Müller-Brot wird zerschlagen

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Sieben Wochen lang haben die Mitarbeiter von Müller-Brot versucht, alles zu geben, damit der Betrieb wieder anlaufen kann. Doch die Behörden gaben am Dienstag die Produktion nicht frei. Der Grund: Neue Schaben und Mäusekot.

Neufahrn - Es war wie ein Krimi, aber für die Beteiligten alles andere als unterhaltsam. Und ob es für den Back-Konzern Müller-Brot in Neufahrn noch ein Happy End geben wird, ist seit Dienstag mehr als fraglich.

Seit sieben Wochen steht die Produktion von Müller-Brot in Neufahrn still. Immer wieder machten die Mitarbeiter sich neue Hoffnungen, opferten ihre Wochenenden und Abende, um die wegen Hygienemängeln stillgelegte 55 000 Quadratmeter große Halle zu schrubben und zu putzen - aber vergebens: Seit Dienstag ist klar, dass dort vorerst nicht mehr gebacken werden darf -- und dass das Unternehmen aller Voraussicht nach zerschlagen werden wird.

Die tz klärt die wichtigsten Fragen:

Was gaben die Behörden am Dienstag bekannt?

„Die ganzen Bemühungen um Sauberkeit in den vergangenen sieben Wochen haben leider Gottes nicht gereicht“, sagte der Freisinger Landrat Michael Schwaiger. Verbesserungen sind erkennbar, aber am Montag fanden die Hygienekontrolleure wieder Schaben und Mäusekot und stellten Reinigungsmängel an einigen Maschinen fest. Im Einzelnen waren das laut Protokollen sieben tote Schaben, zwei lebende Schaben und zwei Ameisen, auf dem Betriebsgelände eine Maus sowie ein schwarzer Fleck und etwas Staub. Da es nicht gelungen sei, trotz wochenlangem Reinigen für hygienisch einwandfreie Zustände zu sorgen, scheint das Reinigungs- und Schädlingsbekämpfungskonzept laut Landratsamt „offenbar nicht durchgängig zu greifen“. Es bestünden erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit der Maßnahmen, sagte Landrat Schwaiger: „Man ist auf einem guten Weg, aber nicht am Ziel.“

Wie beurteilen die Behörden die Lage?

Die Entscheidung seien angesichts ihrer Tragweite bedauerlich, aber eine Wiederaufnahme der Produktion sei im Sinne des Verbraucherschutzes „nicht zu verantworten“, sagte Landrat Schwaiger. Jahrelange Vernachlässigung der Reinigung und Wartung könne eben nicht in ein paar Wochen wettgemacht werden, sagte Dr. Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit.

Müller-Brot nach der großen Reinigung

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Was sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl?

Er müsse die Entscheidung erst mal verdauen, dann werde er sich mit dem Gläubigerausschuss beraten und letztlich dessen Entscheidung umsetzen, „weil dazu bin ich gesetzlich verpflichtet“, sagte Hubert Ampferl am Dienstag. Er machte klar, dass das traurige Ergebnis nicht das Versagen der Mitarbeiter sei, „sondern schlichtweg eine Sache der Führung“. Er habe knapp 70 000 Euro in die Reinigung investiert und damit den von der Gläubigerbank gesetzten Budgetrahmen leicht überschritten. „Für weitere Reinigungsmaßnahmen gibt es keine Mittel“, bedauerte der Insolvenzverwalter.

Wie geht es weiter mit Müller-Brot?

Man werde „den Investorenprozess neu bewerten müssen“, erklärte der Insolvenzverwalter am Dienstag. Bis Montagabend sei sein Ziel gewesen, das gesamte Unternehmen, also Produktionsbetrieb zusammen mit dem Netz von 260 Filialen zu verkaufen. Voraussetzung wäre aber die Aufnahme der Produktion gewesen. Da diese nun gescheitert ist, gehe es nun an die Teilverwertung, „sprich die Verwertung des Filialnetzes“, bedauert Ampferl. Müller wird zerschlagen!

Was wird aus den Arbeitsplätzen?

„Ich bin sprachlos, geschockt und ratlos“, sagte Mustafa Öz von der Gewerkschaft NGG: „Das ist wohl das Aus für den Produktionsbetrieb und die dortigen Arbeitsplätze.“ Er könne nicht garantieren, dass der Gläubiger-ausschuss noch mal Geld in die Sanierung des Produktionsbetriebs und das Hygienemanagement investiert, „doch eine solche Investition schlägt sich nieder in Erlösen beim Verkauf der Anlagen“, sagte Ampferl.

Susanne Sasse

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