Seit 13 Uhr Arbeit niedergelegt

Flugbegleiter-Streik: Chaos bleibt vorerst aus

Berlin - Der Flugbegleiter-Streik bei der Lufthansa hat München erreicht. Seit 13 Uhr hat das Bordpersonal die Arbeit niedergelegt. Passagiere müssen sich auf Behinderungen einstellen - auch bei der Bahn.

Die große Tafel in Terminal 2 zeigt es: Die meisten Flüge sind annuliert. Doch das große Chaos bleibt aus - vorerst. "Die meisten Flüge wurden umgebucht, viele konnten auf die Bahn umsteigen. Die Leute bekommen für gestrichene innderdeutsche Verbindungen ICE-Tickets in die Hand gedrückt", schildert eine Reporterin der tz die Situation am Flughafen München. 

"Noch sind hier nicht viele gestrandete Fluggäste. Allerdings ist der Streik auch eben erst angelaufen." Für den Abend rechne man in München mit einem größeren Andrang. Gestrandet ist die U21-Nationalmannschaft Maltas. Die jungen Spieler sind auf dem Weg zur EM-Qualifikation in die Ukraine - und sitzen jetzt fest.

Diese Flüge sind gestrichen.

Flugbegleiter der Lufthansa sind am Dienstagmittag auch auf dem Flughafen München in einen elfstündigen Streik getreten. Zum Auftakt um 13 Uhr hatten sich rund 100 Kollegen vor dem Flight-Operation-Center versammelt.

Nach Angaben der Flugbegleitergewerkschaft UFO waren im Laufe des Tages insgesamt rund 800 Flugbegleiter in München zum Dienst eingeteilt. Die Gewerkschaft rechnete damit, dass sich wie in Frankfurt am Main und Berlin bis zu 85 Prozent der Kollegen am Streik beteiligen. UFO-Chef Nicoley Baublies sprach von einer „überwältigenden Resonanz“ auf den Streikaufruf.

Bilder: Flugbegleiter-Streik am Flughafen München

Bilder: Flugbegleiter-Streik am Flughafen München

Die Kabinenbeschäftigten der Lufthansa am Standort München wollten bis 24.00 Uhr die Arbeit niederlegen. Bereits zuvor waren Beschäftigte in Berlin und Frankfurt in einen achtstündigen Ausstand getreten. Baublies kündigte in München eine Ausweitung der Streikaktionen auf weitere Flughäfen an, sollte sich die Lufthansa „nicht bewegen“. Die Flugbegleiter kämpfen für höhere Löhne und gegen den Einsatz von Leiharbeitern.

Die Lufthansa will nach Angaben eines Sprechers in München von den im Streikzeitraum geplanten 450 Flügen dennoch bis zu dreiviertel fliegen lassen. Oberste Priorität habe dabei die Abwicklung der etwa 20 geplanten Interkontinentalflüge. Zugute kommt der Fluggesellschaft in München, dass dort ungefähr die Hälfte ihres Flugaufkommens von Töchtern wie Germanwings oder Cityline abgewickelt wird, bei denen nicht gestreikt wird. Dennoch bereitet sich die Airline auch an ihrem zweitgrößten Drehkreuz auf eine massive Behinderung des Flugverkehrs vor.

Das sind die sichersten Fluglinien der Welt

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Bereits am Vormittag war München und - in geringerem Ausmaß - auch der Flughafen in Nürnberg von den Streiks in Berlin und Frankfurt betroffen. Mehrere Dutzend Flüge nach München sowie einige wenige nach Nürnberg fielen aus.

Noch keine Auswirkungen haben die Streiks bisher auf den Bahnverkehr. „Wir haben eine ganz normale Situation am Hauptbahnhof in München“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Wir sind vorbereitet, aber wir müssen abwarten, was passiert.“

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Zum Ende vergangener Woche hatten die Flugbegleiter in einer ersten Welle für acht Stunden schon einmal in Frankfurt die Arbeit niedergelegt und damit Deutschlands größten Flughafen teilweise lahmgelegt. Sollte das Unternehmen nach der zweiten Streikwelle am Dienstag bei seiner „arroganten Linie“ bleiben, machten weitere Nadelstiche voraussichtlich keinen Sinn mehr, sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies der Nachrichtenagentur dpa. Am Mittwoch sei ein flächendeckender Streik aber noch „unrealistisch“ und wegen der zu erwartenden Auswirkungen der Streikwelle vom Dienstag auch nicht notwendig. Man wolle der Lufthansa zudem Zeit für eine Reaktion geben.

Schon vor der gestaffelten Streikankündigung in der Nacht zum Dienstag hatte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels die Ufo-Streiktaktik als „sehr fluggastfeindlich“ kritisiert. Das kurze Zeitfenster von sechs Stunden lasse der Gesellschaft kaum eine Chance, die Passagiere rechtzeitig zu informieren. Die Gewerkschaft sieht dagegen eine kurzfristige Streikankündigung derzeit als einziges Mittel im Arbeitskampf mit der Lufthansa. „Wir bedauern das natürlich auf's Äußerste, dass unsere Fluggäste darunter leiden“, sagte Ufo-Sprecher Alexander Behrens der Nachrichtenagentur dpa.

Die Gewerkschaft Ufo hat in den seit 13 Monaten dauernden Verhandlungen - nach drei Jahren Nullrunden - neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz vor Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten.

Lufthansa beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 18 000 Flugbegleiter, Ufo spricht hingegen von 19 400 Arbeitnehmern. Das Unternehmen bietet bisher 3,5 Prozent mehr Gehalt sowie den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen. An den Plänen zu einer internen Billiglinie hält die Lufthansa aber fest.

Auch bei der Bahn wird es eng

Wegen des Streiks der Lufthansa-Flugbegleiter sind Reisende am Dienstag vermehrt auf Züge umgestiegen. „Wir rechnen mit einigen tausend Fahrgästen mehr“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Bei Bedarf werden wir mehr Züge auf die Reise schicken, bisher reichten die Kapazitäten noch aus.“ Mehr Reisende erwartete die Bahn auf den Hauptstrecken von und nach Berlin und Frankfurt am Main, wo Stewardessen und Stewards der Deutschen Lufthansa morgens die Arbeit niedergelegt hatten.

Auch in den Zügen von und nach München wurde mit größerer Auslastung durch Umsteiger aus dem bestreikten Flugverkehr gerechnet. In Bayerns Landeshauptstadt sollte der Ausstand der Flugbegleiter mittags beginnen. Auf den betroffenen Bahnhöfen wurde zusätzliches Personal eingesetzt, um Fahrgäste zu informieren.

Zwischen Lufthansa und der Bahn gibt es ein Kooperationsangebot namens „Good for Train“. Es soll Passagieren, deren Flüge ausfallen, unkompliziert ein Fortkommen ermöglichen. Lufthansa-Passagiere im innerdeutschen Flugverkehr können ihre Tickets demnach an Schaltern ihrer Fluggesellschaft in Reisegutscheine für die Deutsche Bahn umwandeln lassen. Elektronische Ticket können online über die Lufthansa-Internetseite oder am Check-In-Automaten umgewandelt werden. Mit den Gutscheinen darf man direkt in den Zug einsteigen. Bei internationalen Verbindungen ist es nicht ganz so einfach: In diesen Fällen müssen die Tickets in einem DB Reisezentrum gegen eine Fahrkarte eingetauscht werden.

dpa/dapd

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