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Großprojekt wird teurer: U-Bahn nach Martinsried kostet 212 Millionen Euro

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Von: Nicole Kalenda

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Der Freistaat Bayern stellt die Zwischenlagerfläche für den belasteten Aushub zur Verfügung. Bis Jahresende soll sie fertiggestellt sein.
Der Freistaat Bayern stellt die Zwischenlagerfläche für den belasteten Aushub zur Verfügung. Bis Jahresende soll sie fertiggestellt sein. © Dagmar Rutt

Die Planer-Kostenberechnung für die Verlängerung der U6 lag im vergangenen März bei 172 Millionen, nun ist man bei 212 Millionen angelangt.

Planegg – Es war fast ein kleines Jubiläum: Dimitri Steinke begann Ende November 2017 als Geschäftsführer der U-Bahn Martinsried Projektmanagement GmbH & Co. KG (PMG), die im Auftrag der Gemeinde Planegg als Bauherrin die Verlängerung der U-Bahnlinie 6 nach Martinsried realisiert. Fünf Jahre später besuchte er am Montagabend ein weiteres Mal den Werkausschuss des Gemeinderates, um über den Projektstand zu berichten.

Erst im September hatte die Nachricht die Runde gemacht, dass die U6-Trasse frei von geschützten Tierarten sei.

U-Bahn-Projekt im Raum München: Bund und Freistaat übernehmen 95 Prozent

In den vergangenen fünf Jahren hatte Steinke sich bei der Frage nach den Kosten stets zurückhaltend gegeben. Nun, da die Planungen weit fortgeschritten sind und alles für den Spatenstich Anfang Februar vorbereitet wird, sagte er: „Wir haben Kassensturz gemacht. Die Kosten sind bodenständig kalkuliert. Mit ihnen können wir arbeiten.“ Bisher habe es Schätzungen gegeben, nun könne man mit konkreten Zahlen auf die Fördergeber zugehen. Bund und Freistaat Bayern übernehmen 95 Prozent der förderfähigen Kosten, der Landkreis München 3,67 und die Gemeinde Planegg 1,33 Prozent.

Die Baukosten für den knapp ein Kilometer langen Tunnel und den Martinsrieder U-Bahnhof liegen bei 187 Millionen Euro, die Planungskosten bei 25 Millionen. Grundsätzlich gelte, so Steinke, dass für einen Kilometer U-Bahn 200 Millionen Baukosten anfallen. „Wir haben Corona überstanden, sind mitten drin in politischen Verwerfungen und liegen immer noch unter den 200 Millionen“, so Steinke. Für die Berechnungen sei ein „auskömmlicher Inflationssatz“ angesetzt.

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U6 bis nach Martinsired: Planung musste aktualisiert werden

Als die Gemeinde Planegg im März 2018 den Projektmanagementvertrag mit der PMG abschloss, war die aktuelleste Kostenschätzung schon sechs Jahre alt und belief sich auf 73,5 Millionen Euro. Allerdings musste zunächst die mehrere Jahre alte Planung auf den aktuellen Stand gebracht werden. Vor allem im Bereich des Brandschutzes gibt es nun strengere Auflagen, die eine Verbreiterung des Tunnelbauwerks zwingend notwendig machen. Steinke: „Die Kosten folgen der Technik. Zwischen dem, was in der ursprünglichen Planfeststellung enthalten war, und heute liegen Welten.“

Er wies darauf hin, dass entgegen zwischenzeitlicher Befürchtungen die Kosten für die Altlastenentsorgung nun doch nicht abgetrennt werden müssen. „Da spart sich die Gemeinde rund 1 Million Euro.“ Der Planegger Anteil an U-Bahn plus dem bereits fertiggestellten Parkdeck liegt bei rund 10,1 Millionen Euro: 6,7 Millionen für die U-Bahn, 0,8 Millionen fürs Parkdeck und 2,6 Millionen für Sonstiges wie die Beteiligung der Gemeinde an der PMG oder Zinsen.

Verlängerung der U6 ab Großhadern: Fertigstellung 2027

Die PMG rechnet 2027 mit Fertigstellung und Inbetriebnahme der U-Bahn. Das mit dem Rohbau beauftragte Bauunternehmen Leonard Weiß habe dies bestätigt. Die Hauptbaumaßnahme beginnt Anfang nächsten Jahres. Bis dahin muss zwingend die Zwischenlagerfläche Nord, rund 60 000 Quadratmeter, fertiggestellt sein.

Dort, zwischen dem Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Würmtalstraße, soll der belastete Aushub, der aus einer verfüllten Kiesgrube stammt, die die U-Bahn-Trasse auf 500 Metern quert, bis zur Entsorgung bleiben. Steinke: „Das ist das Nadelöhr der Baustelle. Wenn die Zwischenlagerfläche Nord nicht funktioniert, funktioniert die ganze Baustelle nicht.“

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