Müller-Brot: Kippt der Ostendorf-Deal?

+
Dunkle Wolken über den Silos der Müller-Brot-Großbäckerei in Neufahrn

München - Gibt es eine weitere überraschende Wendung? Die tz erklärt den Wirtschaftskrimi um Müller-Brot. Evi Müller, die Tochter des alten Firmen-Patriarchen, ist immer noch interessiert.

Der Krimi um Müller-Brot: Gibt es noch eine weitere überraschende Wendung? Der Gläubigerausschuss hatte zuletzt entschieden, den insolventen Back-Konzern an den vorherigen Boss Klaus Ostendorf und eine Gruppe von Managern zu verkaufen – aber kommt es auch tatsächlich dazu? „Es kann sein, dass der Deal doch noch scheitert“, ist aus gut informierten Kreisen zu hören.

Hintergrund sind nach tz-Informationen wohl Bedenken, ob der bisherige Geschäftsführer Stefan Huhn, jetzt Mitglied der Investorengruppe, die Herausforderung stemmen kann. Zu Wochenbeginn ist die Unterzeichnung des Kaufvertrags geplant. Und wenn das nicht klappt? Dann könnte es sein, dass die zuletzt unterlegene Bieterin Evi Müller zusammen mit dem Münchner Bäcker Hans Höflinger doch noch zum Zug kommt.

Der Wirtschafts-Krimi:

Warum durfte Klaus Ostendorf, unter dessen Führung Müller in die Probleme geriet, das Unternehmen zurückkaufen? Insolvenzrechtlich ist das kein Problem. Das Unternehmen stellt wegen der Insolvenz Haftungsmasse der Gläubiger dar. Nach der Insolvenzverwaltung muss diejenige Lösung gewählt werden, die für die Gläubiger das meiste Geld bringt.

Welche Rolle spielt der Gläubiger­ausschuss? Der fünfköpfige Gläubigerausschuss wurde vom Insolvenzgericht eingesetzt. In ihm sitzen der Betriebsratsvorsitzende, ein Vertreter der Commerzbank, ein Vertreter der Kreditversicherung, der Betriebsratsvorsitzende Ender Onay und ein Vetreter der Pächter. Da dieser kurzfristig selbst als Interessent mitbot, durfte er nicht mitstimmen. Die Entscheidung für den Verkauf an die Interessentengruppe um Ostendorf fiel einstimmig.

Was plant Ostendorf? Der tz liegt sein Erwerberkonzept vor, das unter anderem vorsieht, dass ein Aufsichtsrat/Beirat gebildet werden soll, der mit externen Fachleuten zu besetzen ist. Dabei soll es um Finanzen, Betriebsführung und Hygiene gehen. Ausdrücklich genannt wird auch der Betriebsratsvorsitzende. Dieser (Ender Onay) sitzt auch im Gläubigerausschuss, wo er die Mitarbeiterinteressen vertreten soll.

Susanne Sasse

Evi Müller, die Tochter des alten Firmen-Patriarchen: „Ich bin noch interessiert“

Evi Müller ist die Tochter des ehemaligen Firmen-Patriarchen Hans Müller (81). Sie hat um das Unternehmen mitgeboten. Das tz-Interview:

Sind sie noch an Müller-Brot interessiert?

Evi Müller: Ja, ich bin noch interessiert. Mit Bäckermeister Hans Höflinger habe ich mich seit der Insolvenzanmeldung hineingekniet und ein Konzept ausgearbeitet, wie wir aus dem kleingeschrumpften Unternehmen wieder eines mit einer gewissen Größe machen können. Wir wollen die Firma Müller-Brot, der ja die ganzen wichtigen Abnehmer weggebrochen sind, schrittweise wieder zum Erfolg führen.

Wie lange würde das dauern?

Müller: Das ist vor allem eine Frage des Vertrauens. Dieses müssen wir von allen Seiten wieder zurückbekommen. Zuallererst von den Behörden. Die müssen glauben, dass bei Müller-Brot jetzt jemand am Ruder ist, der den vom vorläufigen Insolvenzverwalter Hubert Ampferl gesäuberten Betrieb auch sauber hält. Zudem müssen die Pächter wieder Vertrauen in die Firma fassen. Sie wurden sehr malträtiert, teilweise auch finanziell. Für mich ist es ein Unding, dass ihre Kautionen teils verloren sind — das Geld diente nur der Sicherheit der Pächter, mit dem kann ich als Unternehmer doch nicht einfach arbeiten. Außerdem müssen sich die Mitarbeiter wieder mit dem Unternehmen identifizieren können und die Vermieter der Filialen müssen wieder Vertrauen fassen. Immerhin hatten wir 2003 beim Verkauf 3000 Mitarbeiter und 425 Millionen Euro Umsatz.

Und die Kunden? Kann man die überhaupt noch zurückbekommen?

Müller: Ich hoffe und erwarte, dass das gelingt — vorausgesetzt, ich bekomme das Unternehmen zurück und es geht bis dahin nicht noch mehr kaputt, vor allem an Vetrauen. Ich glaube, man kann das Blatt noch wenden. Ich hoffe es zumindest.

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren

Kommentare