Seltsame Beobachtungen

Terrorverdacht in Flüchtlingsheim: SEK stürmt Unterkunft - Münchnerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei 

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Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei (Symbolbild)

Mitten in der Nacht ist eine SEK-Einheit in eine Flüchtlingsunterkunft in Oberhaching eingedrungen. Es bestand der Verdacht auf Terrorgefahr. Eine Münchnerin kritisiert das Vorgehen der Polizei - und möchte den Bayerischen Flüchtlingsrat einschalten.

Oberhaching - Kurz nach Mitternacht ist eine SEK-Einheit der Polizei in die Flüchtlingsunterkunft an der Schulstraße in Oberhaching eingedrungen, hat Türen aufgebrochen und mehrere Bewohner befragt. Es bestand der Verdacht auf eine Terrorgefahr rund um das islamische Opferfest.

München: Terrorverdacht in Flüchtlingsheim in Oberhaching - SEK stürmt Unterkunft

Der Verdacht hat sich zum Glück nicht bestätigt. Aber so liest sich der Einsatz in der Nacht von Sonntag auf Montag vor einer Woche doch dramatischer als das, was die Pressestelle des Polizeipräsidiums München in einer kurzen Pressemitteilung veröffentlicht hatte (wir berichteten). Nach dem Einsatz will Gabriele Göttler (61) aus München, die einige Asylbewerber privat unterstützt, den Bayerischen Flüchtlingsrat einschalten. „Viele der Flüchtlinge sind vom Krieg traumatisiert, so kann man nicht mit Menschen umgehen“, sagt sie. Die Polizei hält entschieden dagegen: Bei einer möglichen Terrorgefahr, und davon habe man ausgehen müssen, klopfe das SEK nicht erst höflich an die Tür.

Terrorverdacht in München: SEK-Einsatz im Flüchtlingsheim Oberhaching - Frau macht seltsame Beobachtung 

Im Schatten von St. Bartholomäus liegt die Flüchtlingsunterkunft, die durchsucht wurde.

Eine 41-jährige Oberhachingerin hatte den Einsatz ausgelöst. Am Sonntag, 11. August, hatte sie gegen 10.15 Uhr im Garten der Flüchtlingsunterkunft einen Mann beobachtet, der im Kaftan vor einer Fahne kniete und sich dabei von einem zweiten Mann mit dem Mobiltelefon filmen ließ. Auch eine „schwarze Waffe“ glaubte die Frau gesehen zu haben, erklärt ein Polizeisprecher. Von der Waffe stand nichts mehr im Polizeibericht, nachdem sich der Fall als harmlos herausgestellt hatte. Doch zunächst herrschte Alarm. Zumal die Beobachtung auf die Zeit des islamischen Opferfestes fiel.

Das Polizeipräsidium ließ die Unterkunft sofort von Beamten in Zivil unauffällig oberservieren. Gleichzeitig bemühte man sich um eine umfassende Lageeinschätzung. Ein Islamwissenschaftler wurde hinzugezogen, erklärt die Polizei auf Nachfrage des Münchner Merkur

Nach dessen Einschätzung schien ein terroristischer Hintergrund möglich. Mittlerweile hatte die Polizei auch die wahrscheinliche Identität des Mannes im Kaftan ermittelt. Richterliche Durchsuchungsbeschlüsse wurden erwirkt, der Einsatz geplant. Kurz nach Mitternacht war das SEK in Position. Zugriff.

München: SEK stürmt Flüchtlingsheim in Oberhaching - Terrorverdacht

„Ich war in einem tiefen Schlaf, aber um ein Uhr mit einem starken Schrei wachte ich auf und sah zum Fenster“, schildert ein afghanischer Flüchtling, den Gabriele Göttler kennt, in einer Facebook-Gruppe, wie er den Einsatz erlebt hat. „Es war ein Mann mit einer schweren Waffe. Ich eilte zur Tür, zu öffnen, aber zwei Leute mit schwerer Waffe stießen die Tür auf und stießen mich auf den Boden und sagten mir: keine Bewegung. Ich war schockiert. Ich dachte, ich hätte vielleicht einen Albtraum.“ Im Nachbarzimmer ist es wohl ähnlich abgelaufen. Da wohnt der Mann im Kaftan mit der Fahne, ein 26-jähriger Pakistaner.

Spuren des SEK-Einsatzes an einer Tür.

Im Polizeibericht tags darauf las sich das im Originaltext so: „Der 26-Jährige aus Pakistan wurde in der Unterkunft angetroffen und gab bereitwillig Auskunft zu der beobachteten Situation. Daneben stellte er sein Mobiltelefon zur Einsichtnahme zur Verfügung, auf dem der Mann auf mehreren Fotos, vor einer pakistanischen Fahne sitzend zu sehen war. Weitere Befragungen und Ermittlungen ergaben keinen Hinweis auf eine strafrechtlich relevante Intention des 26-Jährigen.“

Kritik an SEK-Einsatz in Flüchtlingsheim: Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Gabriele Göttler fragt sich, ob der Einsatz verhältnismäßig war. Selbstverständlich habe die Polizei eingreifen müssen, aber gleich mit SEK mitten in der Nacht? Da will sie über den Flüchtlingsrat noch einmal nachhaken lassen. Die Polizei pocht darauf, dass angesichts einer möglichen Terrorgefahr entschlossenes Handeln unbedingt nötig war. Höflich klopfen und nett nachfragen – das wäre angesichts der Lageeinschätzung nicht zu verantworten gewesen. Das Landratsamt, das die Unterkunft trägt, zieht derweil eine Schadensbilanz: Zwei Wohnungstüren und eine Badezimmertür sind zu Bruch gegangen, dazu ein Fenster. Die Kosten trägt der Landkreis.

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