Prozess gegen Täter beginnt

Nach Kopfschuss auf Polizistin in Unterföhring: So geht es den Ismaninger Kollegen heute

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Polizisten bei der Schießerei in Unterföhring.

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den psychisch Kranken, der der Ismaninger Polizistin am 13. Juni 2017 am S-Bahnhof Unterföhring in den Kopf schoss. Hinter den Ismaninger Kollegen des Opfers liegt ein schweres Jahr.

Ismaning – Fast auf den Tag genau vor zehn Monaten hat einpsychisch kranker Mann (38) der Polizistin Jessica Lohse (26) in den Kopf geschossen. Seit der grausamen Tat am Unterföhringer S-Bahnhof liegt die Polizeikommissarin im Wachkoma. Ab Dienstag muss sich der Täter vor Gericht verantworten.

Für die Öffentlichkeit beginnt damit die Zeit der Aufarbeitung. Ein schwieriger Prozess, dem sich auch die Beamten aus Jessicas Dienststelle, der Polizeiinspektion 26 in Ismaning, seit jenem 13. Juni 2017 stellen. Die Polizeikommissarin war während eines Routineeinsatzes von der Kugel getroffen worden. Die Kugel stammte aus der Dienstwaffe eines Kollegen (30), dem der Täter die Pistole entrissen hatte. Der Täter selbst gilt als nicht zurechnungsfähig. Wie wird man mit so etwas fertig? Hauptkommissar Albert Bauer (57), Dienststellenleiter in Ismaning, muss nicht lange nach einer Antwort suchen: „Reden, reden, reden.“ 

Der Dienststellenleiter der Inspektion Ismaning: Albert Bauer.

Von Beginn an hätten die Kollegen die Gelegenheit genutzt, sich mit jemandem auszutauschen, der weiß, worum es geht. Nur ein Polizist vermag nachzuvollziehen, was es bedeutet, von einem Moment zum anderen in dieser Weise mit dem Tod konfrontiert zu sein. Dass Männer keine Gefühle zeigen, zumal wenn sie Uniform tragen, davon will Bauer nichts wissen: „Wir haben sehr offen über unsere Probleme gesprochen. Und dass war auch gut so!“ Keine falschen Hemmungen, keine Furcht, nicht mehr als ganzer Kerl zu gelten. Der Zentrale Polizeipsychologische Dienst stellte den Ismaningern zudem Fachpersonal an die Seite. Eine Unterstützung, der besonders der Kollege (30) nutzte, der am Vormittag des 13. Juni mit Jessica Lohse auf Streife war, und mit dessen Waffe dann der 38-Jährige der jungen Polizistin die Kugel in den Kopf schoss.

Gegen 8.40 Uhr erwarteten die beiden am Bahnhof Unterföhring die S8. Der psychisch kranke 38-Jährige hatte in der S-Bahn herumgepöbelt. Völlig überraschend stürzte er sich auf den Kollegen der jungen Polizistin, entriss ihm die Waffe, feuerte das ganze Magazin leer. Eine Kugel traf die junge Polizistin und verletzte sie so schwer am Kopf, dass sie seither im Wachkoma liegt – daheim bei ihrer Familie in Sachsen.

Niemand mag ermessen, welche Last den Polizisten seither plagt. Hatte er sich richtig verhalten? War die Waffe ausreichend gesichert? Um so dankbarer reagierte damals Inspektionsleiter Albert Bauer auf das Angebot umfassender Betreuung durch den Zentralen Polizeipsychologischen Dienst. Ein Betreuer stand ausschließlich für den 30-Jährigen zur Verfügung. Dass der Beamte sich nicht scheute, mit Kollegen zu reden, erleichterte die Aufarbeitung. „Wir haben sehr viel miteinander gesprochen.“

Das Opfer: Jessica Lohse

Inzwischen, davon ist Bauer überzeugt, sind die Geschehnisse jenes schlimmen Tages so weit wie möglich verarbeitet. Natürlich bedeutet der leere Platz, den Jessica Lohse in der Inspektion hinterlässt, eine offene, schmerzende Wunde, und natürlich quälen die Erinnerungen, die der heutige Prozessauftakt den Beteiligten ins Gedächtnis ruft.

In solchen Momenten denkt Albert Bauer gerne an die vielen E-Mails, die Schreiben aus der Bevölkerung. So viele Menschen hatten in den Tagen nach der Tat Anteil am Schicksal der jungen Polizistin genommen, und an dem der Beamten der Polizeiinspektion in Ismaning. Die Erinnerung an diese Anteilnahme stärkt nicht nur Dienststellenleiter Bauer. Sie ist auch in den Herzen seiner Kollegen geblieben.

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