Am Bahnhof von Schlauch getötet

Nach tödlichem Unfall: Sachsenkamerin hilft

Sachsenkam - Der Fall ging durch die Medien: Eine Frau wird am Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof von einem Schlauch getötet. Zurück blieben trauernde Angehörige und ein verwaister Arbeitsplatz.

Eine Sachsenkamerin sprang spontan ein, um - neben ihrem eigenen Job - als Sekretärin auszuhelfen.

Der Unfall hatte sich am 29. Mai ereignet. Der Fahrtwind eines Regionalzugs hatte einen Reinigungsschlauch hochgewirbelt und die wartende Sekretärin am Kopf getroffen. Sie erlag kurz darauf den schweren Verletzungen. Sie war an jenem Tag auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle im evangelischen Dekanat gewesen. Dort war das Team nach Bekanntwerden des tragischen Unfalls geschockt. Zur Trauer kam rasch das Bewusstsein der Lücke, die die rechte Hand des Chefs hinterlässt. Wer sollte sie auf die Schnelle füllen?

Karin Walter fuhr drei Monate lang nach Fürstenfeldbruck.

An der Stelle kommt Karin Walter aus Sachsenkam ins Spiel. Die 49-Jährige ist ebenfalls Dekanatssekretärin, allerdings in Bad Tölz. Sie kannte die Verstorbene als Referentin bei der Landeskirche und natürlich als Kollegin. „Wir treffen uns einmal im Jahr. Da freuen wir uns alle drauf.“ Der Termin wäre eigentlich vier Wochen nach dem Unfall anberaumt gewesen. Doch es sollte nicht sein. Stattdessen erhielt Karin Walter eine E-Mail vom Fürstenfeldbrucker Dekan Stefan Reimers mit der Nachricht vom Tod seiner engsten Mitarbeiterin.

„Das hat mich schon sehr berührt“, erzählt Walter. Auch deshalb, weil sie sich genau vorstellen konnte, was das für das Brucker Dekanat bedeutet. Niemand kennt die Arbeitsabläufe, die Passwörter für die Computerprogramme fehlen, und die kleinen Alltagsarbeiten türmen sich schnell zu Bergen. „Ich bin heimgefahren und dachte, da muss man doch helfen.“ Schließlich, so meint die resolute Mutter von drei erwachsenen Kindern: „Wenn es in der Kirche keinen Zusammenhalt gibt, wo dann?“

Dennis Höller hat das Unglück in Fürstenfeldbruck mitangesehen.

Gedacht, getan. Spontan schickte sie eine E-Mail ans Brucker Dekanat und bot ihre Hilfe an. Für Stefan Reimers war das wie „ein Traum“. Eine Aushilfe, die er nicht groß einarbeiten musste. Auch der Tölzer Dekan Martin Steinbach willigte gerne ein. Schon eine Woche nach dem tragischen Unfall machte sich Walter das erste Mal auf den Weg in Richtung Fürstenfeldbruck. Zwei Tage in der Woche, immer montags und freitags, fuhr Walter fortan um 6.30 Uhr früh in Sachsenkam los, um rechtzeitig um 8 Uhr an ihrer Arbeitsstelle zu sein. Ihre regulär drei freien Nachmittage in Tölz opferte sie, um die Aufgaben im hiesigen Dekanat abarbeiten zu können - eine 52-Stunden-Woche mit Haus, Garten und Hund. Karin Walter sieht’s im Rückblick pragmatisch: „Manchmal muss man Prioritäten setzen.“

Am Anfang war es schwer, ein einziges Suchen nach Passwörtern, Ordnern und anderem, erzählt die 49-Jährige. Übergangs-Chef Reiners beschreibt Karin Walter als zupackende, lebendige Frau. Sie gibt das Kompliment zurück: „Wir waren ein unheimlich gutes Team.“ In den letzten Wochen hat sie nun die neue Dekanatssekretärin eingearbeitet. Jetzt ist sie froh, wieder daheim zu sein und nicht mehr ständig im Berufsverkehr pendeln zu müssen.

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