Mord an Schwangerer: Kripo durchsucht Weiher

Mit Schlauchbooten und Tauchern ist die Polizei derzeit am Kronthaler Weiher tätig. Sie suchen nach Gegenständen, die der mutmaßliche Mörder (18) der 21 Jahre alten Zorica H. aus Taufkirchen hier versenkt haben soll. Das Nachsehen haben derweil die Fischer, Teile des Sees sind gesperrt. Foto: Kressierer

Erding - Der brutale Mord an einer 21 Jahre alten hochschwangeren Frau aus Taufkirchen beschäftigt Kripo Erding und Staatsanwaltschaft Landshut auch nach dem Geständnis eines Erdingers (18). Derzeit sind Polizeitaucher im Kronthaler Weiher auf Spurensuche.

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Polizeitaucher sind damit beschäftigt, den Kronthaler Weiher im Norden Erdings Meter um Meter abzusuchen. Dazu sind mehrere Boote im Einsatz, die Spezialtaucher im Schlepptau haben. Die Ermittler gehen damit Einzelheiten aus dem Geständnis nach, das Harun A. aus Klettham kurz nach seiner Festnahme am 22. Februar, nur wenige Stunden nach der Tat abgelegt hatte.

Harun

Ralph Reiter von der Staatsanwaltschaft Landshut bestätigt Informationen unserer Zeitung, denenzufolge der 18-Jährige ausgesagt hat, einen Rucksack unter anderem mit der Kleidung, die er während der Tat getragen hatte und die blutüberströmt sein dürfte, in dem Badesee versenkt zu haben. „Es gab in seinen Aussagen einige Ungereimtheiten, die wir unter anderem auf diesem Weg ausräumen wollen“, so Reiter. Die Suche gestalte sich allerdings alles andere als leicht. „Der Täter hat zwar gesagt, wo er den Rucksack ins Wasser geworfen hat, das heißt aber nicht, dass er auch genau dort liegt.“, erklärt der Staatsanwalt. Zudem sei das Wasser kalt und die Sicht schlecht.

Harun A. wurde inzwischen von seiner Einzelzelle im Erdinger Gefängnis in die Justizvollzugsanstalt Landshut verlegt. „So gestalten sich die Ermittlungen und Befragungen einfacher.“

Weiter bestätigte Reiter, dass ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben wurde. Das soll klären, inwieweit Harun A. schuldfähig ist. „Gerade bei Kapitalverbrechen ist das Standard.“ Aufgrund der enormen Brutalität bei der Tatbegehung sei eine Expertise in diesem Fall besonders wichtig. Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass Harun A. in einem regelrechten Blutrausch zugestochen hat.

Wie berichtet, wird dem Kletthamer vorgeworfen, in der Nacht auf den 21. Februar seine frühere Geliebte Zorica H. in deren Wohnung in Taufkirchen mit weit über 100 Messerstichen getötet zu haben. Das Opfer war hochschwanger, Ende März erwartete sie eine Tochter. Die Obduktion hat unterdessen ergeben, dass auch das Ungeborene zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen aufwies. Der Täter hatte die 21-Jährige im Schlafzimmer gefesselt.

Eine besorgte Nachbarin hatte am Dienstag, 22. Februar, die Polizei alarmiert, weil sie Zorica H. nicht erreichen konnte. In den Mittagsstunden wurde die Leiche gefunden. Noch am selben Tag kamen die Ermittler auf die Spur des 18-Jährigen.

Er soll der Vater des ungeborenen Kindes sein, das während einer zum Tatzeitpunkt beendeten Beziehung gezeugt wurde. In der Mordnacht soll das spätere Opfer Harun A. aufgefordert haben, in ihre Wohnung zu kommen, um den Unterhalt für das Mädchen zu klären. Dabei kam es wohl zu einem heftigen Streit. Der 18-Jährige sagte aus, er habe sich in seiner Ehre derart gekränkt gefühlt, dass er mit einem Küchenmesser wahllos auf Zorica H. einstach. Die Tatwaffe wurde in der Wohnung gefunden. Harun A. wurde in der elterlichen Wohnung angetroffen und zunächst als Zeuge vernommen. Alsbald kristallisierte sich jedoch seine Täterschaft heraus.

Reiter geht davon aus, dass Harun A. nach Jugendstrafrecht angeklagt wird. Ihm drohen dann maximal zehn Jahre Haft. „Bei einem 18-Jährigen könnte auch das Erwachsenen-Strafrecht angewendet werden“, erläutert Reiter. In diesem Fall ist der Täter aber gerade erst 18 geworden und lebte noch bei seinen Eltern. Daher sei noch nicht von einer Reife auszugehen, die eine Anklage nach Erwachsenenstrafrecht zulässt. Ein Prozesstermin vor dem Landgericht Landshut steht noch nicht fest.

Im Merkur-Online-Portal Trauer.de haben zahlreiche Freunde kondoliert. Zorica H. wird dort als eine fröhliche Frau beschrieben, die sich so sehr auf ihre Tochter gefreut habe und mit ihr ein neues Leben habe beginnen wollen.

(Hans Moritz)

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