83-Jährige hat im Edeka nicht bezahlt

Nach Hausverbot für 83-Jährige: Solidarität mit angeblicher Ladendiebin

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Will weiterhin selbständig bleiben und einkaufen: Waltraud Enzinger geht weiterhin alleine einkaufen.

Unterhaching - Jetzt wendet sich das Blatt! Nachdem Waltraud Enzinger wegen eines vermeintlichen Diebstahls Hausverbot im Edeka bekommen hat, winkt der Rentnerin nun Hilfe.

Muss man einer 83-Jährigen mit Rollator Hausverbot im Supermarkt erteilen, weil sie mit unbezahlter Ware erwischt worden ist? Aus Versehen, wie sie sagt.  Muss man nicht, so die überwiegenden Reaktionen in Leserbriefen, auf Facebook und Online. Zwei Unterhachinger bieten der alten Dame sogar praktische Hilfe an. Darunter der Inhaber eines anderen Supermarktes.

Roman Enzinger (51) hat den Fall seiner Mutter Waltraud (83) öffentlich gemacht. Ein Detektiv hat die alte Dame im Edeka Simmel in Unterhaching mit unbezahlter Ware im Wert von 30 Euro ertappt. Und das Unternehmen ist, aus dessen Sicht ganz korrekt und nicht zu beanstanden, streng nach Hausordnung vorgegangen: 75 Euro Aufwandsentschädigung, Hausverbot und Strafantrag.

Vermittlungsversuch des Sohnes scheitert

Andreas Braun will helfen.

Der Versuch des Sohnes, zumindest das Hausverbot abzuwenden, da der Laden für seine auf den Rollator angewiesene Mutter der nächstliegende ist, hat nicht gefruchtet. Dabei sei niemand entsetzter über dieses „peinliche Missgeschick“ als seine Mutter. Waltraud Enzinger, ihr Leben lang unbescholten, geniert sich heute noch. „Ich hab’ gar nicht dran gedacht, dass ich noch nicht gezahlt habe. Ich weiß nicht, was in meinem Kopf los war“, sagte sie dem Münchner Merkur.

Die überwiegende Zahl der Leser hat auf allen Kanälen mit viel Verständnis für die alte Dame reagiert. Darunter auch Andreas Braun (47), Inhaber des Edeka-Marktes Am Sportpark 3 in Unterhaching. Er hat angeboten, die alte Dame persönlich abzuholen, sie beim Einkauf in seinem Supermarkt zu begleiten und ihr alles zu zeigen. „Ich würde ihr in Zukunft gerne einmal pro Woche ihren Einkauf nach Hause liefern. Sie müsste zuvor nur telefonisch bestellen.“

Andreas Braun bietet in seinem Markt an und für sich keinen Lieferservice an. „Aber wenn’s Notfälle gibt, helfen wir“, sagt er. So liefern sie manchmal Einkäufe ins nahegelegene Seniorenzentrum. „Eine Dame will regelmäßig ihre zehn Packungen Topfen-Quark haben - mei, fahren wir’s halt vorbei.“

Frau Enzinger will selbständig bleiben

Waltraud Enzinger hat sich sehr über die Reaktionen der Merkur-Leser gefreut, die sie nicht zur Diebin abgestempelt haben. Besonders über das Angebot von Andreas Braun mit dem Lieferservice. „Das ist sehr freundlich und entgegenkommend“, sagt sie. Aber sie will niemandem zur Last fallen - und außerdem ihre Selbständigkeit nicht ganz aufgeben. Sie hat sich schon den nächsten, mit dem Rollator erreichbaren Supermarkt ausgesucht. „Ich will noch ein bisschen selbst rausgehen. So sieht man wenigstens noch ein paar Leute.“

Mittlerweile liegt noch ein Hilfsangebot vor, von Gisela Walossek, selbst schon 77 Jahre alt. „Wenn mich Frau Enzinger zum Einkaufen benötigt, ich stehe ihr auch mit meinem Pkw zur Verfügung“, schreibt sie. „Ich wohne in der Nähe und begleite sie auch gerne mit ihrem Rollator.“ Sie könne sich gut in die Lage der alten Dame hineinversetzen, schreibt sie: „Schon des Öfteren habe ich erlebt, dass ich die von mir bezahlte Ware auf dem Laufband liegen gelassen habe, da ich intensiv damit beschäftigt war, mein Portmonnaie wieder in der Tasche zu verstauen, den Einkaufswagen an mehreren Kassen und weiteren Kunden vorbei zum Ausgang zu chauffieren. Erst zuhause bemerkte ich das Fehlen.“

Wer in einem Fall wie dem von Frau Enzinger ein Hausverbot erteile, habe wahrscheinlich „einfach kein Empfinden dafür, wie ein alter Mensch ,tickt’ und dass dieser trotz aller Hindernisse versucht, mit dem Alltäglichen fertig zu werden“.

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