Müller-Brot erklärt seine Insolvenz

Neufahrn - Bei Müller-Brot übernimmt jetzt der Insolvenzverwalter die Regie. Zwei Wochen nach der Aufdeckung des Hygieneskandals erklärte sich die Backfabrik für zahlungsunfähig.

Maden im Mehl und Mäusekot in der Backfabrik waren einfach zu viel: Müller-Brot ist pleite. Zwei Wochen nach dem von der Lebensmittelkontrolle verhängten Produktionsstopp hat das bayerische Traditionsunternehmen am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Jetzt fürchten die 1100 Mitarbeiter um ihre Stellen. Zugleich wurde ein weiterer Hygieneskandal bei einer bayerischen Bäckereikette publik: Das Landratsamt Regensburg ordnete einen sofortigen Produktionsstopp bei Biendl und Weber in Donaustauf an.

Müller-Brot erklärte am Donnerstagabend, der Produktionsstillstand “in Neufahrn hat zu einem deutlichen Umsatzeinbruch geführt. Dies hat die Geschäftsführung der Müller-Brot gezwungen, heute Insolvenzantrag zu stellen“. Aber die “Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Produktion laufen trotzdem auf Hochtouren“: Der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl habe der Freigabe der erforderlichen Gelder bereits zugestimmt. Der Freisinger Landrat Michael Schwaiger bestätigte, dass die für Freitag geplante Teilabnahme des Betriebs durch die Kontrollbehörde stattfinden solle. Aber “ich mache mir große Sorgen um die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens“, sagte der Landrat.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte empört auf die Insolvenz: “Die Beschäftigten durch Lug und Trug in Sicherheit wiegen und parallel das Insolvenzverfahren betreiben. Das ist wirklich das Letzte,“ sagte Mustafa Öz von der NGG. Müller-Brot-Eigentümer Klaus Ostendorf hatte erst vor wenigen Tagen einen raschen Neustart angekündigt. Aber offenbar habe er das Ziel verfolgt, die Mehrheit der Beschäftigten und die Schulden mit einer Insolvenz günstig loszuwerden, sagte Öz. Dieses Vorgehen sei “menschenverachtend“.

Die Lebensmittelaufsicht hatte die Produktion in der Brotfabrik Neufahrn (Landkreis Freising) am 30. Januar gestoppt, nachdem jahrelang immer wieder gravierende Hygienemängel entdeckt worden waren. Der Chef des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, berichtete am Donnerstag im Landtag, dass die Kontrolleure seit 2009 immer wieder Schmutz und Schaben gefunden hätten. Mehrfach seien Teig und Lebensmittel deshalb vernichtet worden. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Nach dem Auffliegen des Hygieneskandals war der Umsatz eingebrochen, auch Lidl und Aldi verbannten die Ware aus dem Regal. Ostendorf hatte einen Neustart angekündigt, aber eingeräumt, dass es ein steiniger Weg werde, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. In den vergangenen zwei Wochen waren alle Maschinen in der Brotfabrik auseinandergenommen und gereinigt worden.

Unterdessen ordnete das Landratsamt Regensburg einen sofortigen Produktionsstopp bei der Bäckereikette Biendl und Weber in Donaustauf an. Die Kontrolleure hätten Insekten und zwei tote Mäuse gefunden. Außerdem hätten sie schwarzen Schimmel in Produktionsräumen und Verkrustungen an Maschinen entdeckt, sagte der Leiter der Lebensmittelüberwachung, Pio Baur. Die Bäckerei hat nach eigenen Angaben 65 Mitarbeiter und 18 Filialen in Regensburg und Umgebung.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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