Er handelte grob rücksichtslos

Mutter tot: Haft für Kolonnenspringer

Der Mercedes des 33-jährigen Unfallverursachers.

Altomünster - Bislang war Thomas G. nie wegen Verkehrsdelikten angeklagt worden. Aber jetzt ist er nach dem Tod einer Mutter zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Er hatte nicht getrunken, keine Drogen genommen und war zuvor nie wegen Verkehrsdelikten in Erscheinung getreten. Und doch muss Thomas G. (34) aus der Gemeinde Altomünster ins Gefängnis – weil er einen Unfall verursachte, bei dem eine dreifache Mutter starb.

Rückblick: Es ist der 18. November 2015. Es dämmert. Dem Mercedesfahrer geht es nicht schnell genug. In der Ortschaft Pipinsried hängt er hinter zwei Autos fest. Gleich nach dem Ortsschild gibt der Mann am Steuer seines 270 PS starken Boliden Gas, überholt nach einer Kuppe erst einen Audi, will dann in einer Rechtskurve noch an einem BMW vorbei.

Ein fataler Fehler! Sein Auto rammt frontal den entgegenkommenden 1er BMW der dreifachen Mutter Sabine G. (44) aus Tandern. Neben ihr sitzt ihr zwölfjähriger Sohn. Der Aufprall ist gewaltig, beide Autos werden viele Meter weit geschleudert. Der Bub und der Unfallfahrer können sich aus den Wracks befreien. Sabine G. jedoch ist in ihrem völlig zerstörten BMW eingeklemmt. Die Rettungskräfte verlieren das Rennen gegen die Zeit. Die Frau stirbt noch an der Unfallstelle.

Fast drei Stunden dauerte die Verhandlung

Fast drei Stunden dauerte am gestrigen Donnerstag die Verhandlung am Amtsgericht Dachau. „Ich würde so gern den Platz tauschen mit der Frau“, sagt der Angeklagte, er entschuldigt sich. Vielen Angehörigen im Zuschauerbereich kommen die Tränen, berichten die Dachauer Nachrichten.

Der Verteidiger des Angeklagten plädiert auf eine Bewährungsstrafe, spricht von einem „Augenblicksversagen“. Richter Bauer aber teilt weitgehend die Meinung der Staatsanwältin. Für beide steht fest: Der Angeklagte handelte an jenem November­abend grob rücksichtslos. „Sie hätten an dieser Stelle niemals überholen dürfen, die Frau hatte nicht den Hauch einer Chance“, fasste Richter Bauer zusammen.

Eine Bewährung kam nicht infrage

Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Eine Bewährung kam angesichts der Umstände nicht infrage. „Es ist ein großes Glück, dass der Bub nicht schwerer körperlich verletzt wurde“, sagt der Richter am Ende seiner Urteilsbegründung, „die psychischen Folgen für das Kind kann sich jeder ausmalen.“

Auch der Mann der Getöteten leidet schwer. Damals war er auf der Suche nach seiner Frau und dem Sohn gewesen – und kam an die Unfallstelle. Mit einem schweren Schock wurde er ins Krankenhaus eingeliefert.

Thomas Leichsenring

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