Nachruf Bruno Späth († 66)

Der Sponsor mit den Karamell-Walnüssen ist tot

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Hier fühlte er sich wohl: Bruno Späth am Sportplatz seines geliebten TSV Wartenberg.

Tag für Tag sammelte er Walnüsse, karamellisierte und verkaufte sie. Den Erlös spendete er komplett an den TSV Wartenberg. Weit über den Verein hinaus herrscht nun Bestürzung: Bruno Späth ist nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

Wartenberg – Jeden Morgen um 6 Uhr hielt es Bruno Späth nicht mehr im Haus. Er musste raus. In den Wald. Der Mann war nicht etwa Jäger, der auf die Pirsch ging. Nein, ihn trieb das Sammel-Fieber um. In aller Herrgottsfrühe hatte der Wartenberger nur eins im Sinn: Walnüsse sammeln. Und damit andere glücklich machen. Vor allem seinen Verein, den TSV Wartenberg.

So ziemlich jeder Tag folgte dem gleichen Schema: Nüsse sammeln, diese zuhause mit Ehefrau Roswitha knacken, karamellisieren, verpacken und letztlich verkaufen. „Das war sein Leben“, sagt die Witwe. „Er ist rumgefahren und hat sie dann verkauft“, erzählt sie. Bis nach Hallbergmoos fuhr Bruno Späth, dort hatte er viel Kundschaft. Das Ehepaar stammt von dort. Auch auf dem Nikolausmarkt in Wartenberg war er mit seinen süßen Nussn anzutreffen. Im Ort und eben weit darüber hinaus war Späth für seine Spezialität bekannt.

Von seinen Einnahmen behielt er keinen Cent. Alles ging an die Jugendarbeit seines Herzensvereins. „Uns geht einer verloren, der immer etwas übrig hatte“, sagt Ernst Halir. Er ist der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wartenberg. Späth war bei diesem seit 1994 Mitglied. Als Rentner konnte sich der ehemalige Fliesenleger der Firmen Waldhier in Hallbergmoos und Bach in Erding voll und ganz aufs Sammeln konzentrieren. In den vergangenen fünf Jahren hat er jedes Jahr mehrere tausend Euro aus seinem Nuss-Verkauf an den Klub gespendet. Ende vergangenen Jahres waren es zum Beispiel 5000 Euro – der Erlös von 3000 Packerln. Im Jahr davor kamen sogar 6000 Euro zusammen.

Vorstandssitzungen mit Rehragout

Die teilte er dann auf sämtliche Abteilungen auf. Egal, ob Tischtennis, Handball, Tennis, Turnen, Volleyball oder Fußball: Jeder bekam etwas vom Kuchen ab. „Er hat keinen benachteiligt“, sagt Halir. „Er hat sogar unserer dritten Fußball-Mannschaft ein Tragerl Bier hingestellt.“

Späth hatte eben alles und jeden im Blick. Auch das Geschehen auf dem Platz wollte er genau verfolgen. Deswegen mussten auch ein paar Sträucher weggeschnitten werden, nachdem er von seinem Platzkassier-Häuschen aus keine freie Sicht mehr aufs Feld hatte. Die Pflanzen waren nämlich zu hoch gewachsen.

Auch beim Einlass der Zuschauer schaute er genau hin. „Jeder Schiri musste seinen Ausweis herzeigen“, erinnert sich Halir schmunzelnd. Selbst der langjährige Erdinger Vorsitzende des Bayerischen Landes-Sportverbands Adi Maier konnte nicht einfach so eintreten und musste sich fragen lassen: „Wer bistn du?“

Halir muss lachen, wenn er daran zurückdenkt. Groß Ärger mit Späth habe es aber nie gegeben. „Er hatte keine Feinde“, ist sich der TSV-Fußballchef sicher. „Er war immer gut drauf, war nie grantig.“ Und bei Vorstandssitzungen – als 2. Kassier war Späth seit 2010 Mitglied der TSV-Führung – lud er zu sich nach Hause ein. Diese Treffen sollten bei ihm stattfinden. Darauf bestand er. Mit seiner Frau Roswitha kochte er für seine Vereinskameraden groß auf. Rehragout gab’s zum Beispiel, oder Hirschgulasch. Schwammerl auch. Die steckte er beim Nüsse-Sammeln nämlich auch gerne in seine Tasche.

In diesen Sitzungen wurde immer klar: Späth ging es um die Jugendarbeit. Er, der selber außer einer Stieftochter keine Kinder hatte, behielt den Nachwuchs fest im Auge: „Als ich in den Vorstand kam, merkte ich, dass die Jugend kein Geld hatte. Da musste sich was ändern“, meinte er mal zur Heimatzeitung.

Späth verkaufte übrigens nicht nur Nüsse, sondern auch Gelee-Guatl. Um die herzustellen, hatte er sich extra noch zwei Thermomixe gekauft, wie Halir erzählt. „Vor einem Jahr hat er sich noch Regale zum Ablegen der getrockneten Früchte herrichten lassen.“

Der Nuss- und Guatlverkauf sollte eben noch lange weitergehen. Doch im vergangenen Dezember ereilte Späth die schreckliche Diagnose: Lungenkrebs. Er wollte sich nicht unterkriegen lassen, weiter für seinen Verein da sein. Kurzfristig einen Vertreter für seinen Platzkassier-Posten finden, bis er wieder fit werden würde. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Bruno Späth ist im Alter von 66 Jahren verstorben – zwei Tage vor seinem 67. Geburtstag.

Die Trauerfeier

findet am kommenden Samstag um 10 Uhr in der Pfarrkirche in Wartenberg statt.

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