Münchner Umzugshelfer für den Berliner Airport

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Insgesamt 18 000 ­Koffer kommen in den letzten Wochen zum Trainings-Einsatz in ­Berlin.

München - Die Münchner Umzugshelfer bringen den Airport in Berlin auf Vordermann. Die Erdinger Experten machen die Hauptstadt über Nacht abflugbereit.

Alexander Larisch war schon beim Umzug des Flughafens in Bangkok, Singapur und Dubai dabei. Er erinnert sich an Moskau und Delhi, doch die größte Herausforderung wartet nun in Berlin auf ihn. Er gehört zum Spezialteam der Flughafen München GmbH (FMG), das eine Weltneuheit meistern wird: Aus zweimal alt, mach’ einmal neu.

In der Nacht zum 3. Juni werden die beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld mit ihren 20 000 Mitarbeitern fusionieren und als neuer Flughafen Berlin-Brandenburg BER in neue Gebäude einziehen, berichtet der Erdinger Anzeiger.

Umzug in der Nacht? Das klappte in München vor 20 Jahren hervorragend – und so gelten die Münchner seitdem als Umzugsexperten, werden weltweit um Rat gefragt. 20 Projekte waren es seitdem, Jahresumsatz zehn Millionen Euro. Jetzt wartet wieder richtig Arbeit auf das 13-köpfige Team, das mit den Berliner Kollegen nicht nur den Umzug, sondern auch die Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens koordinieren soll. 10 000 Komparsen spielen an 50 Tagen Reisende. Heute ist der 43. Probelauf, und es wird wieder nicht alles glatt laufen.

Das ist auch Christoph Aumüller klar, der die Freiwilligen einweist. 250 Männer und Frauen sollen diesmal 1100 Check-In-Vorgänge üben – und Geduld mit dem Personal haben, das schließlich auch erst mit den neuen Gerätschaften trainieren muss.

Der 51-jährige Musiker Nigel Shore zählt zu den Menschen, die sich unentgeltlich als Komparsen zur Verfügung gestellt haben. Erster Eindruck: „Die Fußwege erscheinen mir zu lang.“ Die Beamtin Stefanie Röchlitz dagegen schwärmt: „Ein richtig schöner Hauptstadtflughafen“, der für 27 Millionen Passagiere im Jahr Platz hat und bei Bedarf für bis zu 45 Millionen Passagiere ausgebaut werden kann. Der Airport ist nach dem Muster des Terminal 2 im Erdinger Moos konzipiert. Nicht ganz so lang und nicht ganz so luxuriös. Im Pier, das zu den Billigfliegern führt, gibt es etwa keine Laufbänder.

Der Sicherheitsbereich ist noch nicht abgetrennt, die Beschilderung noch provisorisch. Selbst die Profis haben auf der derzeit größten Flughafen-Baustelle Europas Probleme. Olaf Wiese, Pressesprecher der Bundespolizei, hat sich schon zweimal verlaufen.

Der Weg in der Nacht vom 2. auf 3. Juni ist dagegen klar. Von 22 bis 3 Uhr wird die Stadtautobahn gesperrt sein. Dann werden 600 Transporter die 35 Kilometer mit ihren 33 Brücken und Tunnelbauwerken zwischen Tegel und dem neuen Airport zurücklegen, zudem wird das Equipment aus dem alten Flughafen-Schönefeld herangekarrt. 1400 Transporte werden zuvor schon über die Bühne gehen. 80 umzugsrelevante Gebäude müssen umgezogen werden, dazu 190 Flughafennutzer vom Dönerstand bis zum Flugzeug-Abfertiger Globeground mit 60 Tonnen schweren Flugzeugschleppern.

Seit zweieinhalb Jahren plant unser Münchner Umzugs-Experte Alexander Larisch die Nacht X. Danach wird der 37-jährige gelernte Speditionskaufmann, dessen Münchner Expertenteam derzeit auch in Oman und Qatar tätig ist, zum nächsten Großprojekt weiterziehen. Es könnte Abu Dhabi sein. Larisch wird dann eben dort hinziehen, mit seiner Frau. „Die findet Flughäfen übrigens doof“, sagt er.

Dieter Priglmeir

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