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Große Trauer um Tobias (25) - „Er war unser Sonnenschein“

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Von: Alexandra Anderka

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Seine Fröhlichkeit und sein Lächeln waren ansteckend. Tobias Dreiseitel (†) hatte die Gabe, seine Mitmenschen in seinen Bann zu ziehen.
Seine Fröhlichkeit und sein Lächeln waren ansteckend. Tobias Dreiseitel (†) hatte die Gabe, seine Mitmenschen in seinen Bann zu ziehen. © Florian Lackermeier

Familie und Freunde trauern um Tobias Dreiseitel (25), der in einem tragischen Unfall verstorben ist.

Eichenried – Einen „wunderschönen letzten Tag“ haben Tobias Dreiseitel und seine Freundin Anna Lux verbracht. Die 21-jährige Studentin erinnert sich mit liebevollen Worten: „Tobias hatte frei. Er mochte eigentlich kein Frühstück, aber an diesem Morgen hat er uns ein riesen Frühstück mit allem Drum und Dran gezaubert, weil er wusste, dass ich das so liebe.“

Auf ihrem kleinen Balkon in Eichenried haben sie bei Sonnenschein den Morgen genossen und ganz viel geratscht. „Das hat uns ausgezeichnet, wir haben unglaublich viel geredet, über Gott und die Welt. Wir brauchten nicht viel. Wir haben uns genügt.“ Während die Pharmazie-Studentin wieder an ihren Schreibtisch zurückkehrte, hat ihr Freund den Abwasch erledigt.

Nachruf auf Tobias Dreiseitel: „Wir brauchten nicht viel. Wir haben uns genügt“

Als Anna Lux das erzählt, muss sie lachen. „Der Tobi war ein wahnsinniger Perfektionist, das kann man sich nicht vorstellen. Bei ihm mussten alle Kissen gerade auf dem Sofa positioniert sein und die Bettdecke mit dem Karomuster nach oben.“ Am Nachmittag verbrachten sie entspannte Stunden am Lieblingsweiher. Tobias habe ein „unglaubliches Händchen und Gespür“ dafür gehabt, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Abends traf sich das Paar mit Freunden, um den gemeinsamen Kroatien-Urlaub zu besprechen. „Tobi wusste schon wieder genau, wann wir Rast machen, wo und wie oft wir grillen. Wir haben noch alle darüber gelacht.“

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Der Kroatien-Urlaub sollte nicht mehr sein. Tobias Dreiseitel ist im Alter von 25 Jahren zwei Tage später durch einen tragischen Unfall gestorben. „Er ist da aus dem Leben rausgerissen worden, wo es am schönsten war“, sagt seine Freundin in tiefer Trauer. Die beiden bewohnten eine Wohnung in Eichenried, verlebten einen wunderbaren Sommer und begannen „auch schon, an die Zukunft zu denken. Wir wurden gerade gemeinsam erwachsen. Unser Leben war perfekt.“

Auch für Tobias’ Mutter Sabine Dreiseitel ist seit besagtem 5. August nichts mehr so, wie es einmal war. Sie liebte an ihrem Tobi so vieles: „Er war ein ganz Besonderer, er hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Er hat uns damit so glücklich gemacht. Ich habe kein einziges Foto von ihm, wo er nicht fröhlich schaut. Er war unser Sonnenschein.“ Am meisten schätzte sie seine Selbstlosigkeit: „Alle anderen kamen zuerst. Er stellte sich immer hinten an. Wenn ich ihn gebraucht habe, sagte er: ,Mami, ich komme.’“ Jeder habe sich in seiner Gesellschaft wohl gefühlt.

Trauer um verstorbenen Tobias (25): „Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht“

Die riesige Anteilnahme an der Trauerfeier und die vielen „bewegten Trauernden“ bestätigen diese Einschätzung. „Es ist mir sehr nahe gegangen zu sehen, dass Tobias’ Tod so wahnsinnig viele Menschen richtig berührt hat“, sagt auch Anna Lux.

Mit bewundernswertem Fleiß und Eifer sei der Industriekaufmann, der im Fuhrpark bei Mercedes in München arbeitete, ausgestattet gewesen. „Geht nicht, gibt’s nicht“, habe Tobias stets postuliert. Wenn der Auto-Liebhaber was reparieren sollte und es nicht konnte, habe er sich auf Youtube zig Tutorials dazu angeschaut. „Meine Spülmaschine hat er fünf Mal ein- und ausgebaut, bis sie wieder gelaufen ist“, erzählt Sabine Dreiseitel stolz.

Obwohl Tobias so ein Perfektionist war und alles durchgeplant hat, habe er im „Hier und Jetzt“ gelebt, mit immer wieder neuen und ausgefallenen Ideen, für die er sich begeisterte, die sein Leben und das der anderen bereicherte. So züchtete er zum Beispiel Ameisen. „Als er mir sein Terrarium zeigte, hab’ ich wohl ein bisschen verdutzt geschaut. Aber er ließ sich nicht beirren. Er hat sich eingelesen, hat so viel über die Tiere gewusst und mit seiner Begeisterung alle angesteckt“, erzählt seine Freundin. Zum Schluss habe die ganze Familie staunend die Ameisen begutachtet.

Zum Staunen habe Tobias die Leute schon als Kind gebracht. Als Fünfjähriger brachte er sich selbst Zaubertricks bei und perfektionierte sie so sehr, dass er am Campingplatz in Italien eine ganze Traube von Leuten um sich scharte, die seine Künste bewunderten und beklatschten.

Nachruf auf Tobias: „Er wollte immer was bewegen, damit hat er auch mich in seinen Bann gezogen“

Tobias sei immer schon ein bisschen anders gewesen als andere Kinder, erinnert sich seine Mutter: „Andere haben Fußball gespielt, er wollte Schwertkunst lernen und hat Wachteln gezüchtet.“ Mit seinen verrückten Ideen konnte Tobias seine Mutter stets auf seine Seite ziehen: „Ich hab’ immer mitgefiebert.“ Einmal kamen Wachteln mit Spreizfüßen zur Welt. Aus Moosgummi habe er dann kleine Spreizhöschen für die Vögelchen gebastelt, denn die Tiere töten, das wäre für den Tierliebhaber keinesfalls in Frage gekommen.

Noch eine andere Anekdote fällt der Mutter ein: „Im Kindergarten mussten die Kleinen ein Feuerwehrauto malen. 20 Kinder haben ein rotes Fahrzeug gezeichnet, mein Tobi ein braunes.“ Als die Mutter ihn darauf ansprach, habe er ihr erläutert: „Aber Mami, meines war doch schon im Einsatz und deshalb voller Dreck.“

Auch in der Pandemie hat er sich Gedanken gemacht, wie er Menschen eine Freude bereiten könnte. Kurzerhand hat er zusammen mit seinem sieben Jahre jüngeren Bruder Jonas eine Cocktailbar mit Lieferservice gegründet. „Tobias wollte immer was bewegen, und damit hat er auch mich in seinen Bann gezogen. Ich habe so viel von ihm gelernt“, sagt Jonas traurig und dankbar zugleich. „Er hat immer an was rumgebastelt, wollte was schaffen“, bewundert ihn sein Bruder.“

Als „wissbegierig und neugierig“ charakterisiert seine Mutter den 25-Jährigen. „Das Deutsche Museum war schon als Kind seine zweite Heimat.“ Nur für Latein habe er sich nicht begeistern können: „Seine Lehrer am Korbinian-Aigner-Gymnasium hatte er entweder auf seiner Seite oder mit endlosen Diskussionen genervt.“

Geschichten über Tobias Dreiseitel könnten ein ganzes Buch füllen, und er hatte noch so viel vor, wozu er jetzt nicht mehr gekommen ist. Für seine letzte Ruhestätte hat seine Mutter ein Grab mit Blick auf den grünen Wald ausgesucht. „Tobias liebte ja auch die Natur – und das Leben.“

Sein Credo: „Geht nicht, gibt’s nicht!“

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