Proteste in Attaching

Seehofer stellt sich 2000 Startbahn-Gegnern

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2000 Demonstranten waren am Donnerstag in Attaching.

München - Die kleine Gemeinde Attaching wehrt sich gegen die Auflösung durch die 3. Startbahn des Münchner Flughafens. Am Donnerstag kam CSU-Chef Horst Seehofer zu Besuch.

Seit Jahren tobt ein Kampf um die 3. Startbahn des Münchner Flughafens. Mittendrin: die ehemalige Gemeinde Attaching (rund 1000 Einwohner) – jener Teil ­Freisings, den es nach einem Startbahn-Bau wohl nicht mehr geben wird. Am Donnerstag machte Ministerpräsident Horst Seehofer hier einen Stopp, um sich die Ängste und Sorgen der Bevölkerung anzuhören. Empfangen wurde er laut Polizei von 2000 Menschen.

CSU-Chef Horst Seehofer zeigte Verständnis für die Bürger.

„Mia woin an Himme ohne Höllenlärm“ war auf einem Plakat zu lesen. Im Nieselregen warteten die Einheimischen auf ihren Ministerpräsidenten. Mit 40 Minuten Verspätung traf er ein. Als Seehofer aus dem Auto steigt, stimmen die Menschen die Bayernhymne an. Offenbar mit Wirkung: Der Ministerpräsident macht den Gegnern Mut: „ Eure Argumente sind stark!“ Für ihn zähle das Argument mehr als die „Stärke der Lobbyisten“. Vereinzeltes Klatschen.

Seehofer hat noch mehr warme Worte: „Wenn ich auf die Flugbewegungen schaue, kann man sehen, dass sich die Notwendigkeit einer 3. Startbahn nicht ergibt.“ Tosender Applaus. Die Befürworter müssten jetzt Fakten und Argumente liefern, so Seehofer. Entscheidung wirklich schon gefallen? Wohl noch nicht ganz.

Der Ministerpräsident versprach den Menschen, dass er „eine objektive Abwägung“ vornehmen werde. In drei bis vier Wochen wolle er einen Vorschlag machen. „Aber noch 2015 möchte ich für alle Beteiligten Klarheit!“ Die verlangen besonders die Startbahn-Gegner.

Kämpfe für meine Enkel

Helga Widhopf (68), Rentnerin aus Pulling.

Vor 23 Jahren wurden Lärmschutzfenster bei uns eingebaut, die dichten sehr gut ab, deswegen brauchen wir auch einen Lüfter im Haus. Diese Lüfter haben eingebaute Filter, einen solchen habe ich dem Herrn Seehofer mitgebracht: Der Filter ist nach wenigen Monaten schwarz! Ich kämpfe dafür, dass auch meine Kinder und Enkel in Pulling noch eine Heimat haben.

Schaut gut aus

Oswald Rottmann (66), Rentner aus Freising

Das größte Problem sind die Abgase. Noch hält sich die Belastung in Grenzen, wenn die 3. Startbahn aber kommt sind auch wir bei Ostwind stark betroffen. Von den ultrafeinen Partikeln gar nicht zu sprechen... Seehofers Worte interpretiere ich so: Es schaut gut für uns aus!

Das ist nicht auszuhalten

Katharina Spitzenberger (59), Hausfrau aus Attaching

Ich wohne mitten in Attaching, die neue Piste verliefe 200 Meter entfernt. 400 Flieger am Tag, die landen. Und 80, die direkt über dem Haus starten. Wer hält so was aus? Sollte die Startbahn kommen, macht uns das kaputt. Und dennoch, Seehofers Worte heute klangen positiv. Zu sehr freuen will ich mich nicht – die Enttäuschung wäre zu groß, wenn es doch anders kommt.

Krebsgefahr!

Margarethe Stadlbauer (29), Kauffrau aus Fahrenzhausen

Mich treiben zwei Aspekte hierher, der wirtschaftliche und der gesundheitliche. Ich bin kein Flughafengegner, aber die neue Piste braucht es nicht. Unsere Region besitzt such so genug Wirtschaftskraft. Wachstum darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen. Der Hausarzt im Dorf sagt, dass die Krebsrate durch den Flughafen gestiegen ist.

Sie wollen uns wegkaufen

Waltraud Beck (65), Selbstständige aus Attaching

Die Situation ist schon jetzt eine Katastrophe: Der Teich im Garten leuchtet grün, rot und blau, der Swimmingpool ist verschmutzt, die weiße Wäsche auf der Leine ist bald wieder schwarz. Schuld daran sind die Abgase. Der Flughafen möchte uns wegkaufen, aber das angebotene Geld reicht nicht für etwas Neues!

Tobias Scharnagl

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