Nach Unfällen: Thermen-Chef freigesprochen

Symbolbild: Foto: lib

Erding - Von der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung sind Thermengeschäftsführer Jörg Wund und ein Sachverständiger des TÜV-Süd vor dem Amtsgericht Erding freigesprochen worden.

Am 21. August 2007 war ein sechsjähriger Junge mit dem Arm weit über den Handlauf unter die Rutsche geraten. Zwei seiner Finger wurden durchtrennt, weil die Unterseite der Rutsche mit dem Boden einen spitzwinkligen Spalt bildete. Als Wund dies gemeldet wurde, ließ er sofort die Rutsche sperren. Was er erst zwei Tage später durch ein Anwaltsschreiben erfuhr, war, dass tags zuvor eine 16-Jährige fast den gleichen Unfall erlitten hatte. Auch ihr waren einige Fingerglieder abgetrennt worden. Wäre die Rutsche hier schon gesperrt worden, hätte der zweite Unfall vermieden werden können.

Die Mängel an der Rutsche wurden gleich in der Nacht zum 22. August beseitigt. Mit den Opfern habe die Therme einen außergerichtlichen Vergleich für eine Entschädigung geschlossen. „Ausdrücklich ohne Zivilverfahren“, erklärte Rechtsanwältin Susanne Lang aus Erding, „um sie nicht so lange warten zu lassen“.

Den TÜV-Sachverständigen treffe keine Schuld, erkannte das Gericht. Er hatte lediglich nach einem Prüfungsplan der Herstellerfirma die Konstruktion zu prüfen, nicht die Einbringung der Umgebung. Dies geschah am 31. März. Die Endabnahme gab es nach dem Einbau einer Außentreppe am 16. Mai.

Dass der erste Unfall nicht ordnungsgemäß gemeldet worden war, so dass die Rutsche gleich hätte gesperrt werden können, habe am Zufall wie an einer fehlerhaften Informationskette gelegen, erklärte Verteidigerin Lang. Ein Polizeibeamter, im Nebenberuf Rettungsschwimmer, hatte die 16-Jährige versorgt, den Rettungswagen gerufen und schließlich einen Bericht angefertigt, in dem er auf Wunsch des Vaters auch auf die „mangelnde Verfugung“ hingewiesen habe.

Die Rutsche sei für den Rest des Abends zwar gesperrt worden, habe sich jedoch als Kinderrutsche nicht durch eine Kette sichern lassen. Den Bericht über den Unfall habe eine Mitarbeiterin auf den Schreibtisch des Schichtleiters gelegt, er wurde aber offenbar erst einige Tage später entdeckt. Deshalb war die Rutsche von der Frühschicht, ohne Kenntnis des Vorfalls, anderntags freigegeben worden. Ein Organisationsverschulden konnte Richterin Yvonne Folk jedoch nicht erkennen. Alle Mitarbeiter waren angewiesen, bei schweren Verletzungen den Geschäftsleiter oder den Geschäftsführer umgehend zu informieren. Damals bei der Arbeitseinweisung und in jedem Meeting zum Thema Sicherheit, heute mit einer Broschüre. „Die Organisationsstruktur war gegeben“, sagte die Richterin. Daher sei Jörg Wund freizusprechen.

(gse)

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