Täter waren zuerst bei Nachbarin

Meiling: So spähten die Mörder ihre Opfer aus

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Das Opfer: K. - Polizisten suchen nach Hinweisen auf die Täter.

Meiling - Nach Bekanntwerden der schrecklichen Bluttat in Meiling steht das idyllische Dorf weiter unter Schock. Die Bürger fragen sich besonders eines: Warum?

Die Bushaltestelle heißt Meiling, Dorfstraße. Am Tag halten sechs Busse. Wie das so ist auf dem Dorf. Ein paar Meter weiter gurren weiße Tauben in ihrem Schlag. Doch das Idyll trügt. Auch am zweiten Tag nach dem Bekanntwerden der schrecklichen Bluttat kann man sich nicht vorstellen, dass so etwas hier, im beschaulichen Meiling (Gemeinde Seefeld), möglich ist. Kein Wunder, dass alle im 200-Seelen-Dorf zutiefst verstört sind.

Rückblick: Am Montagmorgen fanden der Zeitungszusteller Jörg Altmann und seine Frau Margot die Leiche des 72-jährigen Markus K. Er wurde brutal erschlagen – vermutlich mit einer Dachlatte. Seine Frau, die noch immer in der Klinik ist, war übersät mit Hämatomen und wurde am Dienstag verhört. Einzelheiten will die Polizei noch nicht sagen.

Laut BR-Informationen waren drei oder vier Männer bereits vor ihrem Attentat auf das Ehepaar K. in Meiling unterwegs und versuchten ihre Masche, die tödlich endete, bei einer Nachbarin der K.s: Sie baten um Wasser für ihren leeren Kanister. Nach tz-Informationen klingelten genau jene Männer ein paar Stunden später bei ihren Opfern. Irmgard K. öffnete ahnungslos – und die Mörder verschafften sich einen Einblick in die Wohnsituation – um spät in der Nacht zurückzukehren.

Tat wirkt nicht wie ein Werk von "Profis"

Niemand im Ort scheint die Täter zu kennen, auch die Polizei hat noch kein genaues Profil. Ein Ermittler sagte am Dienstag zur tz: „Was die Männer taten, ist abartig – und auch dilettantisch auf höchster Stufe.“ Sprich: Die Tat wirkt nicht wie ein Werk von „Profis“.

Der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Hans-Peter Kammerer: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand können wir bestätigen, dass die Opfer Freitagnacht um 24 Uhr auf die Täter getroffen sind. Derzeit laufen die Befragungen der Nachbarn. Eine heiße Spur gibt es noch nicht.“ Die Ehefrau sei schwer verletzt, aber stabil. „Die Einsatzkräfte durchforsten weiter die umliegenden Gebiete.“

Das Polizeiaufgebot in und um Meiling mit insgesamt 24 Ermittlern ist derzeit aus dem Ortsbild nicht wegzudenken. Nicht alle wollen sich gegenüber der tz äußern. Ks. Brüder nicht, der Pfarrer nicht. Auch der ehemalige Arbeitgeber schweigt. Zu tief ist der Schmerz.

Spurensucher: Fieberhafte Ermittlung

Thomas Kaiser leitet die Spurensuche. Er steht vor dem Haus des ermordeten Markus K.

An den beiden Ortseingängen suchten rund zehn Ermittler fieberhaft nach Spuren der Mörderbande – mögliche Fluchtwege werden in Augenschein genommen, den Wegen zu den S-Bahn-Stationen Weßling und Herrsching nachgespürt. „Vielleicht haben die Täter etwas von ihrer Beute zurückgelassen“, erläutert Kriminalhauptkommisar Thomas Kaiser (49), der die Spurensuche leitet. Das könne etwa wertloser Modeschmuck sein, gibt er als Beispiel. Man hofft auf Fingerabdrücke oder DNS-Spuren.

Die insgesamt 25 Einsatzkräfte ermitteln seit Montagmorgen, durchforsten die Gegend und befragen die Nachbarn. Sie werden vor allem eins hören: Die Ks. lebten zurückgezogen, waren unauffällig und freundlich.

Schulfreund: Wer denkt an so etwas?

Gerald Schulz drückte mit der Frau des Opfers die Schulbank

Gerald Schulz (68) ist Chauffeur und kennt die Nachbarn K. seit Jahrzehnten. Ks. Ehefrau Irmgard war mit ihm sogar auf der Schule. Normalerweise kommt Schulz nachts von der Arbeit heim. Umso tragischer, dass er von den dramatischen Ereignissen nichts mitbekommen hatte: „Meine Ehefrau hat mich schon öfter gebeten, am Wochenende nachts nicht zu fahren und bei ihr zu bleiben, weil sie sich fürchtet.“

„Vor einer solchen Tat ist niemand gefeit“, sagt Schulz. „Deshalb kann ich jetzt auch nicht meine Fenster zuschweißen und niemandem mehr die Tür öffnen.“ Er selbst habe von dem Mord auf dem Weg vom Flughafen erfahren: „Ich war total schockiert. Noch am Montagmorgen, als ich mein Haus verließ, habe ich mich noch gewundert, warum bei Ks. das Licht brannte. Aber wer denkt schon an so etwas?“

Ob Schulz nun am Wochenende zuhause bleibt? „Nein, ich muss schließlich Geld verdienen.“

Bürgermeister: Die Tat ist extrem brutal

Wolfgang Gum

Seefelds Bürgermeister Wolfgang Gum (CSU) ist gerade erst aus dem Urlaub zurück und wurde am Montag mit der Tragödie konfrontiert. Er sagt der tz: „Ich habe die schreckliche Tat aus der Zeitung erfahren. Wenn es sich um Verbrecher aus dem ehemaligen Ostblock handelt – und diese Vermutung drängt sich für mich auf, dann ist das das Ergebnis einer falschen Politik. Denn die Grenzen sind von der EU viel zu früh geöffnet worden. Wir sind noch nicht bereit, uns dem Osten wirtschaftlich und sozial zu öffnen. Und die Brutalität ist extrem. Das ist eine ganz neue, höchst erschreckende Qualität der Kriminalität.“

Rathauschef Wolfgang Gum kannte das Ehepaar K. persönlich: „Das waren ganz nette, brave Leute, die ihr Leben lang in Meiling verbracht haben.“

Nachbarin: Ein Zuhause für Hündin Lissi

Patricia Weiß hat Lissi (l.) aufgenommen

Patricia und Christoph Weiß leben fast Tür an Tür mit den Ks. „Wir kennen beide vom Gassigehen, wir grüßten uns und ratschten. Die Ks. waren freundlich und lebten recht zurückgezogen“, erinnert sich das Paar. Man kennt sich über die Hunde. Sammy und Lissi, die sechsjährige Hundedame der Ks., sind gut befreundet. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Lissi jetzt aufnehmen. Wo sollte sie denn sonst hin? Das macht man so unter Nachbarn“, sagen die Weiß’. Hündin Lissi ist in guten Händen. Ein kleines Licht im Dunkeln.

J. Heininger, M. Bieber

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