Nach dem Bürgerentscheid

Eisenbahn statt Startbahn?

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Bislang rattert nur die S-Bahn zum Flughafen: Die Staatsregierung plant zwar den Ausbau  – das dauert aber noch.

Flughafen - Nachdem die 3. Startbahn beim Bürgerentscheid durchgefallen ist, soll jetzt auf den Schienen Tempo gemacht werden. Das würde auch den Münchner Flughafen entlasten.

Der Witz ist bekannt: Der Münchner Flughafen ist der einzige der Welt, der nur über die Luft zu erreichen ist. Das ist umso bitterer nach dem Aus der dritten Startbahn: Denn der Flughafen hat kaum Luft, auch Flüge nach Nürnberg, Salzburg oder Stuttgart belegen die beiden Pisten. Dabei ließen sich diese Hopser oft leichter und ähnlich schnell mit dem Zug fahren. Immer mehr Politiker fordern nun Tempo auf der Schiene: Eisenbahn statt Startbahn!

Den Anstoß dazu gibt ausgerechnet Flughafen-Chef Michael Kerkloh. „Wir sind die ersten, die auf Flüge nach Nürnberg verzichten könnten“, sagte er im tz-Interview. Im Landtag stellte er sogar Verbindungen nach Frankfurt und Berlin in Frage. „Dazu muss aber eine leistungsfähige Schienenanbindung her.“ Dann hätte er mehr Platz für dicke Brummer nach Fernost. Außerdem könnten Passagiere und Mitarbeiter jenseits von München leichter zum Flughafen gelangen.

Die Landtags-SPD fordert von der Staatsregierung jetzt, die Energie in die Schiene statt in die Startbahn zu stecken. Geld wäre da, wenn der Flughafen die Baukosten von 1,2 Milliarden Euro spart. „Die Gesellschaft sollte sich überlegen, einen Teil in die Anbindung zu investieren“, sagte der Freisinger Grüne Christian Magerl der tz. Schon nach dem Aus des Transrapids hatte man laut darüber nachgedacht, 100 gesparte Millionen Euro in die Anbindung zu stecken. Der Airport könnte auch seine halbe Milliarde Euro Schulden beim Staat abbezahlen – dann hätte der mehr Luft für Investitionen.

In den eigenen Reihen der Koalition macht der Oberpfälzer CSU-Landtagsabgeordnete Otto Zeitler Dampf. Er kämpft schon lange für einen Fernbahnanschluss am Flughafen und hat sich gegen die Planung der Staatsregierung sogar eine eigene Trasse ausgedacht – die „Zeitler-Kurve“. Jetzt sagt der studierte Ingenieur: „Mit einer direkten, umsteigefreien und fernbahntauglichen Anbindung können in einem überschaubaren Zeitraum bis zu 30 Prozent der Starts und Landungen auf die umweltfreundliche Schiene verlagert werden.“ Das entspräche 120 000 von 400 000 Flugbewegungen. In die Berechnung hat der Politiker allerdings auch Verbindungen bis nach Amsterdam einberechnet, die heute mit der Bahn einen halben Tag dauern. Er plädiert dafür, dass Fernzüge aus und nach Passau, Regensburg bis nach Nürnberg, Prag oder Berlin hinter Freising zum Flughafen abzweigen und in einem neuen Bahnhof unter dem Kempinski-Hotel halten. Kosten: 550 Millionen Euro.

Die Staatsregierung hält dagegen an der dritten Startbahn fest – und plant Regionalbahnen, die nicht vor 2017 fahren. Beides sei wichtig, sagt eine Sprecherin von Verkehrsminister Martin Zeil (FDP). Es bestehe kein Anlass, Geld aus der Luft auf die Schiene zu verlagern.

David Costanzo

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