Nach den tödlichen Schüssen: So schützt sich das Amtsgericht

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Der neue Metalldetektor im Strafgericht.

Dachau - Die Strafabteilung des Dachauer Amtsgerichts ist am Montag umgezogen. Die Mitarbeiter wollten nur noch weg von dem Gebäude, in dem am Mittwoch Rudolf U. (54) den Staatsanwalt Tilman T. (31) erschoss.

„Das ganze Amt ist wie gelähmt. Es herrscht eine Art Schockstarre“, sagt Amtsgerichtsgeschäftsleiter Erich Frisch. Amtsgerichtsdirektor Klaus Jürgen Sonnabend hatte bereits am Morgen nach der Tat seine Mitarbeiter zu einer Personalversammlung zusammengerufen. Seine Leute werden in Kürze vom polizeipsychologischen Dienst betreut. „Die Bilder werden sie nicht mehr los. Sie sollen sie nur nicht mehr mit sich in Verbindung bringen“, meint Sonnabend.

Dachau am Tag nach dem schrecklichen Verbrechen

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„Primär trauern wir um unseren Kollegen, der insgesamt fünf bis sieben Mal in unserem Haus tätig war“, erzählt Sonnabend weiter. Vermutlich am kommenden Montag wird es einen Staatstrauerakt für Tilman T. geben. Zum Ablauf der Tat machte der Gerichtsdirektor genauere Angaben: „Er hat von links nach rechts rübergezogen“, so Sonnabend über die Todesschüsse. Er widerspricht damit der Annahme, Rudolf U. hätte erst auf Richter Lukas Neubeck (35) gezielt. Der Täter selbst schweigt weiter. Auch gegenüber seinem Anwalt: „Er hat auch mir gegenüber keine Einzelheiten verraten. Auch nicht zur Herkunft der Pistole“, so Verteidiger Wilfried Eysell. Gestern erhielt Rudolf U. in Stadelheim Besuch von einem Gutachter. In einem Vorgutachten soll geklärt werden, ob der Todesschütze im Gefängnis bleiben kann oder ob gegen ihn ein vorläufiges Unterbringungsverfahren eingeleitet werden muss.

Bluttat in Dachau: Staatsanwalt (31) stirbt

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Größten Respekt hat Amtsgerichts-Chef Sonnabend vor den beiden Zollbeamten, die „sehr mutig eingeschritten“ seien, als sie den Todesschützen kurz nach der Tat festgenommen haben. „Ich habe brieflichen Kontakt aufgenommen, aber sie waren bislang noch nicht wieder im Dienst.“ Sie stünden ebenfalls unter psychologischer Betreuung, wie er erfahren hat. Einer soll für die Deutsche Rentenversicherung im Bund arbeiten, der zweite ist Beamter des Hauptzollamts München. Letzterer hatte beim Zollamt die Akte Rudolf U. wegen Schwarzarbeit bearbeitet und sollte vor Gericht aussagen – bis es zu den tödlichen Schüssen kam. Neben den beiden Beamten war eine junge Kollegin, die noch in Ausbildung ist, als Zuhörerin im Sitzungssaal anwesend.

Bilder: Schüsse am Dachauer Amtsgericht

Bilder: Schüsse am Dachauer Amtsgericht

Bei der Festnahme geholfen hat möglicherweise, dass zumindest Zollbeamte mit Waffen vertraut und in Selbstverteidigung geschult sind. „Im Rahmen der Ausbildung zum Zollbeamten haben die Kollegen einen neunwöchigen Lehrgang im Umgang mit einer Schusswaffe sowie in waffenloser Selbstverteidigung“, erklärt Martin Brandlhuber, Sprecher des Hauptzollamts München.

Am Amtsgericht Dachau versehen derzeit vier Wachtmeister Dienst. Neben der Aufsicht in den Sälen müssen sie auch noch Tätigkeiten wie Schneeschaufeln übernehmen sowie die Post erledigen. Wie bekannt wurde, bekommen die Wachtmeister ab sofort einen Kollegen als Verstärkung – „wohl nur für einige Monate“, wie Sonnabend verrät.

Den Sitzungssaal C im Gebäude I muss nie wieder ein Staatsanwalt betreten. In ihm werden in Zukunft nur noch Zivil- und Familiensachen verhandelt. Im umgebauten Gebäude I werden frühestens nächste Woche Strafsachen verhandelt, so Sonnabend. Dann wird gleich nach dem Windfang am Eingang ein mobiler Metalldetektor stehen. Während die beiden Gerichtssäle für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, sind die Räume für die Richter im Obergeschoss für Besucher in Zukunft tabu. Gleich nach dem Aufgang wird es zwei Türen geben, die nur mit Codekarte geöffnet werden können.

Conny Kirmaier und Thomas Zimmerly

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