Nach Brandkatastrophe: Hilfsbereitschaft wie Balsam auf der Seele

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Die Familie Rachl vor den Ruinen ihrer Stallungen (v.l.): drei Generationen Simon Rachl, Christa mit Tochter Christina und Resi Rachl.

Armstorf - An Heiligabend ist die bäuerliche Existenz der Rachls in Armstorf in Rauch und Flammen aufgegangen. Wir haben die Familie besucht.

Noch immer riecht es verbrannt auf dem Mayerhof bei Armstorf. Fast vier Wochen ist es her, dass ein Großbrand den einst stattlichen Hof in Schutt und Asche gelegt hat. 600 Schweine und zehn Rinder waren qualvoll verendet. Simon Rachl jun., seine Frau Christa und die Kinder Simon und Christina hatten Glück - ihr Wohnhaus wurde verschont. Die Eltern Simon und Resi Rachl, die gegenüber zuhause sind, mussten zum Sohn nach Armstorf ausquartiert werden. Ihr Haus wurde für unbewohnbar erklärt, zu viel Rauchschwaden waren vom angrenzenden Heuboden, der lichterloh brannte, in das Bauernhaus gezogen und hatten gefährliches Kohlenmonoxid verbreitet. Die Wände sind feucht und voller Schimmel wegen der Löscharbeiten.

Resi Rachl lebte 43 Jahre in ihrem Haus, „das schöne Gewölbe im Eingang mag ich so gern“, sagt sie wehmütig. Simon Rachl ist vor 72 Jahren auf dem Mayerhof geboren.

„Der Anblick, als ich nach der Brandnacht wieder auf den Hof kam, war das Schlimmste. Alles, was wir aufgebaut haben, war zerstört“, sagt der Landwirt. Dennoch ist die Familie Rachl auch froh. Kein Mensch ist bei dem Großbrand, der in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag durch einen technischen Defekt ausgelöst worden war, verletzt worden. Immerhin waren 250 Feuerwehrleute und unzählige freiwillige Helfer vor Ort und haben mit angepackt. „Das war natürlich teilweise auch gefährlich“, sagt Simon Rachl jun. Er hatte den Brand entdeckt, als er die Sirene im Schweinestall, die Temperaturunregelmäßigkeiten meldet, hörte und nachsah, was los ist. „Die Sirene hat uns das Leben gerettet“, sagt er.

Simon Rachl und seine Familie sind berührt und begeistert von der enormen Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft, Freunde und Bekannte. „Es war unglaublich, immer wieder kam jemand und hat uns und den Helfern etwas zu essen gebracht oder seine Hilfe angeboten“, erzählt Christina Rachl. „Das war ganz großartig, es war ja immerhin Weihnachten“, sagt auch Resi Rachl.

Beeindruckt ist die Familie vom professionellen Einsatz der Feuerwehren. „Erst wenn man das einmal miterlebt, sieht man, was die wirklich leisten“, sagt Christa Rachl. „Das ist nicht so, dass alle an einem Schlauch stehen und löschen. Da kümmert sich jeder um etwas anderes, und das hat alles reibungslos funktioniert“, betont Simon Rachl jun. Stündlich wurde am Computer überprüft, wie weit der Brand fortgeschritten ist und wie man weiter verfährt. Einem anderen kam die Idee mit dem Bauzaun, um die 150 Rinder, die Simon Rachl jun. einfach ins Freie getrieben hatte, in Schach zu halten. Wieder ein anderer klingelte am Feiertag die Bäcker und Metzger heraus, um Lebensmittel für die Helfer zu besorgen.

Auch das Rote Kreuz war sofort da. „Zack, stand da ein beheiztes Zelt mit Gulaschsuppe und Tee für 250 Leute“, erzählt Simon Rachl jun. Er lobt auch die Firmen Decker und Wurzer. „Die waren in der Brandnacht sofort mit Baggern und Lastwagen zur Stelle, um den Brandherd auseinander zu ziehen und den Schutt wegzubringen. Auch die beiden Viehhändler Erich Lanzinger aus Schwindkirchen und Georg Brandlhuber aus St. Wolfgang kümmerten sich umgehend um den Transport der Rinder. 82 Kühe fanden Unterschlupf bei Johann Haberstetter in Grün.

Vier Tage nach dem Brand wurde in Absprache mit der Versicherung begonnen, einen Notstall mit einer Milchkammer zu errichten. „Auch hier war das Material binnen weniger Stunden da“, sagt Simon Rachl jun.begeistert. Und an Silvester sind die Kühe wieder nach Hause gekommen. „Ab da ist wieder ein bisschen Alltag in unser Leben eingekehrt“, sagt Christa Rachl. „Noch nie bin ich so gerne in den Stall gegangen wie an diesem Tag“, erzählt Resi Rachl. Ab da hatte sie das Gefühl „es geht wieder aufwärts“. Die erste Woche kamen die ehemaligen Auszubildenden abwechselnd auf den Mayerhof, um zu helfen. „Bei jeder Stallarbeit war jemand da, die haben das unter sich organisiert“, sagt der Landwirtschaftsmeister.

Die Familie ist sich einig, mit diesem großen Unglück hat sie auch eine sehr schöne Erfahrung gemacht: Sie leben in einer sehr hilfsbereiten und funktionierenden Dorfgemeinschaft. Die komplette Großfamilie darf sogar ihr Weihnachtsessen nachholen. Alle 26 Personen kommen jetzt auf Einladung beim Wirt z’Loh zusammen. „Ja, jeder hilft in der Weise, wie er helfen kann. Allen sind wir unendlich dankbar“, sagt Simon Rachl jun.

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