Müller-Brot: Hygienemängel wohl seit Jahren bekannt

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Seit wann wussten die Behörden über die Hygienemängel bei Müller-Brot Bescheid?

Neufahrn - Müller-Brot soll schon seit dem Jahr 2000 immer wieder durch Verunreinigungen aufgefallen sein - und damit laut “Spiegel“ um Jahre früher als bisher bekannt.

Die Großbäckerei Müller-Brot aus Neufahrn bei München ist nach “Spiegel“-Informationen viel früher durch Verunreinigungen aufgefallen als bisher bekannt - und zwar um bis zu neun Jahre. So seien seitens der Behörden bereits in den Jahren 2000 bis 2009 sechs Bußgeldbescheide über insgesamt 12 750 Euro ergangen. Bislang war immer der 9. Juli 2009 als erstes Datum genannt worden, an dem eine Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Brotfabrik unter die Lupe nahm.

Das zuständige Landratsamt Freising räumte die früheren Vorfälle inzwischen zwar ein, sie seien aber nicht gravierend gewesen. Laut “Spiegel“ hatten Lebensmittelkontrolleure in einem Fall eingebackene Reste von Latexhandschuhen gefunden, auch waren Maschinen verunreinigt oder es gab Schabenbefall. Eine Landkreis-Sprecherin erklärte am Sonntag, die festgestellten Mängel in den Jahren 2000 bis 2009 seien als “gering- bis mittelgradige Mängel“ eingestuft und mit entsprechenden Bußgeldern belegt worden.

“Gravierende Mängel wurden in einzelnen Teilbereichen des Betriebes erstmals 2010 festgestellt, wie mehrfach berichtet“, teilte der Landkreis weiter mit. Dass es zuvor Kontrollen gab, sei selbstverständlich: “Alle Lebensmittel herstellenden Betriebe werden von den zuständigen Behörden in regelmäßigen Abständen kontrolliert.“

Zwischen 2009 und Ende 2011 folgten weitere sechs Überprüfungen einer Task Force und etliche Kontrollen von Spezialisten des Landratsamtes. Die Kontrolleure stellten gravierende Mängel fest, es wurden mehrfach Waren zurückgerufen und vernichtet sowie Bußgelder verhängt, darunter zweimal 25 000 Euro. Die Öffentlichkeit erfuhr allerdings von den Hygienemängeln in der Backfabrik jahrelang nichts.

Derzeit liegt die Produktion auf Eis, nach dem Verkauf von 148 Müller-Brot-Filialen an Evi Müller und Franz Höflinger ist unklar, was aus der Brotfabrik selbst wird. Die neuen Filial-Besitzer wollen die weiter gesperrte Fabrik zwar kaufen, aber derzeit stocken die Verhandlungen. Zunächst einmal müssen Alteigentümer Klaus Ostendorf, die Commerzbank als Hauptgläubiger und Insolvenzverwalter Hubert Ampferl die Eigentumsrechte im Detail klären, hieß es nach Ostern. Mit Alteigentümer Ostendorf müsse über die zentrale Backstraße 25 und die EDV-Anlage gesprochen werden.

Mit dem größten Teil des Filialnetzes hatten Müller und Höflinger 463 Mitarbeiter übernommen. Die restlichen 700 Beschäftigten sind seit dem Auslaufen des Insolvenzgeldes am 1. April freigestellt. Die nicht übernommenen rund 80 Filialen will der Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen einzeln verkaufen.

dpa

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