Müller-Brot bleibt weiter dicht!

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Die Müller-Brot-Zentrale in Neufahrn

Neufahrn – Müller-Brot darf den Betrieb immer noch nicht wieder aufnehmen! Immer noch zu dreckig! Das haben die Kontrolleure am Freitagabend entschieden. Unterdessen wurde bekannt, dass es einen Kaufinteressenten für Müller-Brot gibt.

Die Großbäckerei Müller-Brot bleibt vorerst weiterhin dicht. Die Aufsichtsbehörden lehnten die Freigabe nach einem Rundgang ihrer Kontrolleure durch die Brotfabrik in Neufahrn am Freitag ab. Die Reinigung sei noch nicht auf Zustimmung gestoßen, sagte der neu verpflichtete Hygieneberater Professor Thomas Becker von der Technischen Universität München. Bei der Kontrolle hätten die Behörden erneut Ungeziefer wie Schaben und Käfer sowie Mäusekot gefunden, teilte das Landratsamt mit. Schädlinge seien auch dort festgestellt worden, wo an diesem Samstag die Produktion hätte wiederaufgenommen werden sollen, sagte der Freisinger Landrat Michael Schwaiger laut Mitteilung. Die Behördenvertreter hatten bis in den Abend mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Hubert Ampferl beraten.

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Doch zuvor schockte noch eine andere Nachricht die Belegschaft: Am Freitagmorgen drohte dem Unternehmen plötzlich ein Stopp der Fernwärme-und der Wasserversorgung, weil Müller-Brot offensichtlich schon über einen längeren Zeitraum seine Rechnungen nicht mehr bezahlt hat. Glücklicherweise konnte ein Lieferstopp aber in allerletzter Sekunde aber vermieden werden. Wie der Münchner Merkur berichtet, gelang es den Bürgermeistern von Neufahrn und Freising, Rainer Schneider und Josef Riemensberger, beim Energielieferanten, der STEAG Saar Energie, in letzter Minute einen Aufschub zu erreichen.

So konnte die Hygienekontrolle doch noch wie geplant über die Bühne gehen. Ob Müller-Brot nun – zweieinhalb Wochen nach der Schließung am 30. Januar – alle Hygiene-Standards erfüllt, wollten die Behörden aber erst abends mitteilen. Wie Müller-Brot gerettet werden soll: Die tz fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Welches Ziel verfolgt der Insolvenzverwalter?

Insolvenzverwalter Dr. Dr. Hubert Ampferl von der Münchner Kanzlei Dr. Beck & Partner informierte die Belegschaft am Freitagmittag über seine Pläne. Demnach will er möglichst schnell einen tragfähigen Sanierungsplan vorlegen. Außerdem will er die schon abgesprungenen Großkunden (Lidl, Aldi Süd) wieder zurückzugewinnen. Die nötigen Gelder für eine Fortsetzung der Produktion hat Ampferl schon freigegeben. Müller-Brot (Jahrsumsatz zuletzt über 100 Millionen Euro) ist nicht das erste Insolvenzverfahren, das Ampferl betreut. Der 43-Jährige, der aus Kösching (Kreis Eichstätt) stammt, verwaltete bereits Schmack-Biogas, die Wittenbauer-Gruppe und den Tank- und Behälterhersteller Raum Inox. Und in allen Fällen gelang es ihm, große Teile der Unternehmen zu retten.

Wie beurteilt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss-Gaststätten (NGG) die Lage bei Müller-Brot?

Mustafa Öz, bei der NGG für Müller-Brot-zuständig, fürchtet, dass die Beschäftigen wegen der Insolvenz ihre Januar- und Februar-Gehälter nicht mehr bekommen. Er fordert deshalb die Gesellschafter von Müller-Brot auf, Verantwortung zu übernehmen und für die Gehälter gerade zustehen. Sowohl Brezn-Baron Klaus Ostendorf als auch sein Partner Michael Phillips (Apax-Gruppe) werden zu den reichsten Deutschen gezählt. Laut NGG hat sich das Duo in den vergangenen acht Jahren zwölf Millionen Euro gespart, weil die Angestellten zur Stabilisierung der Finanzen des Unternehmens bereit waren, auf große Teile ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes zu verzichten. Für Öz liegt der Verdacht nahe, dass die Brot-Bosse nach Bekanntwerden des Hygieneskandals bewusst auf eine Insolvenz hingearbeitet hätten, um sich so „der Mehrheit der Beschäftigten und der Schulden kostengünstig zu entledigen. Für mich ist das menschenverachtend.“

wdp/weg

Die Wut der Angestellten

Dulni Deringer (29) ist in der 37. Woche schwanger. „Es kann jeden Moment losgehen“, sagt sie und strahlt. Doch Oliver Deringer (42) macht sich Sorgen. „Ich weiß nicht, wie ich unser Kind durchbringen soll ohne Job“, sagt der werdende Vater. Er ist einer von vielen Pächtern der Müller-Bäckerei – und er ist sauer. „Ich arbeite zwölf bis 14 Stunden, sieben Tage lang. Aber ob ich morgen noch backen darf?“

Vor 14 Monaten hat er die Filiale in der Frans-Hals-Straße gepachtet. „Seit Bekanntwerden des Skandals sind meine Einnahmen um 60 Prozent eingebrochen.“ Ein Kunde tritt ein. „Wie geht’s?“ „Muss gehen“, sagt Dulmi. Sie reicht ihm Café und Croissant. Semmeln möchte er nicht.

THI

Das Schicksal der 1100 Müller-Brot-Beschäftigten und ihrer Familien hängt unterdessen am seidenen Faden. Die Angestellten, die noch auf ihre Januar- und Februar-Gehälter warten, hoffen nach der Pleite der Großbäckerei auf das Geschick des Insolvenzverwalters – und darauf, dass die Produktion in Neufahrn bald wieder anläuft. Am Freitagnachmittag hatten 25 Spezialisten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen und Kontrolleure des Landratsamtes Freising die Produktionsstätten inspiziert - am Ende mit negativem Ergebnis.

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