Sie weinte vor Gericht

Mutter des Messerstechers von Grafing: „Das wird nicht mehr gut“

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Der Messerstecher von Grafing, Paul H., vor Gericht. 

Im Prozess gegen den Messerstecher von Grafing, der im Mai 2016 einen Menschen tötete, sagte nun seine Mutter aus. 

Grafing/München– Immer wieder bricht Erika B. (Name geändert) während ihrer Aussage vor dem Landgerichtin Tränen aus. Etwa an der Stelle, an der sie erzählt, wie sie von ihrem Mann erfuhr, dass ihr Sohn Paul H. in Grafing Bahnhof (Kreis Ebersberg) einen 56-Jährigen erstochen und drei weitere schwer verletzt hat. Zwei Monate war die 50-jährige Erzieherin danach krankgeschrieben. Dann wollte sie gerne wieder arbeiten gehen, aber sie habe es nur zwei Wochen geschafft. „Das wird nicht mehr gut“, sagt sie, schüttelt den Kopf und weint.

Er war nicht mehr zurechnungsfähig

Der 28-jährige Schreiner Paul H. hatte schon lange schwere psychische Probleme, erinnert sich die Mutter. Er habe zwischen Depression und Manie hin und her geschwankt – mal niedergeschlagen, mal völlig überdreht. Dann kamen die Verschwörungstheorien. Er fühlte sich von Islamisten verfolgt und fürchtete, getötet zu werden. Er sprach dauernd davon, schickte ihr Whatsapp-Nachrichten mit den wirren Vorstellungen. „Er war damals schon nicht zurechnungsfähig.“ Sie habe ihn nicht mehr wiedererkannt, er sei „wie ein Fremder“ gewesen. „Im Nachhinein ist klar, dass das alles Vorzeichen waren“, sagt die Mutter. Sie macht sich selbst Vorwürfe, überlege oft, was sie hätte anders machen können.

Spurensicherung nach dem Blutbad in Grafing. 

Als Paul H. wieder einmal durchdrehte, weil angeblich Leute hinter ihm her gewesen seien, rief sie die Polizei. Sie sagte damals zu ihrem Mann, Pauls Stiefvater: „Ich denke, der ist tatsächlich verrückt geworden.“ Die Familie bat die Polizei, ihn mitzunehmen. Doch diese weigerte sich, weil er weder gewalttätig noch suizidal war. Deshalb brachte ihn die Familie selbst in die Psychiatrie in Gießen.

Sein Wahn kostete einen Unbeteiligten das Leben

Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Paul H., der auch durch Drogen- und Alkoholmissbrauch geschädigt ist, hörte in seinem Wahn Stimmen von Flüchtlingen, die zum Heiligen Krieg aufriefen. Er befürchtete, dass sie ganz Deutschland ausrotten wollten. Deshalb floh er und steuerte die Azoren an, wo er als Kind eine schöne Zeit mit seinem Opa verbracht hatte. Durch Zufall landete er in Grafing – und sah seine einzige Möglichkeit zu überleben darin, Allah „ein Menschenopfer“ zu bringen. Er richtete ein Blutbad an, das einen völlig unbeteiligten Passanten das Leben kostete. Der Prozess dauert an.

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