Prozess nach neun Jahren

Sie waren erst 14: Mann soll zwei Freundinnen seiner Tochter betäubt und missbraucht haben

+
Alexander G. (57) schweigt zu den Tatvorwürfen.

Die Vorwürfe gegen den 57-Jährigen sind schwer. Er soll sich an zwei Freundinnen seiner Tochter vergangen haben. Damals waren die Mädchen 14 Jahre alt. Die mutmaßlichen Taten sind noch nicht verjährt.

München - Sein Gesicht ist blass, die Stirn liegt in Falten. Alexander G. schaut bedrückt, doch zu den ungeheuerlichen Vorwürfen will er sich nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 57-Jährigen vor, zwei Freundinnen seiner Tochter erst betäubt und dann sexuell missbraucht zu haben. Bereits neun Jahre liegen die mutmaßlichen Taten zurück. Seit gestern muss G. sich nun vor dem Landgericht verantworten – aber er verweigert die Aussage.

Prozess um Missbrauch: Mädchen vorher betäubt?

Damals, im April 2010, hatte seine Tochter Viktoria zwei Freundinnen (beide waren damals 14 Jahre alt) zu sich nach Hause eingeladen. „Ihr Vater brachte uns Champagner. Es war das erste Mal, dass ich Alkohol getrunken hatte“, sagt Maria P. (heute 23 Jahre alt, Name geändert). Erst am nächsten Morgen wachte das Mädchen wieder auf. „Ich hatte keine Erinnerung, aber mir war sehr übel.“

Der Verdacht: Laut Anklage hatte Alexander G. Betäubungsmittel in das Getränk gemischt. Nachts soll er sich im Kinderzimmer seiner Tochter dann an den schlafenden Mädchen vergangen haben. Das Verbrechen trug sich in der Familienwohnung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu.

Bei einer zweiten Party soll sich der Missbrauch wiederholt haben. „Er hielt mich seitlich von hinten. Ich konnte mich nicht wehren“, schildert die Zeugin unter Tränen. Ihre Videovernehmung wurde gestern im Gerichtssaal abgespielt.

Prozess am Landgericht: 57-Jähriger verweigert die Aussage

Erst im vergangenen Jahr hatten die Frauen die Taten angezeigt. „Ich konnte es nicht mehr verdrängen und wollte, dass dieser Missbrauch ans Tageslicht kommt“, sagt Maria P. Immer wieder erstickt ihre Stimme in Tränen, als sie erzählt. Währenddessen herrscht bedrückte Stimmung im abgedunkelten Gerichtssaal.

Sechs weitere Verhandlungstage hat Richterin Sigrun Broßart angesetzt, Mitte November soll das Urteil fallen. Alexander G. drohen mehrere Jahre Haft, sollte er verurteilt werden. Doch ob es dazu kommen wird, ist fraglich.

Prozess in München: Mädchen missbraucht? Verteidiger bezweifelt Aussagen

Verteidiger Alexander Betz kritisierte gestern „Unzulänglichkeiten und Widersprüche“ in den Aussagen der Belastungszeugin. Zudem habe er „Zweifel an ihrer Aussagetüchtigkeit“. Den genauen Tag des mutmaßlichen Missbrauchs habe die junge Frau etwa nicht benennen können – laut Staatsanwaltschaft spielt das aber keine Rolle. Die angeklagte Tat sei noch nicht verjährt. Gegen Alexander G. spricht, dass Ermittler in seiner Wohnung Tabletten gefunden haben, die zur Bewusstlosigkeit führen. 

Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Walchenseer gehen auf die Straße: Demo am See gegen Massenansturm aus München
Walchenseer gehen auf die Straße: Demo am See gegen Massenansturm aus München
A9: Wohnmobil prallt ungebremst in Lkw - 18-Jähriger in Lebensgefahr
A9: Wohnmobil prallt ungebremst in Lkw - 18-Jähriger in Lebensgefahr
Am Sudelfeld: Polizei kontrolliert Biker - und traut Augen nicht
Am Sudelfeld: Polizei kontrolliert Biker - und traut Augen nicht
Gefahr bei Verzehr: Münchner Metzgerei ruft beliebte Würste zurück
Gefahr bei Verzehr: Münchner Metzgerei ruft beliebte Würste zurück

Kommentare