Mordprozess Zorica H.: Grausame Details des Blutrauschs

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Die ermordete Zorica H. wird am Nachmittag des 22. Februar entdeckt – von der eigenen Mutter. Am Abend wird die Leiche in die Gerichtsmedizin gebracht.

Erding - Im Mordprozess gegen die beiden Erdinger Harun A. (19) und Vedat S. (21) wurden weitere grausame Details des Blutrauschs im Februar bekannt. Zorica H. muss qualvoll gestorben sein.

Rechtsmediziner Prof. Dr. Randolph Penning brauchte vor dem Landgericht Landshut einige Zeit, um seinen Obduktionsbericht vorzutragen. Mehrere Stunden habe er die Leiche untersucht. Rund 165 Messerstiche habe er gezählt. Eine Messerattacke habe die Halsschlagader getroffen. „Das war wohl der finale tödliche Stich.“ Auch das Ungeborene sei am späten Abend des 20. Februar durch etliche Messerstiche verletzt worden.

Danach wurden üble Details aus der Zeit direkt nach der Bluttat bekannt. Hauseigentümer Hans P. berichtete, am Tag vor dem Auffinden der Leiche habe man an der Tür Blutspuren entdeckt. „Wir haben erst gedacht, dass bei Zorica die Wehen eingesetzt hätten und sie sich bereits in einer Klinik befindet.“

Am nächsten Tag habe man sich bei den Eltern nach ihr erkundigt und erfahren, dass das nicht der Fall sei. Da sei man misstrauisch geworden. Die Mutter sei zur Wohnung gekommen. Gemeinsam mit dem Vermieter wurde das Apartment geöffnet. Dort fanden sich jede Menge Blutspuren. Von Zorica H. war zunächst nichts zu sehen. Schließlich fand ihre Mutter sie im Schlafzimmer - blutüberströmt, geknebelt und ans Bett gefesselt. Daraufhin habe man am Nachmittag des 22. Februar die Polizei verständigt.

Zum Tatabend sagte der Hauseigentümer, an besagtem Sonntag habe er bereits geschlafen, aber zunächst mitbekommen, dass die Haustür gegangen sei. Durch zwei „schrille Aufschreie“ sei er dann gegen Mitternacht wieder wach geworden, habe noch ein Geräusch wie beim Möbelrücken mitbekommen. Danach sei wieder Ruhe gewesen, bis die Wohnungstür abgesperrt worden und die Haustür gegangen sei. „Ich dachte, dass die Wehen eingesetzt hatten und Zorica ins Krankenhaus gebracht wurde.“, so Hans P.

Harun A. konnte schnell gefasst werden. Bereits am nächsten Tag wurde er festgenommen. In der Untersuchungshaft gab er den Namen des mutmaßlichen Mittäters preis.

Diametral gehen die Aussagen der beiden Angeklagten in der Frage auseinander, ob überhaupt und ab welchem Zeitpunkt Vedat S. in die Mordpläne eingeweiht gewesen sei. Harun A. blieb auch am zweiten Verhandlungstag dabei, dass er ihn bereits beim Abholen in der Wohnung über die Mordabsicht informiert habe und dass dann auf der Fahrt nach Taufkirchen im Auto der eigentliche Mordplan geschmiedet worden sei. Der 21-Jährige habe zwar zunächst gezögert. „Als er dann aber zum Auto nachkam und wie besprochen Klamotten zum Wechseln dabei hatte, war klar: Es gibt kein Zurück“, so Harun A.

Vedat S. hatte bekanntlich am ersten Prozesstag sein monatelanges Schweigen gebrochen. Er sagte aus, er habe nichts von den Mordplänen gewusst, sondern sei vielmehr schockiert gewesen. Er habe nur beim Wegschaffen der Leiche ins Schlafzimmer geholfen. Offensichtlich läuft seine Strategie auf eine Verurteilung wegen unterlassener Hilfeleistung hinaus.

Am zweiten Prozesstag vor der als Schwurgericht tagenden Jugendkammer wurden Briefe bekannt, die Harun A. aus der U-Haft an seine Familie gerichtet hat. Aus ihnen geht der ethnische Hintergrund der Tat hervor. „Nur ein Türke kann verstehen, warum ich das gemacht habe.“ Ihm sei es um Ehre und Stolz gegangen, davon hätten Deutsche keine Ahnung. Auch in Selbstmitleid erging er sich. Bisher sei sein Leben reibungslos verlaufen, alles sei perfekt gewesen. Den Mord an seiner kurzzeitigen Freundin bezeichnete er lediglich als „Fehler“. Die Schwangerschaft kommentierte er mit den Worten, keiner habe das Recht, sein Leben zu versauen.

Diese Absicht deckt sich mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ralph Reiter hatte von Anfang an betont, Harun A. habe sich nicht nur aus der Verantwortung stehlen wollen. Er habe auch nicht damit leben können, von einer Frau auf seine Verpflichtungen hinsichtlich des gemeinsamen Kindes hingewiesen zu werden.

Dafür sprechen nicht zuletzt bekannt geworden Aussagen aus Harun A.s Clique. Seine Freunde wurden am dritten Prozesstag ebenso gehört wie Angehörige des Hauptbeschuldigten und des Opfers. Mehrmals soll er von Mord gesprochen haben, sollte Zorica das Baby nicht abtreiben. Ein Zeuge sagte seinerzeit der Polizei, er habe ein Gespräch zwischen Harun A. und Vedat S. belauscht. Dabei soll Vedat S. gesagt haben: „Dann bring sie doch um, ich helfe dir.“

Bekannte des Opfers erklärten, Zorica H. habe nie gedacht, dass ihr Freund tatsächlich gewalttätig werden würde. Der Vater des 19-Jährigen wusste wohl von der Schwangerschaft und soll gesagt haben, dass er ihm (finanziell) helfen würde, das Kind durchzubringen. (ham/ötl)

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