Aus dem Gerichtssaal

Nach Ausraster in der Kneipe: Bewährung für Tritte gegen den Kopf

Weil er in einem Brucker Lokal komplett ausgerastet ist, hat sich ein 21-Jähriger aus dem westlichen Landkreis jetzt vor dem Brucker Amtsgericht verantworten müssen. Die Anschuldigungen wogen schwer.

Landkreis – Nach Überzeugung des Richters hat der junge Mann an jenem frühen Augustmorgen nicht nur zugeschlagen, sondern auch mehrmals zugetreten – unter anderem gegen den Kopf seines Opfers. Dieses erlitt neben einem blauen Auge diverse Prellungen und Schürfwunden. Der Richter verurteilte den 21-Jährigen zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe. Zudem muss der Angeklagte seinem 30-jährigen Opfer 1200 Euro Schmerzensgeld bezahlen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Schläger hatte an dem Abend anlässlich der Geburtstagfeier einer Bekannten in dem Brucker Lokal tief ins Glas geschaut. Sieben bis acht Cuba Libre habe er im Laufe des Abends getrunken, vermutet er. Das ließ den Richter zum Taschenrechner greifen, um die Alkoholisierung des Angeklagten zu errechnen. Für den Juristen stand fest, dass die Erinnerung den Angeklagten trüben musste. Denn hätte er diese Menge getrunken, hätte er 5,8 Promille Alkohol im Blut haben und auf der Intensivstation liegen müssen.

Das Opfer selber hatte nicht gesehen, wer ihn getreten hatte

Fest stand aber, dass der junge Mann betrunken war, als er mit dem Begleiter seines späteren Opfers, ins Gespräch kam. Zunächst hatten die beiden sich gut unterhalten. Doch dann kippte plötzlich die Stimmung und der Angeklagte forderte seinen Gesprächspartner dazu auf, das Lokal zu verlassen, denn er sei zu der Geburtstagsfeier nicht eingeladen gewesen. Doch der 30-Jährige wollte zuvor sein Bier austrinken. Der 21-Jährige aber schubste ihn Richtung Ausgang, der Brucker wiederum wich Richtung Toilette aus und stand letztlich in deren Vorraum, drei Männer, darunter der Angeklagte, vor sich.

Sein Freund kam dazu, wollte ihm beistehen und erhielt als Antwort auf seine Bitte „lasst meinen Kumpel raus“ von dem 21-Jährigen die Faust aufs linke Auge. Er fiel zu Boden und mehrere Tritte folgten. Das Opfer selber hatte nicht gesehen, wer ihn getreten hatte, vermutete aber, dass es der Angeklagte war, denn ansonsten war ihm niemand nahe. Der 21-Jährige räumte zwar den Faustschlag aufs Auge ein, bestritt aber, zugetreten zu haben. Er sei vielmehr gemeinsam mit seinem Opfer zu Boden gefallen. Zugetreten haben müssten die beiden weiteren Männer, die er aber nicht kannte und deren Namen er nicht habe herausfinden können.

Sein Rechtsanwalt machte sich daher auch lediglich für eine Verurteilung seines Mandanten zu einer Geldstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung stark. Doch der Freund des Geschlagenen und Getretenen hatte gesehen, dass der Angeklagte auch zugetreten hatte. Die Staatsanwältin und der Richter hatten an dessen Aussage keinerlei Zweifel. „Für mich steht fest, dass der Angeklagte nicht nur mit der Faust zugeschlagen, sondern auch getreten hat“, betonte der Richter in seiner Urteilsbegründung und verurteilte den 21-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Denn Tritte an Kopf und Körper können lebensgefährliche Folgen haben, betonte er. (sus)

Rubriklistenbild: © dpa

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