Gastronom schockiert

Foodtruck-Streit wird unappetitlich: Er erlebt den blanken Horror

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Hat sich auf das boomende Foodtruck-Geschäft spezialisiert: der Rosenheimer Gastronom Özgür Bilge. 

Der Hickhack um einen geplanten Foodtruck in der Murnauer Bucht hat sich zum Eklat ausgeweitet. Der türkischstämmige Gastronom aus Rosenheim, der den Imbisswagen betreiben sollte, wurde nach eigenen Angaben von anonymen Kritikern angefeindet und rassistisch beschimpft. Jetzt warf er entnervt das Handtuch.

Murnau – So etwas hat Özgür Bilge noch nicht erlebt: Nachdem der 40-jährige Unternehmer aus Rosenheim vom Murnauer Bauausschuss den Zuschlag erhalten hatte, für diese Saison in der Staffelsee-Bucht seinen Foodtruck aufzustellen, um kleine Gerichte an Einheimische und Urlauber zu verkaufen, erlebte er den blanken Psychoterror. Unbekannte, die anscheinend mit der politischen Entscheidung nicht einverstanden sind, hätten ihn mehrmals mit unterdrückter Nummer angerufen und verbal attackiert, berichtet er auf Tagblatt-Nachfrage.

„Die Äußerungen waren massiv. Ich habe jedesmal sofort aufgelegt“, erinnert sich Bilge. Beispielsweise sei er angeraunzt worden, was er denn in Murnau verloren habe. Er habe sich außerdem den Vorwurf anhören müssen, mit seinem Geschäft heimische Arbeitsplätze zu bedrohen. Die Tiraden gipfelten nach Angaben des gebürtigen Türken in der rassistischen Äußerung: „Scheiß Ausländer. Geh’ dorthin zurück, wo Du hergekommen bist.“ Doch damit nicht genug: Auf seiner Facebook-Seite seien von kurzfristig eingerichteten Profilen schlechte Bewertungen abgegeben worden – offenbar mit dem Ziel, seinen Ruf zu beschädigen.

Bilge, der in Deutschland aufgewachsen ist und fränkischen Dialekt spricht, zog daraufhin die Reißlinie – und sagte der Marktgemeinde per E-Mail ab. „Ich habe keine Nerven für diese Kindergarten-Spiele. Ich brauche einen freien Kopf für die Arbeit“, stellt er klar. „Das ist für mich erledigt.“ Auf eine Anzeige habe er bislang verzichtet.

Der Geschäftsmann hätte ein eigenes Konzept für Murnau gehabt – mit regionalen Produkten. Zudem hätte er eine Pacht an die Kommune gezahlt und die Nebenkosten übernommen. Anderswo kämen seine Kreationen sehr gut an, betont er. Der Gastronom betreibt unter dem Firmennamen „Geschmackssache“ zwei Imbisswagen.

Das Thema Foodtruck kocht in Murnau seit einiger Zeit mächtig hoch. Wie berichtet, musste das beliebte „Platzl am See“, ein Kiosk mit Biergarten in bester Lage am Staffelsee, aus baulichen und hygienischen Gründen abgerissen werden. Aus einem aufgehübschten Küchencontainer als Übergangslösung wird heuer nichts mehr. Also beschloss der Bauausschuss, den besagten Foodtruck von auswärts anrollen zu lassen – eine Entscheidung, die von verschiedenen Seiten scharf kritisiert wird. Der ehemalige Platzl-Pächter Kurt Höller, der ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen hatte, kam nicht zum Zug.

Im Rathaus ist man empört über das, was Bilge zugestoßen ist: „Egal, wie man zu dem Thema Foodtruck auch stehen mag: Was überhaupt nicht geht, ist einen Betreiber durch Drohungen und rassistische Äußerungen einzuschüchtern und zu beschimpfen“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in einer Stellungnahme. Und weiter: „Wer immer diese Hatz gegen einen auswärtigen Unternehmer angezettelt hat, dem sage ich ganz deutlich, dass man mit so einem Verhalten definitiv nicht zu Murnau gehört. Hier wurde ein Unternehmer zum Sündenbock gemacht. So ein Vorgehen ist verabscheuungswürdig.“ Und wie geht es nun weiter? Die Rathaus- Verwaltung will dem Hauptausschuss vorschlagen, mittels einer weiteren Ausschreibung einen neuen Betreiber für einen Foodtruck in der Bucht zu suchen.

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