Müller-Brot: So soll der Imagewechsel klappen

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Die Filialen sollen neue Schwerpunkte bekommen

Neufahrn - Gründer-Tochter Evi Müller will mit Bäckermeister Franz Höflinger die Müller-Brot-Filialen wieder auf Vordermann bringen. Dabei soll sich einiges ändern, vor allem beim Image.

Weniger Masse, mehr Qualität und eine ordentliche Portion Leidenschaft: Mit diesem Rezept wollen die neuen Besitzer der Müller-Brot-Filialen die insolvente Neufahrner Großbäckerei aus dem Schlamassel führen und fit für die Zukunft machen. “Wir sind Bäcker“ mit Bäcker-Herzen, sagte Gründer-Tochter Evi Müller am Freitag. Sie und ihr Partner, der Bäckermeister Franz Höflinger, priesen die alte “Handwerkskunst“.

Brot sei doch etwas “Emotionales“, erklärte Müller. Mit Höflinger wolle sie “ganz zurück zu unseren Wurzeln“ und nach dem Hygieneskandal unter Vorbesitzer Klaus Ostendorf und der folgenden Insolvenz das verlorene Vertrauen von Kunden und Pächtern wiedergewinnen. “Wir sprechen die gleiche Sprache“, sagte sie über ihren Geschäftspartner Höflinger.

Nach der Übernahme von knapp 150 der fast 240 Müller-Brot-Filialen wollen die beiden nach Ostern den Kauf der Produktion in Neufahrn über die Bühne bringen und dann so schnell wie möglich wieder selbst backen. Dabei soll sich Müller-Brot viel abschauen vom kleinen Münchner Bäcker Höflinger. Es soll wieder handwerklicher und weniger industriell zugehen. Der Fokus liegt auf der Qualität der Produkte und dem Verkauf in den Filialen anstatt bei Discountern.

Höflinger hat keine eigene Backstube

Das 1931 in Schwabing gegründete Familienunternehmen Höflinger mit seinen 20 Filialen in München verkörpert den Gegenentwurf zur bisherigen Backfabrik Müller-Brot. Klasse statt Masse, Handarbeit statt Industrie prägen sein Image. Höflinger will nach eigenem Bekunden mit seinen rund 120 Mitarbeitern die “Kultur des Backens“ pflegen.

“Ich bin fast in der Backstube geboren“, sagt der Chef. Allerdings hat der 44-jährige Enkel des Firmengründers vor knapp zehn Jahren die Backstube in Schwabing aufgegeben, weil sein Unternehmen inzwischen zu groß geworden war. So kam seine Ware in den vergangenen Jahren von befreundeten Innungsbetrieben. Er beliefert namhafte Hotels, die gehobene Gastronomie, Unternehmen und Schulen.

Zum Kundenkreis von Müller-Brot hingegen gehörten bis zur Insolvenz Handelsketten wie Aldi und Lidl. Aus der voll automatisierten Produktionsanlage spuckten die Maschinen vor gut einem Jahr noch täglich bis zu 220 Tonnen Brot, Gebäck und Kuchen aus - allein bis zu eine Million Brezen am Tag. Um die Jahrtausendwende war der Konzern einer der größten Backwarenhersteller Europas. Das geplagte Image von Müller-Brot schreckt Höflinger nicht ab. “Müller war ein Vorzeigeunternehmen. Den Schritt geh ich mit Frau Müller und darin sehe ich die Zukunft.“

Müller gibt sich emotional

Auch für Evi Müller wäre eine eigene Bäckerei vorteilhaft. Die Unternehmerin beliefert das Münchner Oktoberfest mit Brezen und ist Inhaberin der Filialkette Brioche Dorée in München. Wie Höflinger greift sie bei der Herstellung der Ware aber auf die Backstuben “befreundeter Bäckereien“ zurück. Klappt der Kauf der Produktionsstätte, sollen die Wiesen-Brezn künftig wieder aus Neufahrn kommen.

Für Müller ist der “Krimi“ um den Rückkauf des Unternehmens mit “einer Riesen-Emotion“ verbunden. “Ich hab ja schon mit meiner Oma im Laden verkauft“, sagte die 54-jährige. Das erste Mal seit dem Firmenverkauf im Jahr 2003 das Unternehmen wieder zu betreten, sei emotional gewesen für die Familie. “Die Kinder sind ja auch alle hier aufgewachsen“ und hätten “Tränen in den Augen“ gehabt, berichtete Müller.

Am Ostersamstag wolle auch ihr 81 Jahre alter Vater nach Neufahrn kommen. Zum ersten Mal seit er die Firma vor neun Jahren verkauft hat. Müller ist davon überzeugt, dass er künftig wieder jeden Tag da sein wird. Der Verkauf der Firma sei die “größte unternehmerische Fehlentscheidung“ seines Lebens gewesen, sagte sie.

dapd

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