Im Südosten

Waldbrand-Serie: Psychologe erklärt, wie Feuerteufel ticken

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Gegen die Flammen kämpft die Feuerwehr in Keferloh.

Die Waldbrände hören nicht auf - und es könnten weitere folgen, glaubt die Polizei. Der Leiter der Forensische Psychiatrie am Klinikum der LMU weiß, wie Feuerteufel ticken.

Landkreis – Die Brandserie im Landkreis München beunruhigt die Menschen. Waldbesitzer, Feuerwehr und Polizei stehen unter Spannung. Niemand weiß, wann und wo das nächste Feuer ausbrechen wird – oder ob mit dem jüngsten Brand auch das Ende der Serie einhergeht. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Genau diese Emotionen könnten es sein, die ein möglicher Brandstifter erreichen möchte.

Kolja Schiltz

Warum das so ist, erklärt Kolja Schiltz (46) Leiter der Abteilung Forensische Psychiatrie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Herr Schiltz, Sie haben schon zahlreiche Brandstifter psychiatrisch beurteilt. Gibt es einen bestimmten Typus Mensch, der solche Taten begeht?

Kolja Schiltz: Nein, es zeigt sich kein einheitliches Bild. Jeder Fall muss sehr individuell betrachtet werden. Aber man kann sagen: In der Regel geht es um ein Machtgefühl. Diese Leute merken, sie können etwas bewirken.

Diese Menschen haben also keine Macht und legen deshalb Feuer?

Schiltz: Häufig sind das Leute, die gerade eine frustrierende Situation erleben, etwa in der Schule, im Beruf oder in der Familie.

Gut, das sind aber Gefühle, die doch jeder von uns schon einmal erlebt hat – ohne gleich ein Brandstifter zu werden.

Schiltz: Der Unterschied ist, dass diesen Leuten häufig die geistige Kompetenz fehlt. Es scheint ihnen nicht möglich, mit anderen Mitteln ein bestimmtes Stadium in der Gesellschaft zu erreichen. Und mit dem Legen eines Feuers erleben sie, wie sie mit einer kleinen Handlung einen riesigen Effekt erreichen können.

Gibt es ein bestimmtes Täterprofil?

Schiltz: Nein, das kann man so nicht feststellen. Doch es sind überwiegend Männer jedes Alters. Aber meist keine ganz alten Männer.

Lesen Sie dazu auch: Polizei erstellt Täter-Profil und ist sich sicher: Feuerteufel wird wieder zuschlagen

Planen die Täter ihre Taten in der Regel?

Schiltz: Diese Täter, von denen wir bisher gesprochen haben, handeln zumeist aus einem Impuls heraus. Für sie ist die Tat eine Ersatzbefriedigung. Eben weil gerade Frust da ist. Und ein Feuerzeug haben alle schnell zur Hand. Benutzt aber einer einen Brandbeschleuniger, dann ist das ein anderer Tätertyp.

Warum?

Schiltz: In der Regel wollen diese Täter bewusst Schaden anrichten, handeln bewusst destruktiv. Sie planen gut und komplex.

Das heißt, da ist jemand gezielt sauer und hat jemanden im Blick, den er schädigen möchte?

Schiltz: Ja, das kann man so sagen. Wenn jemand Feuer legt, um ein Machtgefühl zu erreichen, dann zündet er eigentlich Häuser an, keinen Wald. Das ist eher untypisch. Vielleicht will jemand ganz bewusst einem Waldbesitzer schaden. Aber da muss man sehr vorsichtig sein. Wissenschaftlich belegt ist das natürlich nicht.

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