Bei Müller fliegen jetzt die Fetzen

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Müllsäcke und leere Brotkästen: So sieht es derzeit in der wegen Hygienemängeln stillgelegten Brotfabrik aus.

Freising - Eineinhalb Wochen erschüttert der Müller-Skandal nun schon München, und jetzt fliegen auch in der Chefetage die Fetzen!

Die Back-Millionäre sind stinksauer, ein Chef wurde entmachtet – und die Gewerkschaft kämpft um die 1100 Jobs. „Wir fürchten, dass die Mitarbeiter die Zeche zahlen müssen“, sagt Mustafa Öz von der Gewerkschaft NGG der tz. Das Unternehmen fürchtet Millionen-Verluste!

Am Freitag traf man sich in erlesener Runde: Brot-Impresario Klaus Ostendorf persönlich war gekommen, ein Geschäftsführer, der Personalleiter, zwei Betriebsräte, zwei Gewerkschafter. Os­tendorf war nach Angaben der Gewerkschaft sehr verärgert: Er habe Fehler zugegeben, auch im Management, dem er als Geschäftsführer selbst angehört. Nicht zuletzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut gegen fünf leitende Mitarbeiter.

Schon jetzt hat der Skandal personelle Konsequenzen: Geschäftsführer Jürgen Kluge sei nicht mehr für die Produktion verantwortlich, berichtet NGG-Mann Öz. Die Aufgabe übernehme der kaufmännische Chef, Stefan Huhn. Der wiederum fürchte nach dem Skandal Verluste in Millionenhöhe, auch Jobs könnten gefährdet sein. Immerhin: Ostendorf habe zugesichert, am Unternehmen festzuhalten und in die Sanierung investieren zu wollen.

Hygiene-Mängel: Hier wird das Müller-Brot entsorgt

Hygiene-Mängel: Hier wird das Müller-Brot entsorgt

Die Gewerkschaft ist dennoch unzufrieden: Wenig Konkretes und Neues habe die Führung verlauten lassen, sagt NGG-Vertreter Mustafa Öz. „Wir wollen jetzt Taten sehen.“ Die Gewerkschaft erwarte, dass die Belegschaft gehalten werde, um das Vertrauen der Kunden wiedergewinnen zu können.

Das hat offenbar auch ein anderer, nicht ganz unwichtiger Beteiligter nötig: Der zweite Müller-Teilhaber und Eishockey-Mäzen Michael Phillips äußert sich erstmals öffentlich. Er habe einst mit Os­tendorf das Überleben von Müller-Brot gesichert. Doch: „Von den Missständen, die mich persönlich sehr betroffen machen, habe ich erst vor wenigen Tagen erfahren.“ Die Geschäftsführung habe ihn nicht informiert. „Dies war sicher eine eklatante Fehlentscheidung.“ Der Geschäftsführung gehört laut Unternehmens-Homepage auch Ostendorf an. Bisher waren beide enge Geschäftspartner, wenn es um die Übernahme von Großbäckereien ging – neben Müller gehört ihnen etwa auch Ankerbrot in Österreich. Ist das der Bruch der Brezn-Barone?

Die Produktion kann laut NGG am kommenden Freitag nicht wieder vollständig anlaufen – die Abnahme soll Stück für Stück erfolgen.

David Costanzo

Müller-Brot-Chef Ostendorf räumt grobe Fehler ein

Müller-Brot-Chef Klaus-Dieter Ostendorf hat „grobe Fehler“ im Umgang mit den Lebensmittelkontrolleuren, den Kunden und der Öffentlichkeit eingeräumt. Für das Debakel der vergangenen anderthalb Wochen übernehme er persönlich Verantwortung, sagte der Mehrheitseigentümer der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, „das wird ein verdammt steiniger Weg“, sagte Ostendorf.

Sowohl das Hygienemanagement als auch die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern seien falsch gelaufen. Momentan werde jede Maschine auseinandergebaut, in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt und wieder montiert. „Und mit Unterstützung der Behörden wird unsere Produktion wohl die sauberste in der Umgebung werden“, sagte Ostendorf. Den Pächtern, die zwei Drittel der 240 Müller-Brot-Filialen führen, kündigte er einen Ausgleich für ihre Verluste an. Mit einem unabhängigen Expertenbeirat, Verbraucherinformationen und einem Tag der offenen Tür wolle er für Transparenz sorgen.

dpa

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