Tadel auch vom ADAC

Wut über „unverschämtes“ Schreiben: Dieser Brief bringt Diesel-Fahrer so richtig auf die Palme

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Doro Kleeblatt ärgert sich über ein Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamts.

Ein Brief des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) bringt Doro Kleeblatt auf die Palme. „Dieses Schreiben ist eine Unverfrorenheit der Auto-Lobby mithilfe öffentlicher Ämter!“, schimpft die Germeringerin.

Germering - Mit ihrem Ärger ist sie nicht allein: Das Amt hat bundesweit Besitzer von Diesel-Autos mit den Abgasnormen Euro 4 und 5 angeschrieben und für den Umtausch ihrer Stinker geworben. Praktischerweise gleich mit auf dem Briefkopf: die Kontakte zu drei großen Autoherstellern…

Kleeblatt ist nicht selbst betroffen, ein guter Freund habe ihr „ganz aufgelöst“ den Brief gezeigt. „Man unterstellt den Autofahrern, dass sie Schuld sind an der Abgasbelastung“, ärgert sich die 66-Jährige. Die „Flottenerneuerung“ sei maßgeblicher Bestandteil der Pläne „zur Verbesserung der Luft in unseren Städten“. So könne man die individuelle Mobilität weiter gewährleisten und Fahrverbote vermeiden, heißt es in dem Brief. Und weiter: Diesel-Fahrer können einen „maßgeblichen Beitrag zur Reduzierung der Fahrzeug­emissionen“ leisten.

Kritik kommt auch vom ADAC

Wer seinen alten Diesel in Zahlung gibt, dem winken „Umtauschprämien, Leasingangebote oder Rabatte der Fahrzeughersteller“. Für weitere Fragen sind im Briefkopf die Kontaktdaten von BMW, Daimler und VW mit Hotlines abgedruckt. „Unverschämt!“, findet Kleeblatt. „Eine öffentliche Institution macht Werbung für die Autoindustrie, die der Verursacher des Problems ist.“ Ein Umtausch könnten sich viele Leute gar nicht leisten. „Mein Freund fährt einen zehn Jahre alten Mercedes, den er vor zwei Jahren für 8000 Euro günstig gekauft hat. Das Geld hat er sich mühsam zusammengespart.“

Kritik kommt auch vom ADAC: Wegen der Kontaktdaten zu deutschen Herstellern sei keine „neutrale Beratung“ gewährleistet. Das führe „bei vielen Empfängern zu erheblichen Irritationen“, schreibt der Autofahrerverein an das KBA. Verbraucherzentralen bemängeln, dass die Hinweise auf die „Umtauschaktion“ die „nötige Distanz zur Industrie vermissen“ ließen.

Ministerium verweist auf Passus

Das Bundesverkehrministerium verteidigt den Brief dagegen als „reines Informationsschreiben“ und verweist auf einen Passus, demzufolge sich die Halter auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen informieren könnten. Für ihren Freund sei ein Umtausch aber keine Option, hält Kleeblatt dagegen. Sie vermisst das Angebot von Alternativen – wie etwa Hardware-Nachrüstung. „Davon steht gar nichts in dem Brief“, sagt sie. 

Auf tz-Anfrage teilt das Ministerium mit, dass die „Rahmenbedingungen für Hardware-Nachrüstungen einschließlich der technischen Anforderungen“ derzeit ausgearbeitet würden und Ende des Jahres vorliegen sollen. Die Hersteller seien gefordert, „wirksame Nachrüst-Systeme“ vorzulegen, mit denen auch alle Grenzwerte und alle Vorschriften eingehalten werden.

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