Nebenwirkung: Impotenz und Abszesse

Wie bei "Breaking Bad": Fitness-Freaks brauen Anabolika

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Sie vertrieben selbstgebraute Anabolika: Deshalb standen drei Männer aus dem Kreis Dachau vor Gericht. Die Täter: Der oberbayerische Box-Meister, ein Kfz-Lackierer und ein Landschaftsgärtner.

Dachau - Der Traum von Mega-Muckies ging nach hinten los: Mehrere Männer brauten ihre eigenen Anabolika und vertickten den Stoff. Dumm nur: Der "Mucki Juice" machte impotent - und die Sache flog auf.

In einem Untergrundlabor in Erdweg (Landkreis Dachau) haben ein Kfz-Lackierer (32) und ein Landschaftsgärtner (31) Anabolika zusammengebraut. Ihr „Mucki Juice“, wie sie ihn nannten, war von lausiger Qualität, wie ihr mitangeklagter Kumpel (28) bestätigte. Der Hüne ist amtierender oberbayerischer Boxmeister.

Sich mit Testosteron oder künstlich hergestellten Steroiden aufzupeppen, verleihe Ausdauer, Kraft und Stärke, meinte der 32-jährige Kfz-Lackierer vor dem Dachauer Schöffengericht. In Bodybuilderkreisen spreche man vom „Superman-Syndrom“. Beim Vollkontaktboxen in Käfigen, wo fast alles erlaubt ist, um den Gegner niederzustrecken, „musst du dopen, wenn du oben dabei sein willst“, ergänzte der 28-jährige Hüne.

Der Dachauer muss es wissen. Er war in dieser martialischen Sportart eine große Nummer und ist - nachdem er dem Käfigboxen adieu sagte - amtierender Bezirksmeister im „normalen“ Boxen.

In der Hexenküche werden Anabolika gebraut

Von weit weniger mächtigem Wuchs als der Hüne sind die beiden Erdweger Angeklagten. „Er ist eher der feminine Typ, der den Frauen gefallen will“, meinte der Hüne etwa über den Kfz-Lackierer. Vielleicht deshalb beschlossen die beiden Erdweger Ende 2013, in der Wohnung des Landschaftsgärtners ein Untergrundlabor einzurichten. In ihrer Hexenküche „kochten“ sie Anabolika zusammen - zum Eigengebrauch, aber auch für die Dachauer Szene. Und wurden erwischt.

Bei einem Prozess musste sich die Mucki-Connection nun wegen diverser Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Viel Papier musste beschrieben werden, um die große Anzahl und Menge der verbotenen Substanzen sowie des Labor-Zubehörs aufzulisten. Das alles hatten sich die beiden Erdweger über Internet-Plattformen und Onlineshops aus China oder Österreich besorgt.

"Mucki Juice" macht bergeweise Muskeln

Der Zoll fing ein Paket mit der Aufschrift "Best Cosmetic" ab.

Die Händler firmieren unter solch phantasievollen Namen wie „Best Cosmetic“ im Netz und sind nicht schwer zu finden. Allerdings gilt das auch für den Zoll. So fingen Beamte Anfang 2014 auf dem Flughafen Köln-Bonn ein Paket mit der Aufschrift „Best Cosmetic“ ab. In diesem befand sich in rauen Mengen ein Pulver, das statt eines ebenen Teints bergeweise Muskeln macht. Adressat war der Besitzer eines Fitnesscenters in München. Als die Ermittler dessen Telefon anzapften, erfuhren sie, wer die Dopingsubstanzen wirklich bestellt hatte: der Kfz-Lackierer aus Erdweg. Von nun an hörten und lasen sie auch bei dessen Telefon-, E-Mail- und SMS-Verkehr mit. Dabei gerieten auch der Landschaftsgärtner und der Hüne unter Verdacht.

Anfang des Jahres schlug der Zoll dann richtig zu. Er ließ das Untergrundlabor hoch gehen und schickte ihre drei Mitglieder in Untersuchungshaft, wo der Kfz-Lackierer noch gestern saß. Seine beiden Komplizen sind inzwischen auf Kaution frei gekommen.

Nebenwirkung: Impotenz und Abszess am Po

Die beiden Erdweger hatten sich ihr selbst gebrautes, gefährliches Zeug monatelang selbst injiziert. Mit gewaltigen Nebenwirkungen. So litt der Landschaftsgärtner lange Zeit unter einer „erektilen Dysfunktion“, was den frisch Vermählten mächtig wurmte. Den Kfz-Lackierer traf es noch härter. Bei ihm bildete sich ein Abszess am Po, der schließlich zu einem Schlafapnoe-Syndrom (Atemstillstand während des Schlafens) führte.

Als weitere Testperson für die Ampullen mit den Aufklebern „Mucki Juice“ diente der Hüne. „Wenn ich jemanden vermitteln kann, bekomme ich meine Kur umsonst“, gab der Dachauer zu. Bei ihm habe sich „kein guter Erfolg“ eingestellt. Zu einer Vermittlung oder anderweitigen Verkäufen kam es nicht.

Angeklagter muss nach Stadelheim in Haft

Der Kfz-Lackierer wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Schöffengericht verurteilte die Mucki-Connection am Ende zu Haftstrafen; die beiden Erdweger wegen verbotenen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Arzneimitteln, den Dachauer wegen Beihilfe dazu. Der Landschaftsgärtner erhielt 18 Monate Haft, der Hüne 14 Monate - beide auf Bewährung. Der Kfz-Lackierer, der wegen Drogenhandels unter offener Bewährung stand, wurde sofort wieder nach Stadelheim kutschiert: Zweieinhalb Jahre lautete der Spruch gegen ihn.

(zim)

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