Müller: Das ist ihr Rettungsplan

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Evi Müller will die Produktion wieder schrittweise hochfahren.

Neufahrn - Am Freitagmittag hat Evi Müller bekannt gegeben, wie ihr Zukunftsplan für die insolvente Großbäckerei Müller-Brot aussieht: Die Produktion soll schrittweise wieder hochgefahren werden.

Ich fühle mich so, als sei ich nie weggewesen“, sagte Evi Müller am Freitag bei der Vorstellung ihres Rettungsplans. In den vergangenen Wochen habe sie „schwer gekämpft“, um das Unternehmen, das ihr Vater Hans Müller (81) groß gemacht hat, zurück zu bekommen. Ganz hat das noch nicht geklappt — schließlich gehören ihr und ihrem Mitstreiter Franz Höflinger (44) bislang lediglich 148 Filialen. Und keine Bäckerei.

Das ist das Problem, das beide haben. Sie sind in Bäckereien aufgewachsen, aber beide backen seit neun Jahren nicht mehr. Evi Müller ist Eigentümerin der französischen Filialkette Brioche Dorée in München und beliefert das Münchner Oktoberfest mit Brezen. Ihre Produkte werden bei „befreundeten Bäckereien“ hergestellt. Bald soll die „Wiesn-Breze“ aber wieder bei Müller gebacken werden.

Der Münchner Bäckermeister Franz Höflinger führt den gleichnamigen Familienbetrieb mit 20 Filialen in München, seine eigene Bäckerei in München-Schwabing ist seit neun Jahren zu. „Wir haben Bäckerseelen, wollen backen und setzen auf unsere alten Rezepte“, beteuert Evi Müller. Auch ihre Tochter Sophie (29) wolle einsteigen: „Sie hatte Tränen in den Augen, als sie die Fabrik betrat.“

Susanne Sasse

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Die Backfabrik in Neufahrn

Die Backfabrik haben Müller und Höflinger noch nicht gekauft. „Das liegt nicht in unserem Ermessen, sondern an den unklaren Eigentumsverhältnissen“, sagte Höflinger. Dies betreffe die wichtige Backlinie 25, die neueste und teuerste im Betrieb, sowie die EDV-Anlage. Beides gehört der Backwelt von Vorbesitzer Klaus Ostendorf. Es sei Aufgabe des Insolvenzverwalters, mit Ostendorf zu verhandeln, sagte Evi Müller: „Unser Ziel ist, dass wir in Neufahrn produzieren. Aber es gibt auch einen Plan B, falls der Kauf scheitert.“ Dann würden Müller und Höflinger bei „befreundeten Bäckern“ backen. Die Fabrik steht seit neun Wochen still. Um die behördliche Genehmigung wollen sich Müller und Höflinger jetzt bemühen.

Die Filialen

Die Filialen sind das Herzstück. Ohne sie ist die Backfabrik sinnlos, da ihr in der letzten Zeit alle Großabnehmer wie Lidl und Aldi weggebrochen sind. Vor der Insolvenz hatte Müller-Brot 250 Filialen verteilt über ganz Bayern. Müller und Höflinger übernehmen nur 148 Filialen. „Wir haben uns von den zuletzt 238 Filialen die ausgesucht, mit denen man logistisch sinnvoll arbeiten kann“, sagte Höflinger. Für die restlichen 90 müsse der Insolvenzverwalter „Einzellösungen“ finden. Einige Filialen werden umbenannt in Brioche Dorée oder Höflinger, kündigte Evi Müller an. Sie sehe das größte Potenzial aber im Namen Müller-Brot. „Trotz allem!“

Der Back-Patriarch

Eigentlich hätte Hans Müller (81) gestern schon dabei sein wollen, als seine Tochter das Rettungspaket für Müller präsentierte. „Aber dann bin ich doch nicht ins Auto gestiegen — es war einfach zu viel für mich“, sagte er zur tz. Zu groß sind die Emotionen gegenüber dem früheren Eigentümer Klaus Ostendorf, „der den Betrieb heruntergewirtschaftet hat, und das auch noch mit unmoralischen Mitteln“. Aber für heute hat sich der Back-Patriarch fest vorgenommen, seine Tochter in der Fabrik in Neufahrn zu besuchen. Dass sie die Firma nun mit Franz Höflinger zurückkaufen will, sei prima. Mithelfen will er, wenn das gewünscht wird.

Die Mitarbeiter

Müller-Brot gehörte einst zu Europas Backriesen. 2003 übernahm Unternehmer Klaus Ostendorf die Mehrheit, nachdem er zuvor die österreichische Ankerbrot-Gruppe von Hans Müller gekauft hatte. Damals hatte Müller knapp 390 Filialen, 3000 Mitarbeiter und 425 Millionen Euro Umsatz. Seitdem schrumpfte das Unternehmen, vor der Insolvenz verzeichnete es noch 120 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte 1250 Mitarbeiter. Die 435 Mitarbeiter, die in den Filialen arbeiteten, haben Müller und Höflinger jetzt übernommen. Klappt der Kauf der Fabrik, wollen sie dort mit 100 weiteren Mitarbeitern backen und die Belegschaft je nach Umsatz aufstocken.

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