Diskussion um Foodtruck in der Murnauer Bucht

„Halten Sie die Luft an“: Zoff im Ausschuss wegen Gastro am See

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Bleibt heuer leer: Die Stelle in der Murnauer Bucht, wo früher das Platzl am See beheimatet war.

Es war zu erwarten: Im Hauptausschuss ging es am Mittwochabend in Sachen Gastro-Angebot in der Murnauer Bucht richtig rund. Ergebnis: Es wird heuer auf die Aufstellung eines Foodtrucks verzichtet.

Murnau - Eigentlich geht es um nichts Weltbewegendes. Doch die Debatte um das Gastro-Angebot in der Murnauer Bucht gewann in der vergangenen Woche eine ziemliche Dynamik und Brisanz. Dies lag vor allem daran, dass der Rosenheimer Foodtruck-Betreiber Özgür Bilge das Handtuch warf, nachdem er nach eigenen Angaben mit rassistischen Äußerungen konfrontiert worden war. Nun standen die Mitglieder des Hauptausschusses am Mittwochabend vor der Frage, wie mit der Angelegenheit weiter umgegangen werden soll. Zunächst verurteilte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nochmals die Angriffe auf Bilge. Die Vorgänge der vergangenen Woche seien „kein Ruhmesblatt für den Markt“. Beuting kritisierte, dass „wahrscheinlich mit Vorsatz“ Dinge aus nicht öffentlicher Sitzung in die Öffentlichkeit getragen worden seien, „um den Beschluss eines demokratischen Gremiums zu hintertreiben“. Sollte bekannt werden, wer das war, will der Bürgermeister dem Gemeinderat Ordnungsmaßnahmen vorschlagen. Zur Erklärung: Der Bauausschuss hatte beschlossen, den besagten Foodtruck von auswärts anrollen zu lassen, nachdem aus einem Container als Übergangslösung nichts wurde. Der bisherige Platzl-Pächter Kurt Höller ging leer aus. Dies wurde von verschiedenen Seiten massiv kritisiert. 

Beuting riet Bilge jedenfalls, Anzeige zu erstatten. „So etwas darf nicht ungestraft vonstatten gehen.“ Der Rathauschef verwahrte sich auch erneut gegen Vorwürfe, die CSU-Rat Josef Bierling im Vorfeld getätigt hatte. Dieser hatte unter anderem erklärt, es sei „beschämend für die Gemeindeverwaltung, dass man regelrecht verschlafen“ habe, die beschlossene Containerlösung rechtzeitig auf den Weg zu bringen. Im Hauptausschuss sagte Bierling, dass sich die Gemeinde an den bisherigen Platzl-Pächter hätte wenden und diesen fragen sollen, ob er eine Idee hätte. Die ganze Vorgehensweise missfiel dem CSU-Mann. „Wir haben Fachkräfte hier vor Ort.“ Ins selbe Horn stieß Bierlings Fraktionskollegin Regina Samm. „Man sollte erst einmal auf die eigenen Leute schauen, bevor man jemanden von außen hinzuzieht.“ Worauf Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) entgegnete: „So argumentiert Trump auch.“ Und weiter: „Wir leben in der EU.“ 

Sich bei der Platzl-Frage auf Murnauer Gastronomen zu beschränken, „geht nicht. Das ist doch Dorfpolitik hoch drei“, betonte Manlik. Man nehme in solchen Fällen einfach das wirtschaftlichste Angebot. In Wallung geriet auch Vizebürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler). In Bierlings Richtung giftete sie: „Sie brauchen sich nicht aufs hohe Ross zu setzen.“ Bierling möge „mal die Luft anhalten“. Dieser stelle sich als „Retter der Gemeinde Murnau hin. Das sind Sie sicher nicht“. Auch Samm und Beuting zankten sich. Die CSU-Rätin war kurz zuvor als Tourismusreferentin zurückgetreten. 

Auslöser war der Foodtruck-Streit. Sie fühlte sich jedoch generell übergangen und zu wenig beteiligt. Beuting wies diesen Vorwurf als „falsch“ und „substanzlos“ zurück. Samm beharrte auf ihrem Standpunkt: „Eingebunden bin ich hier nicht, und von Ihnen schon gar nicht.“ Beuting hingegen bedauerte, dass Samm „bei wesentlichen Dingen“ wie der Entwicklung des touristischen Leitbilds nicht dabei gewesen sei. „Da war ich leider krank“, erklärte Samm dazu. Beuting: „Das wäre auch schriftlich gegangen.“ Aus Sicht von Grünen-Rätin Veronika Jones ist der Foodtruck-Streit ein „Lehrstück eines Kasperltheaters“. Und Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) vertrat die Ansicht, dass die Emotionen „in keinem Verhältnis“ zu dem stünden, „worüber wir hier diskutieren“. Am Ende beschloss der Hauptausschuss einstimmig, heuer auf die Aufstellung eines Foodtrucks zu verzichten. Auf die umliegenden Gastro-Angebote soll hingewiesen werden. Der Vorschlag, weiterhin einen Foodtruck-Betreiber zu suchen, fand keine Anhänger. Die Debatte wurde dann hinter verschlossenen Türen noch fortgesetzt.

Roland Lory

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