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„Habe einfach nur Pech“: Junge Mutter leidet an aggressiver Multipler Sklerose - und hat letzte Hoffnung

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Von: Markus Schwarzkugler

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Einfach nur so viel glückliche Zeit wie möglich will Vanessa Fleischer mit ihrer kleinen Tochter Emilia verbringen.
Einfach nur so viel glückliche Zeit wie möglich will Vanessa Fleischer mit ihrer kleinen Tochter Emilia verbringen. F.: Privat Auch ihr Mann hat die Krankheit „Noch lange fit sein für unsere Maus“ © privat

Vanessa Fleischer (29) leidet an einer extrem aggressiven Form Multipler Sklerose. Die letzte Hoffnung der Mutter einer einjährigen Tochter: eine neue Therapie. Doch dafür braucht sie Spenden.

Eitting – Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) ist für jeden ein Schock, der mit ihr konfrontiert ist. Doch oft bleiben einem – im Gegensatz zu anderen das Nervensystem betreffenden Erkrankungen – noch Jahrzehnte zu leben, die Symptome halten sich lange zurück. Im Fall der Eittingerin Vanessa Fleischer allerdings zeigt die MS, die aus gutem Grund als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet wird, ihre hässlichste Fratze.

Der Zustand der gerade mal 29-jährigen, verheirateten Mutter einer einjährigen Tochter hat sich in kurzer Zeit drastisch verschlechtert. Ihre letzte Hoffnung ist eine noch recht neue Stammzellentransplantation, die die Krankenkasse nicht bezahlt. Dafür braucht Fleischer 50.000 Euro. Vor ein paar Tagen hat sie nun eine Crowdfunding-Aktion gestartet, bei der jeder spenden kann. Sie läuft vier Wochen lang. Stand Freitagmittag sind rund 6000 Euro zusammengekommen.

Junge Mutter leidet an MS: Zustand in kurzer Zeit dramatisch verschlechtert

Im Jahr 2017 wird die Welt der Mittzwanzigerin aus den Angeln gehoben. „Ich merkte auf längeren Gehstrecken, dass ich meine Beine immer schwerer heben konnte“, blickt Fleischer zurück. Ein Neurologe stellt die schlimme Diagnose, nach der es rapide bergab geht. 2018 erlebt Fleischer heftige Schübe, die Augen sind betroffen, sie hat arge Nervenschmerzen.

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Vor rund zwei Jahren wird sie schwanger. „Eigentlich heißt es, dass während der Schwangerschaft die MS ruht.“ Doch bei ihr verschlimmert sich gerade durch die Schwangerschaft ihr Zustand weiter. Rollstuhl und Rollator sind ihre ständigen Begleiter. Und selbst mit dem Rollator schafft sie gerade mal 100 Meter, bevor ihr Körper völlig erschöpft ist. Den ungewöhnlich schweren Krankheitsverlauf können sich selbst ihre Ärzte nicht erklären. „Ich habe einfach nur Pech“, stellt Fleischer nüchtern fest.

Doppelt tragisch: Auch Mann von junger Mutter hat MS

Nicht so gnadenlos rapide verläuft die MS bei ihrem Mann Andreas, den sie während der Behandlung im Krankenhaus kennengelernt hat. „Er leidet vor allem an extremer Erschöpfung, dem Fatigue-Syndrom, und an Nervenschmerzen“, berichtet seine Ehefrau, die als Assistentin bei Bosch arbeitet, derzeit in Elternzeit ist und hofft, Ende des Jahres trotz allem wieder arbeiten zu können – im Homeoffice. Ihr Mann ist Schlosser, wegen seiner MS allerdings im Krankenstand.

Die tragische Geschichte der jungen Eittingerin hat noch eine weitere Episode: Vor zwei Jahren stirbt ihr Vater Jens mit 51. Mit ihrem Mann und ihrer Mutter Arlette zieht sie daraufhin von München in eine Doppelhaushälfte mit Einliegerwohnung nach Eitting. Vor gut einem Jahr kommt Töchterchen Emilia zur Welt.

Junge Frau leidet unter MS: Ohne Rollator und Rollstuhl geht‘s nicht mehr

Doch wegen der Schwangerschaft baut sie eben auch immer weiter ab. Ihre Erdinger Neurologin rät ihr zu einer noch recht neuen Form der Stammzellentransplantation, die nur bei besonders schweren Verläufen am Uni-Klinikum in Hamburg durchgeführt wird. „Ich kriege ja jetzt schon das stärkste Medikament“, sagt Fleischer. Und auch das helfe eben nur wenig. „Die neue Therapie würde mir zu 70 Prozent versprechen, die MS zu stoppen, damit sie nicht noch schlimmer wird“, sagt sie.

In Deutschland hätten erst 25 Patienten an dieser Art Pilotversuch teilgenommen. Die Krankenkassen stellten sich noch quer, während die Therapie etwa in der Schweiz bereits bezahlt werde. Sie könne zwar vor Gericht ziehen und das Geld einfordern, doch das koste sie Jahre – „Zeit, die ich nicht mehr habe.“ Bei 2000 Euro Miete im Monat bleibe kein Spielraum, Geld auf die Seite zu legen.

Stammzellen-Therapie bei MS: Hilfe durch Freunde und Bekannte

Bei der Therapie werden Stammzellen entnommen und gereinigt, „also wieder gesund gemacht“, wie Fleischer erklärt. Die folgende Chemotherapie setzt ihr Immunsystem auf Null, woraufhin ihr ihre gereinigten Zellen wieder eingesetzt werden und sich ein gesundes Immunsystem aufbauen soll. „Ich habe die große Hoffnung, damit dann noch lange genug fit zu sein – für unsere kleine Maus“, sagt Fleischer kämpferisch. Viele Freunde und Bekannte hätten ihre Crowdfunding-Aktion bereits verbreitet. Dankbar sagt sie: „Jeder Euro bringt mich näher an mein Ziel und schenkt mir weitere mobile Zeit mit meiner Familie.“

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