wurde die Verhandlung fortgesetzt. Ob dem Mann strafrechtliche Konsequenzen drohen, ist noch unklar. Es sollen erst die Prozessbeteiligten gehört werden. Dann entscheidet die Staatsanwaltschaft München II, ob gegen ihn ein Verfahren wegen Bedrohung eingeleitet wird, sagte der Amtsgerichtsdirektor. Eines steht für Sonnabend aber fest: Er „will ihm wegen der unverzeihlichen Störung des Gerichtsfriedens bei Wiederholungsgefahr ein Hausverbot erteilen“, teilte er in einer Presseerklärung mit.

Auch eine andere Entwicklung macht dem Amtsgerichtsdirektor Sorgen. Beim Amtsgericht geht seit dem Mord „jede Menge üble Post“ per Brief oder E-Mail ein, sagte er. Die Inhalte der Schreiben sind zum Teil an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Ein Beispiel: „Gebt mir die Kontonummer vom Täter. Ich habe eine Geldspende für ihn bereit.“ Auch viele andere Pamphlete seien „beleidigend und bitterböse“, so Sonnabend. „Durch diese Unverschämtheiten werden die langsam verheilenden Wunden wieder aufgerissen.“

„Das war zu befürchten“, sagte Walter Groß, Vorsitzender des Bayerischen Richtervereins. „Das ist das Phänomen des Trittbrettfahrens. Ganz spontan gesagt ist bei so was Ignorieren das Beste.“ Allerdings kann so ein Schmähbrief auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Es kann sich je nach Einzelfall um eine Verleumdung oder die Billigung einer Straftat handeln.

sts/zim

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