Keine Lust auf Watschnbaum: Seehofer spricht über möglichen Rücktritt

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Hochzeit des Angeklagten droht zu platzen

Den eigenen Chef beklaut: „Das nächste Mal sperre ich Sie ein“

Zwei Männer (25 und 26 Jahre alt) klauen ihrem eigenen Chef Autoteile im Wert von 65.000 Euro. Wie beide nur haarscharf dem Knast entgehen. 

Ebersberg/Erding – 125 Minuten dauert die Verhandlung vor dem Ebersberger Amtsgericht, von der das Wichtigste hinter verschlossenen Türen ausgekartelt wird. Direkt nach Prozessbeginn schlägt Richterin Vera Hörauf ein Rechtsgespräch vor. Die Staatsanwältin und die beiden Verteidigerinnen der Angeklagten sprechen. 50 Minuten. Im Verschlossenen. Warten im Gerichtssaal. Stille.

Bei einem der beiden türkischstämmigen Angeklagten geht es um alles. Um seine Freiheit. Um seine Familie. Er ist auf Bewährung. Und er will heiraten. 26 Jahre ist der Erdinger alt und erst in einem anderen Prozess wegen Körperverletzung verurteilt worden. Doch anstelle nicht erneut straffällig zu werden, begeht er gemeinsam mit einem türkischen Landsmann (25) einen Diebstahl, der seinesgleichen sucht. „Sie haben nichts dazu gelernt“, sagt Hörauf nach dem Gespräch mit den Anwälten. „Sie gehen aus dem Gerichtssaal und begehen die nächste Straftat.“

Sie klauten über 1000 Autoteile

Über 1000 Autoteile mit einem Gesamtwert von knapp 65 000 Euro klauten die Männer im Frühjahr 2016 aus einer Firma im nördlichen Landkreis Ebersberg, in der sie selber beschäftigt waren. Sie lagerten über 1000 Gurtschlösser, Sitzpolster und Kopfstützen im Keller ihrer Elternhäuser und verkauften die Autoteile in Augsburg, Erding, München und Nürnberg.  Es sei eine Riesenfrechheit und ein „starkes Stück seinen eigenen Chef zu beklauen“, sagt die Staatsanwältin.

Die Kritik und die Schelte prallt nur so auf die beiden Angeklagten ein, die leise mit ihren weißen Hemden auf der Anklagebank sitzen und nicken. Aus Naivität hätten sie das getan und weil es eine Chance auf schnelles Geld gewesen sei. Beide hätten Schulden, einige tausend Euro, wegen einer Kaufsucht und eines geplatzten Kredits. „Ich schäme mich in Grund und Boden“, sagt der 26-Jährige, der die ganze Zeit nervös mit seinem Bein wippt.

Eigentlich Gefängnis, aber...

Eigentlich müsste er bei einer Verurteilung in den Knast, wegen seiner offenen Bewährung. „Wäre es nach mir gegangen, wären sie heute auch ins Gefängnis gegangen“, sagt die Staatsanwältin. Nur durch das Rechtsgespräch und dem Deal, dass die Beschuldigten vollends geständig sind, einigen sich die Juristen auf eine Bewährungsstrafe. „Es war haarscharf“, sagt Hörauf. 

Der 25-Jährige, der ebenfalls bereits einige Gerichtsverfahren hatte, wird zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Der 26-Jährige kommt mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung gerade so davon. Die Staatsanwältin sagt, dass er richtiges Glück habe. Andernfalls „würde Ihre Zukünftige Sie im Knast besuchen“. Außerdem müssen beide insgesamt noch 48 000 Euro an Geschädigte durch den Diebstahl zahlen und 40 Sozialstunden ableisten. Hörauf sagt zu dem 26-Jährigen, dass es das allerletzte Mal war: „Das nächste Mal sperre ich Sie ein!“

Rubriklistenbild: © dpa / Nicolas Armer

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