Krailling: Nach Doppelmord bleibt Angst allgegenwärtig

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Würmtal - Auch wenn der Täter festzustehen scheint, spüren die Sozialpädagogen der Jugendhäuser immer noch die Angst. Der Doppelmord von Krailling hat die Eltern im Würmtal verunsichert.

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„Das Trauma wird sich noch länger hinziehen“, meint Sozialpädagoge Thomas Zynda. Er ist im Jugendfreizeitheim Marteeny in Martinsried beschäftigt. „Dass so etwas in so einer Oase passieren kann, ist für uns erschreckend“, sagt er und spricht dabei auch im Namen seiner Kollegen.

Inzwischen herrsche eine gewisse Erleichterung, dass es ein „durchgeknallter Einzeltäter“ gewesen sein soll, sagt er. „Das nimmt Druck und Angst raus.“ Doch für die Eltern sei es nach wie vor ein Thema.

Dafür nennt er ein Beispiel: Viele Kinder kommen nach dem Hort ins „Marteeny“. Die beiden Häuser liegen wenige 100 Meter voneinander entfernt. „Mit den Eltern haben wir vereinbart, dass sie uns kurz nach dem Start unseres Kreativprogramms anrufen, ob ihre Kinder vom Hort gut angekommen sind“, berichtet Zynda. Daran habe sich trotz der Festnahme kaum etwas geändert. Die Anrufe kämen immer noch. Die Eltern wollen ihre Kinder auf dem kurzen Weg nicht begleiten, damit diese keine Angst bekommen. Trotzdem seien sie vorsichtig, erklärt der Sozialpädagoge.

Auch seine Kollegin Claudia Haslbeck vom „Waaghäusl“ in Planegg, das in der Nähe des Tatorts liegt, bestätigt, dass der Mord natürlich ein Thema für Kinder, Jugendliche und Eltern sei. „Aber es herrscht keine Panik“, ist ihr wichtig festzuhalten. Dafür gebe es vor allem einen Grund: „Wenn man ein bisschen Aufklärung betreibt, weiß man, dass es in 95 Prozent der Fälle keinen unbekannten Fremden als Täter gibt, sondern dass es meist ein Verwandter ist.“ Das scheine sich auch in diesem Fall wieder bestätigt zu haben, erläutert die Sozialpädagogin.

Anders als in Planegg und Martinsried war die Kraillinger Tragödie im Gräfelfinger Jugendhaus an der Würm kaum ein Thema. Laut Sozialpädagogin Lisa Roos gebe es dort nur wenige Jugendliche, die wirklich in Kontakt mit den Opfern standen. Sie habe keine Gespräche über das Drama unter den Jugendlichen mitbekommen.

Anders hätten es ihr ihre Kollegen vom Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing berichtet. „Da waren die Eltern sehr verunsichert“, sagt sie. Dort gingen aber auch Kinder anderer Gemeinden zur Schule, unter anderem aus Krailling.

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