Müller-Brot: Ostendorf will schnelle Freigabe

Neufahrn - Nach Hygieneskandal und Insolvenz will der alte und neue Müller-Brot-Besitzer Klaus Ostendorf möglichst rasch wieder Brot und Brezn backen.

Er habe bereits die Freigabe der Brotfabrik in Neufahrn bei München bei der Lebensmittelüberwachung beantragt, und „es wird versucht, Mitte nächster Woche einen Termin für eine neue Abnahme“ zu vereinbaren, sagte eine Sprecherin des Landratsamts Freising am Freitag. Etwa 700 der 1100 Beschäftigten haben davon aber nichts mehr: Weil Ostendorf sie nicht übernehmen will, sind sie von Montag an auf Arbeitslosengeld angewiesen. Für eine Transfergesellschaft gebe Ostendorf keinen Euro, sagte Mustafa Öz, Betriebsbetreuer bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten.

Lebensmittelkontrolleure hatten bei Müller-Brot seit 2009 immer wieder Ungeziefer, Mäusekot und Dreck entdeckt und die Fabrik am 30. Januar stillgelegt. Ostendorf meldete daraufhin Insolvenz an, bekommt das Unternehmen aber jetzt gereinigt und mit nur noch 400 Beschäftigten vom Insolvenzverwalter zu einem nicht genannten Kaufpreis zurück.

In der Produktion in Neufahrn werden 500 Mitarbeiter entlassen, in der Logistik und den Filialen weitere 200 Mitarbeiter. Rund 80 Filialen, die Ostendorf nicht mehr haben will, werden vom Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen abgewickelt, wie sein Sprecher erklärte.

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Gewerkschafter Öz sagte: „Es ist eine Katastrophe - unfassbar!“ Ostendorf und Müller-Brot-Geschäftsführer Stefan Huhn hätten das Unternehmen in die Insolvenz geführt und Kunden, Mitarbeiter und Behörden belogen. Die Mitarbeiter hätten die Fabrik für ihn gereinigt und seien von der Agentur für Arbeit bezahlt worden, und bei der Massenentlassung spare er Abfindungen in Millionenhöhe.

Dagegen wäre das Konkurrenzangebot der Münchner Bäckerei Höflinger zusammen mit der Tochter des Müller-Brot-Gründers, Evi Müller, die Chance für einen Neuanfang gewesen. Evi Müller sagte der Zeitung „tz“ (Freitag): „Wir hätten die meisten Mitarbeiter übernommen und wären ein Garant für Sauberkeit und realistisches Wirtschaften gewesen.“ Der Betriebsratsvorsitzende, der im Gläubigerausschuss mit den Banken für Ostendorf gestimmt hatte, war von den Mitarbeitern am Donnerstag mit Eiern beworfen worden.

Was mit der Backfabrik in Neufahrn und den samt Logistik noch 140 Mitarbeitern dort geschieht, wenn die Lebensmittelaufsicht die Freigabe zum dritten Mal ablehnen sollte, ist ungewiss. Für die Filialen allein gibt es laut Insolvenzverwalter viele Interessenten.

Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt weiterhin gegen Ostendorf, Huhn und andere wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Veruntreuung von Pächter-Kautionen und Verstoß gegen Lebensmittelgesetze. Ein Ergebnis sei vor Juni nicht zu erwarten, sagte Staatsanwalt Markus Kring am Freitag.

dpa

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