Mutter getötet: Sohn jagt auch Vater mit dem Messer 

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Das Familiengrab, in dem Inge S., die Mutter von Markus, im Juli 2006 beigesetzt wurde.

Unterföhring - Vor vier Jahren hatte er seine Mutter erstochen. Nun ist ein junger Mann (25) in Unterföhring auch auf seinen Vater losgegangen. Mit einem Messer in der Hand jagte er ihm nach:

Bilder vom Tatort

Unterföhring: Sohn jagt Vater mit dem Messer

Grausige Bluttat in Unterföhring: Markus S. (25) attackiert seinen eigenen Vater mit einem Küchenmesser und sticht mehrmals auf ihn ein. Ärzte kämpfen nun verzweifelt um das Leben von Reinhold S. (57).

Unfassbar: Vor vier Jahren ist Markus S. schon einmal ausgerastet – damals tötete er seine Mutter. Markus S. ist psychisch krank, lebt in einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Am Dienstag besucht er seinen Vater in der Münchner Straße. Dann kommt es zum Streit. Laut der Mordkommission greift der 25-Jährige gegen 17.45 Uhr zu einem Küchenmesser und rammt es seinem Vater in den Oberkörper, sticht immer wieder zu.

Irgendwie gelingt Reinhold S. die Flucht. Er rennt quer über die Straße zum Gasthof Neuwirt, will die Tür hinter sich verrammeln. Doch Markus S. ist schneller, drückt die Tür einen Spalt breit auf und sticht weiter auf seinen Vater ein. Dann schlägt ihm der Koch die Waffe aus der Hand, überwältigt Markus S., Wirtin Sybille Schnitzer eilt mit einem Notzarztkoffer zur Hilfe. Als die Polizei anrückt, lässt er sich widerstandslos festnehmen. Die Tat gibt er sofort zu. Sein Vater wird schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Polizei besteht „akute Lebensgefahr“.

Das Familiengrab, in dem Inge S., die Mutter von Markus, im Juli 2006 beigesetzt wurde.

Das Motiv für die Tat ist völlig unklar. Sicher ist aber: Der Angriff war der tragische Höhepunkt einer unfassbaren Geschichte: Das in Unterföhring alteingesessene Ehepaar S. hat drei Söhne. Vater Reinhold betreibt einen zoologischen Fachhandel. Nachbarn beschreiben die Familie als „normal“ und „unauffällig“. Markus, der jüngste Sohn, „war immer ein lieber, braver Junge“, berichtet eine Bekannte. Doch dann kommen die Drogen. Markus driftet ab, leidet unter Halluzinationen, entwickelt eine schizophrene Psychose. Die Sucht wird immer schlimmer, 2004 liefert sich Markus selbst ein. Ärzte verschreiben ihm Medikamente und psychologische Hilfe. Zunächst verbessert sich sein Zustand.

Mit Einverständnis einer Psychologin setzt er die Medizin im Jahr 2006 wieder ab – ein tragischer Fehler. Markus S. wird wieder auffällig, fühlt sich verfolgt, glaubt, seine Mutter Inge wolle ihn vergiften. Die 49-Jährige macht sich Sorgen, will mit ihrem Sohn zum Arzt. Auf dem Weg zur Garage passierte es: Ohne Vorwarnung sticht Markus S. seiner Mutter mit einer zehn Zentimeter langen Klinge in den Rücken. Zwei Monate später stirbt sie. Die Staatsanwaltschaft spricht von Mord, doch das Landgericht München I verurteilt den damals 21-Jährigen wegen Totschlags und weist ihn in die Psychiatrie in Haar ein.

Er sei nicht schuldfähig, heißt es damals. Warum kam Markus S. wieder frei? Aufgrund von ärztlichen Gutachten sei der Vollzug Stück für Stück gelockert worden, erklärt Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger. Am 1. September sei er schließlich in einer therapeutischen WG untergebracht worden. Der 25-Jährige wird dort weiter behandelt, hat aber Freigang, macht sogar eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Seinem Vater stattet er regelmäßig Besuche ab. „Anfangs war ein Betreuer dabei“, berichtet ein Nachbar. „In letzter Zeit kam er dann allein.“

Das Verhältnis zwischen Sohn und Vater scheint intakt, von Streit habe der Nachbar nichts mitbekommen. Bis jetzt. Bis Markus S. zum zweiten Mal zum Messer griff.

Tom Schmidt

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