Schwerverletzt nach Ausflug

Rodelopfer (29) klagt an: „Am Wallberg muss sich was ändern“

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Schnappschuss von Ines B. auf der Rodelbahn am Wallberg. Kurz danach passierte der Unfall.

Im März 2015 verunglückte die Münchner Unternehmensberaterin Ines B. beim Rodeln am Wallberg. Sie trug dauerhafte Verletzungen davon und klagte. Jetzt kommt es zum Prozess. 

Rottach-Egern – Der Rodelausflug auf den Wallberg sollte für Unternehmensberaterin Ines B. an jenem Freitag, den 13. März 2015, ein Vergnügen in die weiße Spätwinterlandschaft werden. Tatsächlich erinnert sich die damals 26-jährige gebürtige Stuttgarterin mit Schrecken an diesen „schwarzen“ Freitag.

Es war ein sonniger Tag, als sie gegen 9 Uhr mit ihrem damaligen Freund in die Bahn stieg. Sie hatte ein Zweierticket gelöst und auch für einen Leihschlitten bezahlt. „Schon nach den ersten Metern merkte ich, dass die Bahn sehr eisig war und ich trotz meiner dicken Winterschuhe schwer bremsen konnte“, erinnert sich Ines B.. Das Grauen begann kurz vor der ersten engen Kurve. „Ich schaffte es nicht, den Schlitten abzubremsen und fuhr auf einen Schneehügel zu“, erzählt sie. „Doch der Hügel wurde regelrecht zur Sprungschanze.“ Ines B. flog gut zehn Meter den „supersteilen Hang“ hinab, ehe sie mit dem rechten Fuß im Boden einschlug. „Meine Ferse schob sich ins Schienbein, zertrümmerte mein Schienbein.“

Die Bergwacht war schnell vor Ort, man brachte sie ins Krankenhaus Agatharied. Wegen der Schwere der Verletzung wurde die Frau in die Münchner Uni-Klinik an der Nussbaumstraße verlegt und operiert. Es folgten weitere Operationen, Reha-Maßnahmen, enorme Kosten und die bittere Erkenntnis, dass sie irreparable Schäden am kompletten Bein erlitten hatte. „Ich kann meinen Fuß nur schwer bewegen, schnell laufen ist nur minimal möglich“, erzählt die heute 29-Jährige. Sie bezeichnet sich selbst als durchaus sportlich und sei damals nicht zum ersten Mal beim Rodeln gewesen. Ein blauer Fleck käme schon mal vor beim Sport, aber das?

Ines B. nahm sich einen Rechtsanwalt. Sie wirft der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH als Betreiberin der 6,5 Kilometer langen Naturrodelbahn eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vor. „Man hätte die Bahn sperren müssen, denn es war zu eisig, die Schneehäufen am Rand waren an jenem Märztag schon zu niedrig“, findet sie im Nachhinein.

Die Wallbergbahn sei zu einem Vergleich bereit gewesen, doch den habe sie abgelehnt. Jetzt, drei Jahre später, ab dem 26. April, soll es vor dem Münchner Landgericht zum Prozess kommen. Weitere Zeugen – ihr damaliger Freund, der Notarzt, Mitarbeiter der Bahn – sollen vernommen werden. „Eine finanzielle Entschädigung wäre sicherlich eine Erleichterung“, sagt die junge Frau. „auch wenn ich davon nicht mehr gesund werde.“ Sie hofft auf ihr Recht. Und sie hofft, dass die Bahn reagiert.

Denn der Unfall von Ines B. ist kein Einzelfall. Gerade im vergangenen schneereichen Winter, wo die Bahn laut Sprecherin Antonia Asenstorfer gut 70 Rodeltage und damit mehr als doppelt so viele Rodeltage wie im Vorjahr hatte, häuften sich die Unfälle. 37 Einsätze hatte die Bergwacht nach eigenen Angaben, 16 waren es im Vorjahr, im Jahr 2015/16 waren es drei. Nach der Veröffentlichung der Fälle auch in der Tegernseer Zeitung und im Online-Portal auf merkur.de diskutierten die Leser eifrig über die Gefährlichkeit der Strecke.

Kein Grund zu reagieren und ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten? „Auch Fangzäune, wie immer wieder gefordert, bergen ein Sicherheitsrisiko“, ist Asenstorfer überzeugt. Man werde daher noch mehr auf eine bessere Kommunikation setzen. Will heißen: Die Wallbergbahn will den Rodlern noch deutlicher klar machen, dass es sich um eine sportliche, anspruchsvolle, für Kleinkinder nicht geeignete Rodelbahn handle. Dass festes Schuhwerk mit gutem Profil, Helm und Schneebrille unverzichtbar seien. Bei vielen Unfällen, so die Sprecherin, handle es sich zudem um Kollisionen. Auf das richtige Verhalten müsse noch besser hingewiesen werden, also beim Überholen, Rücksicht nehmen, Bremsen, Lenken und in brenzligen Situationen. „Rodeln wird oft unterschätzt“, sagt Asenstorfer. „Und manche Gäste seien einfach beratungsresistent.“

Für Ines B. ist das alles kein Trost. „Mein Ziel ist, dass sich am Wallberg was ändert.“ Sie sei viel auch in Österreich unterwegs gewesen, und dort habe sie erlebt, wie Absicherungen funktionieren können. Den Leuten zu sagen, sie seien selbstverantwortlich, ist für sie „keine Lösung“.

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gr

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