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„Beschämendes Schauspiel“: Deutsche Bahn sperrt monatelang Bahnübergang nahe München - Bürger fassungslos

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Von: Gabi Zierz

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Gesperrt ist der Bahnübergang an der Haager Straße in Erding ab Dienstag, 1. Februar. Die alte Sicherungsanlage ist irreparabel beschädigt und muss ausgetauscht werden.
Gesperrt ist der Bahnübergang an der Haager Straße in Erding ab Dienstag, 1. Februar. Die alte Sicherungsanlage ist irreparabel beschädigt und muss ausgetauscht werden. © Tom Mertens

Die Entscheidung der Deutschen Bahn, den Bahnübergang Haager Straße in Erding ab 1. Februar für vier Monate zu sperren, stößt im Stadtrat auf harsche Kritik.

Erding - Die Nachricht schlug vergangene Woche ein wie eine Bombe und macht viele Bürger fassungslos: Die Deutsche Bahn wird den Bahnübergang Haager Straße ab Dienstag, 1. Februar, für voraussichtlich vier Monate sperren (wir berichteten). Damit ist in Erding ein Verkehrschaos programmiert. Am Dienstagabend diskutierte der Stadtrat über das Dilemma –und ließ kein gutes Haar an der Bahn.

Deutsche Bahn sperrt Bahnübergang: Verkehrschaos programmiert

Schon seit Herbst ist die Bahnschranke an der Haager Straße defekt. Die Reparatur beziehungsweise der Austausch der Steuerung kommt nicht voran. Bekanntlich werden die Ersatz-Schlagbäume seither per Hand bedient. Dazu sitzt ein Bahnangestellter bei laufendem Motor in einem Auto neben dem Bahnübergang und drückt alle 20 Minuten auf den Knopf.

OB Max Gotz (CSU) sagte im Stadtrat: „Es ist beschämend, was die Bahn hier für ein Schauspiel abgibt.“ Es seien offenbar weder Bausätze vorrätig noch genug Personal vorhanden, das diesen Dienst an der Schranke weiter übernehme. Deshalb komme es zur Sperrung. Die Mitarbeiter würden übrigens in ihren Privatautos vor Ort sitzen.

Eva Döllel (ÖDP) hatte das Thema zur Sprache gebracht, weil sie durch die monatelange Schließung des Bahnübergangs befürchtet, dass viele Autofahrer die Park & Ride-Anlage am Bahnhof als Umfahrung nutzen. Der OB kündigte an, dass die Parkplatz-Durchfahrt verschärft kontrolliert werde. Rettungsfahrzeuge dürften sie jedoch selbstverständlich nutzen.

Deutsche Bahn sperrt Bahnübergang in Erding: Gefahr für Fußgänger

Gotz macht sich vor allem Sorgen um den Stadtbus, der ebenso wie die Autos Umleitungen in Kauf nehmen muss. Bekanntlich ist auch der gesamte Öffentliche Personen-Nah- und der Schülerverkehr betroffen, etwa die Buslinien 501, 502, 507, 511, 512, 520, 530, 550, 560, 561, 562, 564, 565, 567, 568 und 569. Sie alle werden über die B 388, die Anton-Bruckner-Straße und Dorfener Straße umgeleitet. Die Bushaltestellen Adolf-Kolping-, Edelweiß- und Görresstraße entfallen. Die Zufahrt in die Wilhelm-von-Diez-Straße bleibt bestehen.

Hans Balbach (Erding Jetzt) fürchtet, dass während der Schließung vermehrt Fußgänger die Gleise neben dem Bahnübergang überqueren: „Schon jetzt laufen viele einfach drüber. Das ist gefährlich.“ Er regte an, eine temporäre Fußgängerbrücke zu bauen, wie sie 2016 für die Flüchtlinge im Warteraum Asyl über die B 388 errichtet worden war. „Damals ist das ja auch binnen zwei Wochen gelungen“, meinte Balbach zu der Gerüstkonstruktion. Gotz will die Anregung aufnehmen: „Wir schauen, was wir da erreichen.“

Nicht diskutieren wollte er über den Vorschlag von Dr. Rainer Vogel (FPD), ob die Stadt denn nicht selbst jemanden an die Schranke setzen könne oder die Schranke wenigstens temporär für ein paar Stunden am Tag bedient werden könne. „Ich bin nicht dabei, dass wir noch einen Cent in die Hand nehmen für die Bahn. Außerdem geht das aus Haftungsgründen gar nicht“, antwortete Gotz. Er erinnerte daran, dass die Stadt bereits die Reinigung der Unterführung und der WC-Anlage zahle. Vogel wollte es nicht in den Kopf, dass die Stadt gegen die Sperrung keine Handhabe hat. Er forderte Gotz auf, „mehr Druck auszuüben. Das ist nicht zu tolerieren“.

Bahnübergang gesperrt: OB sauer - „Eine solche Minustleistung“

Der OB erklärte, er habe das Thema auch im Bayerischen Städtetag angesprochen. Anderswo gebe es ähnliche Erfahrungen mit der Bahn. „Es ist eine solche Minusleistung. Ich kenne keinen Unternehmer, der sich so was leisten könnte“, sagte er.

Und was sagt die Bahn dazu? Sie hatte die schlechte Nachricht Anfang vergangener Woche gar nicht selbst öffentlich gemacht, sondern die Stadt informiert. Gotz bedauerte noch am Dienstag die „Dame, die anrufen musste“. Die Bahn begründet die kurzfristige Schließung des Bahnübergangs mit der Bau- und Betriebssicherheit.

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt ein Sprecher des Unternehmens mit: „Die alte Sicherungsanlage ist außer Betrieb und muss getauscht werden, bei ihr gibt es irreparable Mängel. Aktuell arbeitet eine Hilfsschranke, um den Straßenverkehr zu sichern. Allerdings ist das eine provisorische und keine dauerhafte Lösung.“ Der Bahnübergang werde geschlossen, um eine komplett neue Anlage zu installieren.

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