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Unfassbare Szenen: Massive Zerstörung auf Party bei München - „Ehrlich gesagt sprachlos“

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Von: Boris Forstner

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Dieses Foto vom Pool der Familie hat uns die Polizei auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt.
Dieses Foto vom Pool der Familie hat uns die Polizei auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. © Polizei

Rund einen Monat ist es her, dass die Geburtstagsparty eines Jugendlichen in Weilheim eskalierte: Ungeladene Gäste tobten sich zum Teil in massiver Zerstörungslust aus, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Wir haben die Familie besucht, die noch immer rätselt, wie es dazu kommen konnte.

Weilheim – Ruhig ist es im Garten des Reiheneckhauses. Der kleine Pool neben der Terrasse strahlt im klaren Blau, die Gegenstände wie eine Sitzgarnitur, ein kleines Trampolin und Schuhe, die dort während der Party gelandet waren, sind längst rausgefischt. Nur das Gartentürchen, das hinten zum direkt angrenzenden Weg ans Bahngleis führt, hängt noch schief in den Angeln. „Das ist offenbar mit massiver Gewalt aufgebrochen worden, das werde ich erst im Frühjahr reparieren“, sagt Vater Jens K. (57). Ob dann das Fahrrad schon abgeholt wurde, das direkt neben dem Tor lehnt? „Das gehört uns nämlich nicht. Das hat irgendjemand als Andenken dagelassen“, sagt Silvana K. (53).

Bei Abfahrt der Eltern war noch alles in Ordnung

Es sollte eigentlich eine Party im eher kleinen Kreis werden. Sohn Torben wollte mit Kumpels seinen 17. Geburtstag feiern und bekam dafür von den Eltern sturmfrei. „Unser älterer Sohn hat seinen 18 und 20. Geburtstag auch schon mit einer Hausparty gefeiert, deshalb hatten wir keine Bedenken, dass es bei Torben auch klappt“, sagt Vater Jens. Sie hatten sich ein Zimmer in Huglfing gemietet und fuhren gegen 21 Uhr mit dem Rad dorthin. „Als wir uns verabschiedet hatten, war noch alles in Ordnung.“

Zu dem Zeitpunkt sei die Party auch noch super gewesen, sagt der 17-Jährige. Die ersten Besucher seien gegen 19 Uhr da gewesen, die meisten draußen, einige auch drinnen. Er habe rund 30 Freunde und Bekannte eingeladen, zuvor waren bereits per Handzettel die Nachbarn informiert worden, dass es an dem Abend lauter werden kann. „Da kamen im Vorfeld manche Nachbarn zu uns, haben uns Glück gewünscht und gesagt, dass es mit ihnen sicher keinen Ärger geben wird“, sagt Mutter Silvana. Dass der eigene Sohn die Polizei rufen muss, hätte sie natürlich nicht gedacht.

Mit dem Hammer die Kellerdecke demoliert

Denn gegen 22.30 Uhr seien plötzlich junge Erwachsene im Haus gewesen, die nicht eingeladen waren und die Torben zum Teil gar nicht kannte. „Weil jemand leider die Haustüre offen gelassen hatte, hatte ich das zuerst gar nicht bemerkt“, sagt er. Er habe versucht, sie wegzuschicken, doch das habe die gar nicht interessiert. Zu dem Zeitpunkt ging es mit dem Vandalismus los: Neben den Gegenständen, die in den Pool geworfen wurden, sei unter anderem die Tischtennisplatte im Keller zerstört worden, jemand hatte sogar mit einem Hammer angefangen, die abgehängte Decke kaputt zu schlagen.

Kurios: Kurze Zeit vorher hatten die Eltern noch erfolglos versucht, ihren Sohn telefonisch zu erreichen. Sie schrieben dann ihrem älteren Sohn, der ein bisschen aufpassen sollte, eine Nachricht, ob alles ok sei, und der antwortete „ja“ – weil er es auf sich bezog. „Er war aber erst auf der Anfahrt und noch gar nicht vor Ort, das haben wir erst tags darauf erfahren“, sagt Mutter Silvana.

Das Geburtstagskind rief selbst die Polizei

Torben wusste sich schließlich nicht mehr anders zu helfen, als die Polizei zu informieren. Das teilte er den ungebetenen Gästen auch mit. „Die haben dann erst einmal abgewartet, doch als schon nach etwa zehn Minuten mehrere Streifenwagen gekommen sind, sind sie abgehauen“, erzählt er (siehe Kasten unten).

Das Haus müsse unfassbar ausgesehen haben, sagt Mutter Silvana – sie kennt nur die Schilderungen aus dem Polizeibericht. Überall Dreck, weil sich niemand die Schuhe abgeputzt habe, vermischt mit Bier, Erbrochenem und teilweise auch Urin, weil manch einer einfach ins Haus gepinkelt hatte.

Schon mehrere Strafanzeigen gestellt

Fotos hat ihr Sohn keine gemacht, weil der Polizist, der den Fall aufnahm, fleißig Tatortbilder gemacht hat. Und die sind noch Teil der Ermittlungen, denn die Sache wird ein Nachspiel haben. „Wir haben schon mehrere Strafanzeigen gestellt, denn es gibt schon viele Zeugenaussagen über die Verursacher“, sagt Vater Jens. Schließlich betrage der Schaden geschätzt 5000 Euro.

Enttäuscht über die Reaktionen danach

Was die Eltern am meisten enttäuscht, waren die Reaktionen danach. Während einige Freunde von Torben bereits am Abend und am nächsten Morgen stundenlang aufräumten und putzen, damit das Haus bei der Rückkehr der Eltern nicht mehr wie ein Schlachtfeld aussieht, „kam von vielen Verursachern oder deren Eltern nichts, keine Reaktion, etwa dass sie sich finanziell am Schaden beteiligen oder ähnliches. Das hat mich ehrlich gesagt sprachlos gemacht“, sagt die Mutter. Ein Jugendlicher etwa, der eine Stereoanlage mitgehen hat lassen, habe sie zwar am nächsten Tag zurückgebracht, aber ohne Entschuldigung. „Wo bleibt da der Anstand?“, fragt sie sich.

Vor allem für Torben ist die Situation nicht einfach, weil er manche der Beschuldigten von der Schule kennt. Vater Jens hofft, dass die Täter ermittelt werden und zum Beispiel Sozialstunden aufgebrummt bekommen. „Und wenn jemand Reue gezeigt und sich entschuldigt hat, kann man von mir aus die Anzeige auch fallenlassen“, sagt er. Schlussfrage an Torben, ob er seinen 18. Geburtstag auch wieder feiern wird: „Eher nicht.“

Zeugen gesucht

Wer noch Aussagen zu der Party machen kann, zum Beispiel auch Eltern, die noch Neuigkeiten von ihren Kindern erfahren haben, sollte sich unter Telefon 0881/6400 an die Polizei Weilheim wenden.

Zahl der Beschuldigten steigt immer weiter

Dass eine Party so aus dem Ruder läuft wie kürzlich in Weilheim, kommt eher selten vor, sagt Boris Netschajew, Vize-Leiter der Polizeiinspektion Weilheim. Er hat etwas nachrecherchiert und herausgefunden, dass es rund 15 Jahre her ist, als es einen ähnlichen Vorfall im Inspektionsbereich gab – damals habe der Schaden sogar 30.000 Euro betragen.

Das war auch der Grund, warum die Polizei nach dem Notruf recht schnell vor Ort war und gleich mit einem Großaufgebot anrückte. „Insgesamt sieben Polizeistreifen aus allen umliegenden Dienststellen waren im Einsatz“, sagt Johannes Erhard, Jugendbeamter der PI Weilheim, der die Sachbearbeitung übernommen hat.

Und es sei gut gewesen, dass so viele Kräfte vor Ort waren. Denn viele Party-Gäste hatten sich nach dem Anrücken aus dem Staub gemacht, man habe im Umkreis noch von vielen die Personalien aufnehmen können, sagt Netschajew. „Was man nicht vor Ort erfasst, ist weg“, sagt er.

Die Ermittlungen in dem Fall seien aufwändig. Zahlreiche Zeugen müssten gehört werden, rund 40 bis 50 Personen seien zu dem Fall bisher aktenkundig geworden. Auch die Zahl der Beschuldigten steige stetig an. Deshalb werden die Ermittlungen auch noch eine ganze Weile andauern, sagt Erhard: „Ich bin gut beschäftigt damit.“ Laut Netschajew wolle man besonders sorgfältig zu Werke gehen, „das sind wir allen Beteiligten in diesem Fall schuldig“.

Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, geht die Akte an die Staatsanwaltschaft, die entscheiden muss, ob sie den Fall für die betreffende Person einstellt, einen Strafbefehl erlässt oder es gar zu einem Prozess kommt. Da könnte beim Strafmaß auch mit reinspielen, ob die betreffende Person schon öfter in Erscheinung getreten ist, also Vorstrafen aufweist, oder ob sie bei den Ermittlungen kooperativ war.

Wie man das Eskalieren einer solchen Party verhindern kann, dazu will und kann die Polizei keine Tipps geben: „Das müssen immer die Eltern selbst wissen, ob sie das ihren Kindern zutrauen“, sagt Netschajew. Durch die sozialen Medien werden Party-Termine zwar viel schneller gestreut als früher, doch die Zeit der so genannten Facebook-Partys, die öffentlich für jedermann im Internet angekündigt wurden, ist schon lange vorbei.

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