Sie lebte tagelang mit der Leiche

Muttermord: Lebenslang gefordert

Unterhaching – Lebenslange Haft plus besondere Schwere der Schuld: Geht es nach Staatsanwältin Nicole Selzam muss Christine K. (41), die vor einem Jahr ihre Mutter (70) erdrosselte und dann noch tagelang mit der Leiche in der Wohnung in Unterhaching (Kreis München) lebte, mehr als die üblichen 15 Jahre hinter Gitter.

In ihrem Plädoyer gestern vor dem Schwurgericht München I ließ die Staatsanwältin keinen Zweifel an der These, dass der gescheiterte Kauf eines Mittagessens alleiniger Anlass für die Tat war.

Die Angeklagte atmete anschließend schwer durch, und ihre Verteidigerin Garina Hamel fasste die Gedanken in Worte, die der 41-Jährige durch den Kopf schossen. Sie hatte ihre Mutter erdrosselt, weil sie sich anschließend selber umbringen wollte. Die Mutter sollte nicht alleine bleiben, das hatte sie der Rentnerin immer versprochen. „Es ist mir egal, wie lange Sie mich wegsperren“, sagte die Angeklagte später mit ihrer dunklen Stimme, „wichtig sind mir nur die Gründe“, fügte sie hinzu. Es sei lediglich um dieses Versprechen gegangen, „die Hühnchenflügel waren nicht ausschlaggebend. Meine Mutter hätte nicht geschimpft“, erklärte sie in ihrem letzten Wort.

Das hatte die Staatsanwältin ganz anders gesehen. Der Kauf des Mittagessens, der aus Geldmangel am Tattag scheiterte, war demzufolge der Auslöser für alles. Die Scham darüber und die Schmach, wieder als Versagerin dazustehen, führten zu der Tat. Sie war geplant und wurde nicht situativ begangen. Grund genug für die Staatsanwältin, auf die besondere Schwere der Schuld zu plädieren, welche die bedingte Haftentlassung nach 15 Jahren verhindern würde.

Verteidigerin Hamel stufte die Tat als Totschlag ein und forderte die Verhängung einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe: „Meine Mandantin muss mit dieser Schuld leben, sie hat die für sie wichtigste Person verloren.“ Das Urteil soll heute gesprochen werden.

Angela Walser

Rubriklistenbild: © Reinhard Kurzendörfer

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