Müller-Brot-Pächter: Zwischen Wut und Hoffnung

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Noch zuversichtlich: Pächterin Zorica Veljanska.

Neufahrn/München – Wut auf Müller-Brot, aber auch Trotz und Hoffnung – das ist die Stimmung bei den Pächtern am Tag nachdem der Insolvenzantrag des Großbäckers bekannt geworden ist.

In vielen Müller-Filialen ist weit und breit kein Kunde in Sicht. Da hat der junge Pächter am Münchner Hauptbahnhof noch Glück. An einem Tisch wird Englisch gesprochen, an einem anderen Schweizer-Deutsch. Die, die am Bahnhof einen Kaffee trinken oder eine Breze essen, dürften gar nichts von dem Ekel-Skandal mitbekommen haben. Auch hier ist der junge Pächter aber sauer auf das Unternehmen: „Wir haben überhaupt keine Lust mehr zu arbeiten“, sagt er. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“ Erst am Morgen hat ihn sein Bezirksleiter angerufen und zu einer Versammlung eingeladen, bei der die Pächter am Samstag in Neufahrn von Müller-Brot informiert werden sollen, wie es weitergeht. Eine „Katastrophe“, sagt der Pächter am Bahnhof, als doch ein Münchner Kunde in seinen Laden kommt und fragt, wie es läuft. „Wir wissen nicht, wer der neue Besitzer sein wird und ob der uns noch will.“ Sorgen hat er auch ums Geld: „Was ist mit unserer Kaution?“

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Zorica Veljanska will gerne sprechen. Sie verkauft im S-Bahnhof Rosenheimer Platz seit 25 Jahren Brezn und Semmeln. Auch sie hat Umsatzeinbrüche gehabt, auch sie weiß nicht, wie es nach dem Insolvenzantrag weitergeht. Aber Zorica Veljanska versucht es mit trotziger Hoffnung: „Wir sind nicht so schlecht wie unser Ruf im Moment“, sagt sie. Wenn die Produktion endlich wieder läuft, „dann kriegen wir wieder die Kunden – wenn auch nicht alle auf einmal.“ In zwei, drei Monaten, hofft sie, sei alles vergessen, wie bei vergangenen Lebensmittel-Skandalen auch. Das Brot-Verkaufen ist ihr Leben, sagt sie selbst: „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich bleibe und mache es bis zum Schluss.“

Die letzte Miete konnte Zorica Veljanska erst verspätet überweisen, dafür habe ihr Bezirksleiter aber Verständnis gehabt, erzählt sie. An ein Ende für die Pächter mag Zorica Veljanska noch gar nicht denken. „Wir werden vielleicht ein bisschen weniger verdienen, aber das kommt in anderen Branchen auch vor.“ Umsatzeinbrüche gebe es ja immer wieder: „Wenn die S-Bahn mal nicht fährt, haben wir auch Verluste.“ Auch das war gestern Morgen wieder der Fall. Es sind keine guten Tage für die Pächter in den Müller-Brot-Filialen.

Felix Müller

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