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Unternehmer will Almhütte für „sanften Wintertourismus“ ausbauen – und sorgt für Entsetzen

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Die Mühltalalm-Hütte ist ein denkmalgeschütztes Gebäude.
Die Mühltalalm-Hütte ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. © privat

Der Lenggrieser Bauausschuss lehnte jetzt die Sanierung und Erweiterung der denkmalgeschützten Mühltalalm ab. Auch am Betriebskonzept des neuen Pächters gibt es Zweifel.

Lenggries – Die Mitglieder des Lenggrieser Bauausschusses waren skeptisch. Was da als Antrag für die denkmalgeschützte Mühltalalm auf dem Tisch lag, wollte ihnen so gar nicht gefallen. Am Ende lehnte das Gremium den Antrag auf Sanierung und vor allem erhebliche Erweiterung der Alm ab.

Almhütte soll um 18 Meter Richtung Westen verlängert werden

Der Antragsteller hatte im Dezember 2021 einen über 20 Jahre laufenden landwirtschaftlichen Pachtvertrag für die Alm nahe des Brandkopfes und des Seekarkreuzes geschlossen, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Ab 2023 plant der Antragsteller, die Alm vollumfänglich auf eigene Rechnung mit seinem Betriebskonzept zu bewirtschaften“, erläuterte Bauamtsmitarbeiter Sebastian Biagini. Um das umsetzen zu können, soll die bestehende Berghütte, die momentan die Maße 29,70 mal 8,30 Meter hat, um 18 Meter in Richtung Westen erweitert werden.

Bürgermeister: „Das passt nicht so richtig rein“

„Natürlich fördern wir Landwirtschaft nach Möglichkeit, aber das passt nicht so richtig rein“, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) nach der Sitzung auf Anfrage mit Blick auf die geplante satte Vergrößerung. Doch auch in der Sitzung wurden schon einige Zweifel laut. Für Peter Gascha (FWG) war das Betriebskonzept „nicht schlüssig“. Unter anderem frage er sich, wo die aufgetriebenen Tiere – darunter Galloway-Rinder – eigentlich im Winter unterkommen. „Soweit ich das sehe, hat er ja keine Landwirtschaft im Tal“, sagte Gascha.

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Im Winter ist von „sanftem Tourismus“ die Rede

Zudem sei in der Beschreibung die Rede von der Vermarktung recht „hochpreisiger Produkte“ und in den Wintermonaten, wenn keine landwirtschaftliche Nutzung der Alm möglich sei, von „sanftem Tourismus“. Er, Gascha, werde dem auf keinen Fall zustimmen. „Auch mit Blick auf unsere anderen Bauern.“ Klaffenbacher räumte ebenfalls ein, „dass ich nicht ganz überzeugt bin“. Das liege auch daran, dass das Betriebskonzept so eine Fülle von Dingen aufliste – von der Fleisch-, Honig- und Schafwollevermarktung über eine Käserei bis eben hin zur touristischen Nutzung.

„Nicht, dass das eine Modeerscheinung wird, dass man sich eine Alm unter den Nagel reißt“

„Das alles ist ein bisschen überdimensioniert“, befand in der Sitzung auch Thomas Murböck (CSU). Zudem komme der Antragsteller „nicht aus der Branche“. Ihm komme es eher so vor, als wolle sich hier jemand verwirklichen. Murböck hofft, dass das Landratsamt beziehungsweise das Amt für Landwirtschaft genau auf den Antrag schaut, wenn es um die Prüfung beispielsweise der Privilegierung des Außenbereichsvorhabens geht. „Nicht, dass das eine Modeerscheinung wird, dass man sich eine Alm unter den Nagel reißt“ und auf Landwirt mache, sagte Murböck.

Fast 50 Meter langer Baukörper hat „nichts mehr mir einer Almhütte zu tun“

Hans Besch (FWG) war ähnlich skeptisch – vor allem auch mit Blick auf die angedachte touristische Nutzung. „Ich finde das sehr kritisch.“ Er befürchtet, dass geplant sei, schleichend eine umfangreichere touristische Nutzung zu etablieren. „Erst heißt es Winter, dann Sommer....“ Benedikt Demmel (CSU) fand zudem, dass ein fast 50 Meter langer Baukörper „nichts mehr mit einer Almhütte zu tun hat“.

Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Das letzte Wort hat aber – wie immer – das Landratsamt.

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