Sex-Attacke vor der Haustür

Julia (28) stellt sich mutig ihrem Vergewaltiger vor Gericht

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Selbstbewusst schaut Julia B. in die Kamera. Der Vorfall machte sie noch stärker.

Eine junge Frau wurde im April auf dem Heimweg von einem Sex-Täter attackiert. Sie reagierte vorbildlich - und stellte sich dem Vergewaltiger mutig vor Gericht.

Neubiberg - Eine friedliche Aprilnacht nach einem Konzert in Neubiberg: Julia B. (28) ist auf dem Weg von der Bushaltestelle zurück in ihre Wohnung. Nur noch wenige Schritte trennen sie von der Haustüre. Da packt Armin H. (26) plötzlich von hinten zu, will die zierliche Frau vergewaltigen. Julia B. gelingt es, den Angreifer zu vertreiben. Seit gestern muss sich der vorbestrafte Sextäter wieder vor Gericht verantworten.

„Ich habe einfach nur wie am Spieß geschrien“, sagt die Redakteurin nach ihrer Aussage vor Gericht. Die 28-Jährige wirkt gefasst. „Es belastet mich nicht mehr“, sagt sie. „Aber ich bin vorsichtiger geworden.“ Der Vergewaltiger in Oberschleißheim, die Angriffe auf Studentinnen an der LMU – Julia B. weiß, wie sich die Opfer fühlen. „Das Schlimme ist: Es kann überall, an vermeintlich sicheren Orten, passieren.“ So wie an jenem 27. April gegen 0.45 Uhr in der Walkürenstraße in Neubiberg.

Im Hafturlaub suchte sich Armin H. (26) sein nächstes Opfer.

Täter und Opfer steigen kurz zuvor am S-Bahnhof in den Bus der Linie 12 ein. Erst während der Fahrt wird Armin H. auf die junge Blondine aufmerksam. „Sie hat mir gleich gefallen“, sagte er gestern auf der Anklagebank. Zuvor war er auf dem Frühlingsfest, trank eine Mass Bier trotz strengstem Alkoholverbots. Denn: Armin H. sitzt eigentlich im Gefängnis – verurteilt wegen drei versuchter Vergewaltigungen im November 2012.

Das Opfer reagiert vorbildlich auf die Attacke

An diesem Wochenende verbringt er seinen Hafturlaub bei seiner Mutter in Neubiberg. Von ihr leiht er sich 100 Euro, um sie in einem Bordell am Moosfeld zu verprassen. Doch der Liebesakt wird zum Flop. Armin H., der regelmäßig in diesem Etablissement verkehrt, erinnert sich: „Meine Favoritin hatte keine Zeit, mit der anderen Frau klappte es einfach nicht. Ich war frustriert und wollte meinen Ärger im Alkohol ertränken.“

Auf dem Heimweg vom Frühlingsfest packte Armin H. wieder seine Sexgier. Er stieg mit Julia B. an derselben Bushaltestelle aus, schlich ihr leise hinterher. „Ich war im Zwiespalt mit mir. Einerseits wusste ich, dass ich mit einem Rückfall den Erfolg meiner Therapie gefährde, andererseits konnte ich mich nicht beherrschen“, schildert Armin H. Dann nahm er Anlauf, packte Julia B. von hinten und drückte seine Hand auf ihren Mund.

Die 28-Jährige reagierte vorbildlich – mit panischen Schreien. Sie sagt: „Er war offensichtlich verwirrt, entschuldigte sich und lief davon.“ Armin H.: „Das war wie ein Weckruf. Ich bereue, was ich gemacht habe.“ Viel Zeit zum Nachdenken wird er nach der Verhandlung bekommen. Die Staatsanwaltschaft erwägt, eine dauerhafte Unterbringung in einer Einrichtung für Sexualstraftäter zu beantragen.

Johannes Heininger

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