Gewaltiges Medien-Echo 

Toiletten fürs dritte Geschlecht an Grundschulen geplant - so gewaltig ist das Medienecho

+
Frau, Mann und drittes Geschlecht: Thema auch an Grundschulen in Pullach, Garching und Taufkirchen.

Drei Grundschulen im Landkreis München erwägen, WCs fürs dritte Geschlecht einzurichten. Das Medienecho auf diesen Bericht im Münchner Merkur war gewaltig..

Landkreis München – In Taufkirchen und Pullach war der Bayerische Rundfunk. Und in der Isartalgemeinde hat auch die alternative Tageszeitung „taz“ aus Berlin bei Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) angerufen. Der Landkreis wird über die Landkreis-Grenzen hinaus derzeit von vielen Seiten wahrgenommen. Was ist los? Drei Kommunen überlegen, bei ihren Schulneubauten auch T oiletten für Intersexuelle vorzusehen.

Merkur-Bericht löst großes Medienecho aus

Auslöser für die überregionale Berichterstattung, die sogar Schlagzeilen in Tschechien beim Nachrichtenportal novincy.cz beinhaltet hat, war das Konzept für zwei neue Schulen, das im Januar in Pullach im Kommunalgremium besprochen worden ist.

Andrea Lehner, die externe Schulberaterin, die von der Gemeinde in der sogenannten Phase Null mit ins Boot geholt worden ist, meinte, wenn man schon neue Schulen baue, solle man gleich über Sanitärräume für das dritte Geschlecht nachdenken. Das sei schließlich jetzt vom Gesetzgeber anerkannt worden. Zwei, drei Sätze waren das, mehr nicht. Diskutiert wurde im Gremium darüber dann gar nicht. Aber die Wirkung dieser Sätze war dennoch groß.

Pläne in Pullach, Garching und Taufkirchen

Wohl auch deshalb, weil Recherchen des Münchner Merkurergaben, dass in Taufkirchen und Garching ähnliche Überlegungen angestellt werden. Beide Kommunen planen neue Schulen, an beiden Orten wird überlegt, die Klos einmal anders zu gestalten – so nämlich, dass divers veranlagte Kinder auf keinen Fall diskriminiert werden.

Und dann? War das „laute Thema ums stille Örtchen“ plötzlich überall. T-Online berichtete, viele große Tageszeitung wie die „Frankfurter Rundschau“, die „Stuttgarter Nachrichten“ oder die „Augsburger Allgemeine“. Auch der „Spiegel“ griff die Diskussion auf. Das Anzeigenblatt „Hallo“ machte eine Umfrage dazu, das „Münchner „Wochenblatt“ schrieb: „Der Divers-Wahn greift nun komplett um sich.“ Und online wurde das Ganze fleißig kommentiert, nicht nur auf „br.de“. Tenor: „Die Welt wird immer blöder.“

Bayerisches Fernsehen schickt TV-Team

Derweil filmten Kollegen für das Magazin „Quer“ im Bayerischen Rundfunk die Schulbaustelle in Taufkirchen. Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei), während hinter ihm ein grüner Bagger die Erde umgrub, sagte: „Wir wissen, dass es das dritte Geschlecht gibt“, dem solle man Rechnung tragen.

Auch in Pullach wurde gedreht, hier sagte CSU-Gemeinderat Andreas Most, der im Beratergremium von Andrea Lehner gesessen hatte, in die Kameras: „Es ist zu berücksichtigen, dass es Kinder gibt, die keine eindeutige sexuelle Identität haben.“ „Quer“ recherchierte auch im diversity Jugendzentrum in der Münchner Blumenstraße, wo eine betroffene Jugendliche, Anja, meinte, sie sei früher nie gern aufs Bubenklo gegangen. Aber sie wurde damals eben als Bub eingestuft – obwohl sie sich als Mädchen fühlte.

Bundesverband „Intersexuelle Menschen“ skeptisch 

Dabei, das wurde bei all der Aufregung oft vergessen, ist ja weder in Pullach noch in Garching oder Taufkirchen schon irgendwas entschieden. Stefan Beer, Bauamtsleiter aus Taufkirchen, berichtet, man habe inzwischen auch mit dem Bundesverband „Intersexuelle Menschen“ Kontakt aufgenommen, unter Umständen beurteile der eigene Klos für divers Veranlagte gar nicht so positiv. Die Kinder, die nicht Bub sind und nicht Mädchen, würden sich nämlich einfach am liebsten nicht outen. „Wir wollen für die Betroffenen das Bestmögliche.“

Bürgermeisterin Tausendfreund gelassen

Derweil meint Pullachs Bürgermeisterin Tausendfreund, das Ganze sei eine „Randfrage, die ganz unaufgeregt gelöst werden könnte“. Sie denke da schlicht an Klos für alle, wie sie in Schweden üblich sind, vielleicht mit eigenem Pissoir-Bereich. Im Übrigen: „Der Rummel um die Toiletten ist zu groß, wir kümmern uns ja insgesamt um die moderne Ausgestaltung unserer Schulen.“ Immerhin würden heute intersexuelle Kinder nicht mehr umoperiert. Sie sagt: „Man sollte Abstand nehmen von der starren Trennung zwischen den Geschlechtern.“

Und Andrea Lehner, die Schulberaterin? Auch sie hat in letzter Zeit einige Interviews gegeben, „RTL“ und „SAT.1“ riefen an, auch die „Welt“. Die Berichterstattung, sagt sie, sei jeweils sachlich gewesen, sie meint, das Thema wurde damit „ins Bewusstsein gerückt“. Und natürlich gehöre es zur Planung einer zukunftsfähigen Schule, über die passenden Toiletten für alle Geschlechter nachzudenken.

Wenn Sie lesen möchte, wie ein Experte die ganze Situation beurteilt, dann können Sie das hier bei merkur.de*:  Pädagogischer Quatsch? Grundschulen planen WC für das dritte Geschlecht - das sagt ein Experte

Das könnte Sie auch ineterssieren

Eltern mit Kind auf Motorrad unterwegs: Auto übersieht Familie

Mann soll Kind missbraucht haben: Polizei fahndet mit Video - noch keine Hinweise auf Täter

Wasserleiche in Passau: Jetzt ist klar, wer der Tote aus dem Inn ist

*merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Auch interessant

Meistgelesen

Chaos-Fahrer schockt Verkehrsteilnehmer und Polizei auf A8 - dann macht er Hitler-Gruß
Chaos-Fahrer schockt Verkehrsteilnehmer und Polizei auf A8 - dann macht er Hitler-Gruß
Lkw steckt unter Brücke fest: Fahrer will nichts bemerkt haben
Lkw steckt unter Brücke fest: Fahrer will nichts bemerkt haben
Die Hilfe kam zu spät: Münchner Mountainbiker stirbt nach Sturz an Isar - Spaziergänger fanden ihn schwerverletzt
Die Hilfe kam zu spät: Münchner Mountainbiker stirbt nach Sturz an Isar - Spaziergänger fanden ihn schwerverletzt
Schäferhund von Auto angefahren und einfach liegengelassen - Täter und Besitzer gesucht
Schäferhund von Auto angefahren und einfach liegengelassen - Täter und Besitzer gesucht

Kommentare