Nach Badeunfall im Rollstuhl - Kasse zahlt Therapie nicht

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Ein Badeunfall hat sein Leben auf den Kopf gestellt: Samuel will sich in die Normalität zurückkämpfen.

Herrsching - Der 20-jährige Herrschinger ist nach einem Badeunfall querschnittsgelähmt. Seine Hoffnung, wieder auf die Beine zu kommen, ist eine Therapie in Pforzheim. Das Problem: Die Kassen zahlen diese Behandlung nicht.

Der 20-jährige Samuel sitzt im Rollstuhl - aber er lebt. Gäbe es das geflügelte Wort vom Glück im Unglück noch nicht, man müsste es für ihn erfinden: Anfang Juli hat er sich bei einem Badeunfall auf Sansibar den fünften Halswirbel gebrochen, er trieb gelähmt und mit dem Gesicht nach unten im Wasser. Einer Reihe von glücklichen Umständen verdankt er sein Leben und die Tatsache, dass er kurz vor Weihnachten die Unfallklinik in Murnau verlassen durfte. Dort war er fünf Monate lang stationär behandelt worden. Jetzt möchte er eine neuartige Therapie in Pforzheim machen und möglichst viel Selbstständigkeit zurückerlangen. Weil die Krankenkasse die Kosten nicht oder nur teilweise übernimmt, braucht Samuel viel Geld: um die 50.000 Euro.

Samuel hatte seinen Zivildienst in einem Waisenhaus in Uganda absolviert, zum Abschluss reiste er mit zwei Freunden durch Afrika. Seinen Geburtstag verbrachte er auf Sansibar am Meer. Im bauchtiefen Wasser machte er einen vermeintlich flachen Hechtsprung, dabei brach er sich einen Halswirbel. Kein gewagtes Kunststück, kein gefährlicher Extremsport also. „Das macht man doch einfach so“, sagt Samuel rückblickend. Burschen in seinem Alter machen noch ganz andere Sachen „einfach so“ und meistens passiert ihnen nichts.

Hätte Samuel nicht kurz vorher mit einigen Einheimischen gesprochen, die ihn wohl noch beobachteten, als er ins Wasser ging, wäre er unweigerlich ertrunken. So aber wurde er an Land gezogen. Am Strand war zufällig ein Arzt, der den Ernst der Lage erkannte und einen Hubschrauber aus einem Hotel auf dem Festland in Tansania orderte. Diesem Hubschrauber wurde die außerplanmäßige Landung verweigert, aber Samuel hatte noch ein zweites Mal unvorstellbares Glück: Der Chef eines großen Handykonzerns badete am selben Strand. Er telefonierte mit dem Präsidenten von Sansibar, der daraufhin persönlich dafür sorgte, dass der Hubschrauber landen und Samuel nach einem kurzen Aufenthalt in Daressalam von den „Flying Doctors“ nach Nairobi ausgeflogen werden konnte.

In der kenianischen Metropole wiederum sorgte die Organisation ICYE, die Samuels Zivildienststelle vermittelt hatte, dafür, dass er die bestmögliche medizinische Betreuung erhielt und von einem Spezialisten operiert wurde. „Die Ärzte in Murnau haben gesagt, dass sie es nicht besser hingekriegt hätten“, sagt Samuel. Seit Ende Juli wurde er im Querschnittszentrum in Murnau behandelt, Weihnachten verbringt er bei seiner Familie zuhause, danach will er so schnell wie möglich ins „Zentrum der Rehabilitation“ nach Pforzheim.

Vor seinem Unfall hatte Samuel vor, Kognitionswissenschaften zu studieren. Das ist ein interdisziplinärer Studiengang zwischen Psychologie, Neurowissenschaft, Informatik, Linguistik, Philosophie und Soziologie, den es nur in Tübingen gibt. Studieren will er immer noch, „aber allein in Tübingen leben würde ich mir im Moment noch nicht zutrauen“. Auch sozial ist er höchst engagiert: Noch in Murnau hat er einen Vortrag über seinen Zivildienst in Uganda gehalten.

Samuel hat enorme Fortschritte gemacht. „Aber im Moment geht nichts mehr vorwärts“, sagt er. Bei einer Verletzung im oberen Halswirbelbereich zielt die klassische Kompensationstherapie darauf ab, die Muskeln zu fördern, die noch reagieren. Aktuell kann Samuel beispielsweise nur die Arme beugen, sich aber nicht abstützen. Bei einer Therapieeinheit in Pforzheim wurde Samuel sogar auf die Beine gestellt. Seither ist er überzeugt, dass viel mehr möglich wäre.

Hilfe für Samuel

Spenden Sie bitte auf das Konto des Vereins Seestern, Nr. 2 931 885, VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg (700 932 00)

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